Volker Jährling erfüllt sich mit 76 Jahren einen Traum Vier-Sterne-Flug über Rio de Janeiro

Bünde (WB). In der Repu­blik Kongo hat er Berggorillas aus fünf Metern Entfernung gesehen, in Sibirien war er gefährlich nahe dran an Bären. Jetzt hat Volker Jährling im Amazonas Piranhas geangelt. Und sich auf dieser Reise mit 76 Jahren einen Traum erfüllt: mit einem Gleitschirm über Rio schweben, im Vier-Sterne-Trikot der Fußballnationalmannschaft und mit Blick auf das Maracana-Stadion.

Von Rainer Grotjohann
Im Hintergrund der Zuckerhut, tief unten einer der Traumstrände der brasilianischen Metropole. Mit einer Helmkamera  und zwei weiteren Kameras, die am Gestänge des Gleitschirms montiert sind, werden ein Video und Fotos aufgenommen.
Im Hintergrund der Zuckerhut, tief unten einer der Traumstrände der brasilianischen Metropole. Mit einer Helmkamera und zwei weiteren Kameras, die am Gestänge des Gleitschirms montiert sind, werden ein Video und Fotos aufgenommen.

Als die Löw-Elf in dem legendären Fußballtempel am 13. Juli 2014 Argentinien im WM-Finale besiegt hatte, recherchierte Jährling im Internet und fand einen Deutsch-Brasilianer, der Tandemflüge entlang der weißen Traumstrände und sanften Hügel am Zuckerhut anbot. »Ich war vor Jahren schon einmal am Amazonas und wollte schon damals einen Gleitschirm- oder lieber noch Drachen-Tandemflug machen. Aber damals waren die Winde zu ungünstig, das Risiko wollte niemand eingehen,« erinnert sich Jährling.

Aber jetzt stellte sich ein anderes Problem: nicht Jährlings Alter, sondern sein Gewicht. Für einen Tandemflug war der Inhaber des Bünder Kaufhauses zu schwer. Mit eiserner Disziplin bei der Ernährung und sehr viel Sport reduzierte es der 1,85-Mann innerhalb weniger Monate um elf Kilo.

Und war damit auch fit für die Strapazen, die der dem Flug vorgeschaltete Trip auf dem Amazonas seiner Reisegruppe abverlangte. Auf einem kleinen Schiff mit nur acht Kabinen ging es auf den Riesenstrom. Landgänge waren kaum möglich, der Fluss führte Hochwasser, zehn Meter über dem Normalstand. »Wir sind durch Baumwipfel geschwommen, meist waren wir mit kleinen Kanus unterwegs«.
Und dann kam der große Tag. Das Trikot mit den vier Sternen, einer für jeden WM-Titel, hatte Jährling zum Flug mitgebracht. »Ich fragte Rodriquez, den Gleitschirmpiloten, ob das für ihn als Brasilianer ein Problem sei. Er lachte nur. Nein, für seine Landsleute sei nur ungeheuer wichtig, dass wir Argentinien besiegt hätten.«

Während Jährling in einer Runde von jungen Leuten (»hätten alle meine Enkel sein können«) auf den Start wartete, plauderte er mit den Teenagern über Fußball und die geplatzten Titel-Träume der brasilianischen Elf. Zur Erinnerung: 1:7 waren die Gastgeber im Halbfinale gegen Schweinsteiger, Lahm und Co. untergegangen. Die jungen Brasilianer versicherten Jährling, dass das Verhalten der deutschen Spieler während des Matches und nach dem Abpfiff vorbildhaft gewesen sei. Sie hätten ihren Triumph nicht ausgekostet und die gedemütigten und am Boden zerstörten Gegner zu trösten versucht. »Auch Rodriquez hat mir bestätigt, dass das in Brasilien unheimlich gut angekommen ist. Die Deutschen, nicht nur die Fußballer, sind dort sehr gut angesehen.«

Nach dem Fußballgeplauder wurde es ernst. Es sei schon ein merkwürdiges Gefühl gewesen, an einem Abgrund zu stehen und sich völlig in die Hand eines anderen Menschen geben zu müssen. Nach dem Absprung aber Glücksgefühle pur. Es sei unvergesslich gewesen, über die Strände und die Rio umsäumenden Hügel zu schweben, schwärmt Jährling noch heute. Auch wenn das mitten in der Stadt gelegene Maracana-Stadion nicht überflogen werden dürfe, ebenso wenig wie der Zuckerhut.

Landeanflug: Der Pilot setzt den Schirm sanft auf einer Wiese ab, direkt neben einer Hauptverkehrstraße.

Nach knapp 20 Minuten die Landung auf einer Wiese, direkt neben einer viel befahrenen Straße. Bei einem langen Spaziergang entlang der Copacabana ließ Volker Jährling das kleine Abenteuer noch einmal Revue passieren und die Euphorie ausklingen.

Einige Freunde und Verwandte könnten nicht begreifen, dass er im fortgeschrittenen Alter noch solche Strapazen und Wagnisse auf sich nehme. Aber dazu gehöre nur gerade so viel Mut, wie er aus dem Vertrauen in andere Menschen schöpfen könne, sagt Jährling sehr nachdenklich. Als Unternehmer investiere er und gehe (kalkulierbare) Risiken ein, »weil ich meiner Mannschaft, meinem Team absolut vertrauen kann. Und bei meinen etwas abenteuerlichen Aktivitäten kann ich auch anderen Vertrauen entgegenbringen, so wie jetzt eben Rodriquez.«

Es soll nicht der letzte Abenteuerurlaub gewesen sein: »Mal sehen, was ich mit 80 mache.« Und bis dahin hält sich Volker Jährling fit. Fünf Kilometer joggt er täglich, zweimal pro Woche werden lange Strecken geschwommen.

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