Edda Dupree und Hans-Wilhelm Steinkühler legen in acht Jahren 9080 Kilometer mit dem Fahrrad zurück Vom Nordkap bis nach Gibraltar

Bünde (BZ). Am Anfang stand eine Idee. Warum nicht einmal mit dem Fahrrad von Bünde nach Berlin fahren?

Von Hilko Raske
Am Ziel: nach acht Jahren und 9080 Kilometern mit dem Fahrrad zurück gelegter Strecke am südlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Im Hintergrund ist Afrika zu erkennen.
Am Ziel: nach acht Jahren und 9080 Kilometern mit dem Fahrrad zurück gelegter Strecke am südlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Im Hintergrund ist Afrika zu erkennen.

Edda Dupree (58) und Hans-Wilhelm Steinkühler (56) waren 2006 nach einer Mehrtagestour, die der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) angeboten hatte, auf den Geschmack gekommen. Am Ende wurde aus dieser Idee eine Radtour, die vom Nordkap bis nach Gibraltar führte.9080 Kilometer - so lang ist die Strecke, die das Paar vom nördlichsten Punkt Europas bis zum südlichsten mit dem Fahrrad zurücklegte. 45 926 Höhenmeter mussten dabei überwunden werden - eine Herausforderung, die man nicht mal eben so innerhalb eines normalen Urlaubs bewältigt. Und so benötigten die beiden Radfahrbegeisterten acht Jahre, um diese außergewöhnliche Tour in Etappen zu meistern.

 
»Anfangs wollten wir im Grunde genommen nur den kompletten Europaradweg R1 abfahren«, erinnert sich Edda Dupree. Der führt von Boulogne-sur-Mer in Frankreich bis nach Sankt Petersburg in Russland und ist immerhin noch 3600 Kilometer lang. Der Radfernweg passiert dabei OWL - so gehören Gütersloh, Verl und Schloss Holte-Stukenbrock zu den Stationen. Doch nach dem ersten Teilabschnitt, den das Paar 2007 zurücklegte - 450 Kilometer von Bünde nach Berlin -, war der Ehrgeiz geweckt und ein gewisser Suchtfaktor eingetreten. »Wir hatten festgestellt, dass man mit ganz normalen Tourenrädern auch als Hobbyradler sehr weit kommt, wenn man jeden Tag etwa 80 bis 100 Kilometer zurücklegt«, sagt Edda Dupree. Hans-Wilhelm Steinkühler war anfangs sogar nur mit dem alten Fahrrad seines Vaters unterwegs. 

Ohne Hightech unterwegs

Auf eine Hightech-Ausrüstung verzichteten die Beiden. »Wir sind weder mit GPS unterwegs gewesen noch haben wir uns mit einem Smartphone beholfen«, erzählt Edda Dupree. Stattdessen hätten Karten und ein Kompass zur Ausrüstung gehört. Der einzige »Luxus«, den man sich gegönnt habe, seien »unkaputtbare« Fahrradreifen und ein Höhenmesser gewesen. »Wir hatten in den ganzen acht Jahren nur dreimal ein Platten.« Die komplette Ausrüstung wurde in normalen Radtaschen verstaut. Dazu gehörte auch ein Campingzelt. »Aber wir haben uns auch in Pensionen, Gasthöfen und Hotels einquartiert. Wir haben immer etwas gefunden, mussten nie etwas reservieren«, erzählt Hans-Wilhelm Steinkühler. Die längste Strecke habe von Helsinki bis ans Nordkap geführt. 1730 Kilometer schaffte das Paar in 19 Tagen. »In den weiten Finnlands ist uns da manchmal stundenlang niemand entgegen gekommen - das waren richtig meditative Touren«, sagt Edda Dupree.

Die Anreise zu den jeweiligen Startpunkten sei ganz unterschiedlich erfolgt. »Mal sind wir mit der Bahn, mal mit dem Schiff oder Flugzeug dahin gelangt. Das war nie ein Problem.« Negative Erlebnisse hätten sie in den acht Jahren überhaupt keine gehabt. Im Gegenteil. Überall seien die Menschen sehr hilfsbereit gewesen. Wenn man mit Englisch nicht weitergekommen sei, habe man sich trotzdem verständigen können.

Die südlichste Etappe hatte sich das Paar für den Schluss aufgehoben - von Madrid an Gibraltar vorbei nach Tarifa, dem südlichsten Punkt des Festlandes. »Auf der gegenüberliegenden Seite, 40 Kilometer entfernt, konnten wir die Umrisse Afrikas erkennen. Da wussten wir, dass wir es geschafft haben«, schwärmt Edda Dupree.
Und wie geht es jetzt weiter? »Vielleicht fahren wir die ganze Donau entlang - von Quelle in Donaueschingen bis zum Schwarzen Meer«, sagt Steinkühler.

Kommentare

Meine Hochachtung!

Wirklich klasse, dass immer mehr Menschen das Reisen mit dem Rad für sich entdecken. Diese Reisen hinterlassen Eindrücke für das restliche Leben. Eindrücke welche einem beim Pauschalurlauben am Hotelpool ganz sicher verwehrt bleiben. Dies wird in obigem Artikel, als die Hilfsbereitschaft der Menschen, oder die meditativen Momente in den Weiten Finnlands angesprochen werden, deutlich.
Auch ich hatte mich im vergangenen Sommer in Richtung Nordkapp aufgemacht, auch ich hatte lediglich Karten und Kompass zum Navigieren im Gepäck. Am Ende Standen 6 unvergessliche Wochen, bei 6079 zurückgelegten Kilometern auf der Habenseite des Lebens. Alles detailliert nachzulesen auf meinem Reiseblog nordkapploop.de Viel Spass!

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