Brunnenwasser nicht mehr trinken – Experten warnen vor Überdüngung Grundwasser mit Nitraten belastet

Bünde (WB). Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser in Bünde, Rödinghausen, Kirchlengern und Hiddenhausen hat der VSR-Gewässerschutz bei seinen Brunnenwasserproben am 30. April festgestellt.

Die Homepage des VSR-Gewässerschutzes.
Die Homepage des VSR-Gewässerschutzes.

In fast 20 Prozent der analysierten Proben lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Insgesamt wurde das Wasser aus 27 privaten Brunnen analysiert. Die Gewässerexperten warnen vor einer weiteren Überdüngung der landwirtschaftlichen Böden. Es komme dadurch zu einer unnötig hohen Nitratauswaschung ins Grundwasser.
Die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz fanden 125 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Dünne. Weitere sehr stark mit Nitraten belastete Brunnen stellten die Umweltschützer in Randringhausen mit 70 Milligramm pro Liter (mg/l), Kirchlengern mit 65 mg/l und Hunnebrock mit 114 Milligramm fest. Das Wasser sei nicht mehr zum Trinken geeignet. Wichtig sei, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird. Es bestehe die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen komme. Diese können beim Absterben zum Fischsterben führen.
Nicht nur Gartenbrunnenbesitzer, sondern auch die öffentliche Wasserversorgung sei darauf angewiesen, dass das Grundwasser den Grenzwert nicht überschreitet. Während Brunnennutzer meist nur aus dem oberflächennahen Grundwasser fördern, hätten die Wasserversorger die Möglichkeit, immer tiefere Grundwasservorräte anzuzapfen oder nitratbelastes Grundwasser mit geringer belastetem zu mischen. Doch auch das reiche häufig nicht mehr. Um weiter den Grenzwert ohne teure Aufbereitung einhalten zu können, gehen viele Wasserversorger Kooperationen mit Landwirten ein. Da die Begrenzung der Düngermengen in der Landwirtschaft nicht ausreiche, um das Grundwasser unter Ackerflächen vor einer zu hohen Nitratauswaschung zu schützen, erhalten Landwirte, die freiwillig Kooperationen eingehen, Ausgleichszahlungen, wenn sie weniger Dünger einsetzen.
Die zunehmende Massentierhaltungen führe zu einem enormen Gülleanfall und zu großen Grundwasserproblemen. Um die Notwendigkeit einer Änderung der Düngerausbringung auch außerhalb der Wasserschutzgebieten zu sehen, bräuchten Landwirte dringend Messwerte. Der VSR-Gewässerschutz möchte diese Informationslücke mit Messungen schließen. Daher sind alle Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen seit 1984 auf der Homepage www.vsr-gewässerschutz.de dargestellt. Fragen beantwortet Harald Gülzow, Experte in Grundwasserfragen, freitags zwischen 9 und 12 Uhr, Telefon 02831/976523.

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