Baseball-Camp der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Texaner und OWL-Schmuddelwetter

Bünde (WB). 16 Grad, dazu ein bis auf die Haut gehender Nieselregen. Und Mel Rowell strahlt. »Great« sei das Wetter, meint der 76-Jährige. Mel ist der Älteste in einer Gruppe von 28 Männern, Frauen und Jugendlichen, die die Reise über den großen Teich auf sich genommen haben, um als Trainer das schon traditionelle Baseball- und Cheerleader-Camp der Freikirchlichen Gemeinde  zu gestalten.

Von Rainer Grotjohann
Familienausflug nach Bünde: Mel Rowell ist mit seinem Sohn Tim (42), Schwiegertochter Dara (39) und deren Kindern Mathew (16) und Katilyn (13) gekommen. Den Flug zahlen übrigens alle texanischen Trainer aus eigener Tasche.
Familienausflug nach Bünde: Mel Rowell ist mit seinem Sohn Tim (42), Schwiegertochter Dara (39) und deren Kindern Mathew (16) und Katilyn (13) gekommen. Den Flug zahlen übrigens alle texanischen Trainer aus eigener Tasche. Foto: Rainer Grotjohann

In seiner texanischen Heimat würde der pensionierte Pastor jetzt freiwillig keinen Schritt nach draußen machen:  Bei Temperaturen von aktuell 33  bis 38 Grad, die auch nachts nicht unter 23 Grad sinken, und einer Luftfeuchtigkeit von mehr als 80 Prozent nachvollziehbar. Da ist es in Old Germany schon sehr viel angenehmer.

Angenehm genug, um Baseball zu spielen. Zeitverschiebung inklusive hatten die Amerikaner aus den Partnergemeinden La Grange und Fayette  eine 23-stündige Tour hinter sich, als sie am Sonntagnachmittag in  Ennigloh aus dem Bus stiegen.

Und am Montag? Von Jetlag keine Spur. Um 8 Uhr morgens begann das Training auf den beiden Plätzen des Erich-Martens-Stadions, in jeweils acht Gruppen geht es zur Sache. Mehr als 180 Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 12 und von 13 bis 19 Jahren  lassen sich von den Texanern an den ur-amerikanischen Sport heranführen.

Nicht zu vergessen die Gruppe von Mädchen, die mit Feuereifer für ihren großen Auftritt als Cheerleader am kommenden Samstag, wenn die  Abschlussturniere  anstehen, üben. Denn dazu gehört viel mehr als ein paar Tanzschritte einzustudieren und die Pompoms zu schwenken. In den Staaten sind  Cheerleaderinnen deutlich mehr als schmückendes Beiwerk für die Matches der Foot- und Baseballer.

Das weiß auch Michael Schmale von der Freikirchlichen Gemeinde, der seit einigen Jahren die Camps organisiert und dabei auf  einen  Stamm von mehr als 50 Helfern zurückgreifen kann. Die Texaner sind ausschließlich in Gastfamilien untergebracht. Mittags wird für sie und die einheimischen Dolmetscher im Haus der Freikirche gekocht. 60 Leute werden dort  mittags verpflegt. Und am heutigen Dienstag  wird es noch voller in dem Gebäude an der Stadionstraße. Dann wird die Texas Night gefeiert, nicht nur die Gäste  tauchen mit Stetson und in Cowboystiefeln auf, auch die Einheimischen werfen sich in (texanische) Schale, machen mit bei Line Dance und Hufeisenwerfen. Eine Campband mit Schlagzeuger, drei  Gitarristen, Bassisten und zwei Sängerinnen hat sich gegründet und wird den Besuchern anheizen.   Alkohol? Brauchen weder  Gäste noch Gastgeber bei diesem Fest.

Herzlichkeit auf beiden Seiten zeichnet die Begegnungen aus. Alte Freundschaften werden gepflegt, neue werden geschlossen. Die Begeisterung für  den gemeinsamen Sport und der christliche Glaube verbinden stets gut gelaunte Texaner und als zurückhaltend geltende  Ostwestfalen. Und das schon seit dem Jahr 2007.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.