Mehr als 70 Zuhörer besuchen Vortrags- und Diskussionsabend in Werther Bauern und Naturschützer einig: Es muss sich was ändern

Werther (WB). Das Rebhuhn flattert nur noch selten aus dem Gebüsch, von den Wiesen sind Sumpfdotterblumen, Kukucksnelke, Wiesenschaumkraut und die Kleeblüten verschwunden, mit ihnen die Insekten und Vögel. Ein Dilemma, das die Journalistin Dr. Susanne Dohrn in ihrem Buch »Das Ende der Natur« an zahlreichen Beispielen deutlich macht. Der Vortrags- und Diskussionsabend mit ihr lockte mehr als 70 Zuhörer ins Haus Werther.

Von Klaus-Peter Schillig
Das Ende der Natur? Als Hauptakteure bestritten den Vortrags- und Diskussionsabend (von links) Bernhard Walter, Dr. Susanne Dohrn, Jochen Meyer zur Müdehorst, Werner Schröder und Moderator Wilhelm Gröver.
Das Ende der Natur? Als Hauptakteure bestritten den Vortrags- und Diskussionsabend (von links) Bernhard Walter, Dr. Susanne Dohrn, Jochen Meyer zur Müdehorst, Werner Schröder und Moderator Wilhelm Gröver. Foto: Klaus-Peter Schillig

Der Untertitel des Buches macht deutlich, wen die Autorin aus Schleswig-Holstein verantwortlich macht für den Rückgang der Artenvielfalt: »Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür.« Zum Zuhören und Diskutieren waren aber nicht nur besorgte Bürger und Naturschützer gekommen, auch die Landwirtschaft war eingeladen und erschienen. Auf dem Podium gleich zwei Vertreter: Jochen Meyer zur Müdehorst, Biobauer aus dem benachbarten Bielefeld, und Joachim Klack, Landwirt aus Bockhorst und Vorstandsmitglied im Landwirtschaftlichen Kreisverband. Als Mitveranstalter und Moderator fungierte Wilhelm Gröver, Leiter der Abteilung Umwelt beim Kreis Gütersloh.

Der Verbraucher ist gefragt

Das, was Dr. Susanne Dohrn dann auch ihrem Buch und ihrer Recherche-Arbeit vorträgt (wir berichteten bereits am 3. März), wird auch von den anwesenden Landwirten nicht bestritten. Deutlich wird in den Ausführungen von Joachim Klack, dass der Verbraucher gefragt ist. »Wir brauchen mehr Marktplätze«, sagt der Bockhorster Landwirte. Zum einen zum Meinungsaustausch, zum anderen zum Einkaufen. Denn den Markt nur vier Handelsriesen zu überlassen, sorge eben für den Preisdruck und immer leistungsorientiertere Landwirtschaft. Carsten Frentrup aus Steinhagen machte deutlich, dass »wir von dem, was wir tun, leben müssen«. Das Problem seien die Leute, die zu solchen Veranstaltungen nicht kämen, die »lieber die Tüte Milch für 69 Cent im Aldi kaufen«.

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Die Verbraucher müssen mehr Geld in die Hand nehmen beim Einkaufen. Dann wären die Landwirte in der Lage, Flächen stillzulegen für den Artenschutz.

Landwirt Carsten Frentrup

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Die nährstoffarme Wiese von einst, mit vielen bunten Blumen und Kräutern, liefert den Hochleistungskühen von heute aber nicht genug Kraftfutter. Moderne und kräftige Grassorten sind gefragt, zwischen deren sattem Grün kein Platz mehr ist für insektenfreundliche Blühpflanzen. Genau diese Art der Wiese, muss Jochen Meyer zur Müdehorst einräumen, braucht auch der Biobauer, um konkurrenzfähig zu sein. Dass sich was ändern muss an EU-Förderung und Verbraucherverhalten, am Spritzen und intensiven Anbau von Monokulturen, darin sind sich der Biobauer und der konventionell arbeitende Bauer einig. Carsten Frentrup nennt eines der wichtigsten Ziele: »Die Verbraucher müssen mehr Geld in die Hand nehmen beim Einkaufen. Dann wären die Landwirte in der Lage, Flächen stillzulegen für den Artenschutz.«

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