Jana Nagel und Eyüp Odabasi nehmen Stellung Auseinandersetzung am Bahnhof

Bünde (WB). Nachdem die Polizei am Dienstag eine Massenschlägerei zwischen 40 türkischen und kurdischen Heranwachsenden vor dem Bünder Bahnhof verhindert hat, nehmen jetzt Eyüp Odabasi, Vorsitzender des Integrationsrates, und Jana Nagel von der Liste Pro Integration Stellung.

Von Kathrin Brinkmann
Vor dem Mexims am Bahnhof in Bünde gerieten die jungen Leute am Dienstagabend aneinander. Die Polizei musste schlichten.
Vor dem Mexims am Bahnhof in Bünde gerieten die jungen Leute am Dienstagabend aneinander. Die Polizei musste schlichten. Foto: Daniel Salmon

»Wir sind sehr bestürzt darüber, was passiert ist. Wir verurteilen gewalttätige Auseinandersetzungen jeglicher Art und auch unabhängig von der Bevölkerungsgruppe«, sagte Jana Nagel.

Ein gefundenes Fressen für Pegida und Co

Als Bünderin, die selbst Migrationshintergrund habe, schäme sie sich für solche Vorfälle ganz besonders, wenn andere Menschen mit Migrationshintergrund beteiligt seien. »Es ist doch Fakt, dass solche Aktionen für Organisationen wie Pegida ein gefundenes Fressen sind.

Nicht jeder Migrant oder jede Migrantin ist direkt gewaltbereit, oder stellt gar ein gesellschaftliches Problem dar«, sagt Nagel. Das Gegenteil sei der Fall. Eine große Mehrheit sei längst gut integriert und lebe in Deutschland ein friedliches Leben. »Die Meisten sind dankbar für die Chance auf ein besseres Leben.

Es ist tatsächlich so, dass es vereinzelte Personen gibt, die Unruhe stiften.« Solche Menschen gebe es allerdings auch in der Bevölkerungsgruppe von Personen ohne Migrationshintergrund. An dieser Stelle müsse sich jeder Bürger fragen, wie man mögliches Konfliktpotenzial in Bünde eingrenzen könne, unabhängig von Hautfarbe, Religion und Herkunft.

Organisationen nehmen Einfluss

Eyüp Odabasi sieht dies ähnlich. Er verurteile die Situation und fordere die Betroffenen dazu auf, sich mehr um die Belange hier in Deutschland zu kümmern und nicht um die Belange des Landes, aus dem die Großeltern kommen.

»Viele der Jugendlichen, die bei dem Streit dabei waren, leben vermutlich bereits in dritter oder vierter Generation bei uns in Deutschland. Trotzdem lassen sie die Geschehnisse in der Türkei nicht kalt. Das gilt aber auch für viele Deutsche«, sagt Odabasi. Verschiedene Organisationen würden seit längerem versuchen, Einfluss auf die Menschen in Deutschland zu nehmen. »Hierzu gehören türkische Nationalisten, kurdische Nationalisten und Linksextreme. Die grauen Wölfe werden vom Verfassungsschutz beobachtet, die Terrororganisationen PKK und die DHKPC sind international verboten.«

In Bünde habe es linksextreme Schmierereien in der Bahnhofstraße gegeben. Die Brandanschläge auf Moscheen in Bad Salzuflen und Bielefeld zeugten ebenfalls von Gewaltbereitschaft. Es gebe leider Menschen, die europaweit von einer Demo zur nächsten pilgern, wenn es um die Türkei gehe. »Manche von ihnen fehlen aber als Eltern in den Elternsprechtagen ihrer Kinder«, so Odabasi.

Deutschland als Heimat begreifen

Die Wahlen in der Türkei seien sehr emotional und polarisierend gewesen. Diese Polarisierung sei nicht nur in der Türkei vorangetrieben worden, sondern auch durch Medien und Parteien in Deutschland. Zwischendurch habe man den Eindruck gehabt, dass die Wahl nicht in der Türkei sondern in Deutschland stattfindet.

Bekanntlich seien Jugendliche solchen Strömungen eher erlegen. Daher müsse man versuchen, den Einfluss extremer Gruppierungen auf die Menschen hier zu verringern. Die Eltern seien in der Pflicht, die Jugendlichen müssten jedoch auch signalisiert bekommen, dass Deutschland ihre Heimat ist. Das sei nur zu erreichen, indem Chancengleichheit herrsche.

Medien und Politik sollten sich laut Odabasi mehr um die deutsche Politik kümmern und weniger aufreißerisch wirken. »Zudem brauchen wir Lehrer und Sozialarbeiter mit interkultureller Kompetenz, die gezielt auf die Belange dieser Jugendlichen eingehen«.

Deutsche ohne Migrationshintergrund könnten die Rivalitäten zwischen den verschiedenen Gruppen nicht nachvollziehen. Sie seien irritiert oder gar verängstigt, sollten aber nicht wegschauen.

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