28-Jähriger aus Werther vor dem Landgericht Bielefeld angeklagt 17 Einbrüche in zwei Monaten

Werther/Steinhagen/Bielefeld (WB/swa). In nur zwei Monaten soll ein 28-jähriger Mann aus Werther mit zwei Komplizen 17 Wohnungseinbrüche begangen und dabei über 66.000 Euro Beute gemacht haben. Nach einer erfolgreichen Flucht im Januar 2014 konnte er nun verhaftet werden. Seit Donnerstag wird ihm am Landgericht Bielefeld der Prozess gemacht.

Foto: Symbolfoto

Auftakt der fast einzigartig scheinenden Diebestour soll am 2. November 2013 gewesen sein. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sollen die Täter stets nach auf Kipp stehenden Fenstern oder leicht aufzuhebenden Terrassentüren Ausschau gehalten haben, um durch diese in Wohnungen einsteigen zu können. Bei der ersten Tat in Borgholzhausen soll das Trio ein Küchenfenster geöffnet haben und mit 1.500 Euro geflohen sein.

An vier Tagen mehrfach zugeschlagen

Weitere 16 Einbrüche in Wohnungen soll es in Bielefeld, Enger, Gütersloh, Halle, Spenge-Lenzinghausen und Steinhagen gegeben haben. Gezielt wurde Beute auf Bargeld, Schmuck und technisches Gerät wie Kameras, Laptops und Tablets gemacht. Gleich an vier Tagen sollen die potentiellen Täter mehrfach zugeschlagen haben. In Gütersloh soll ein Einbruch in eine Doppelhaushälfte gescheitert sein, weshalb die Diebe kurzerhand in die andere Hälfte eingestiegen sein sollen, so die Anklage.

Am 10. Dezember wurde sich brachial mit einem Beil Zugang durch ein Fenster in das Wohnungsinnere verschafft. Die Täter konnten nur 2,50 Euro Bargeld erbeuten, weshalb sie wenige Stunden später erneut zuschlugen. Dieses Mal mit größerem Erfolg: In einem Tresor fand die mögliche Diebesbande eine Münzsammlung im Wert von 20.000 Euro.

Opel des Verdächtigen war immer in Tatortnähe

Die Staatsanwaltschaft bezichtigt einen 28-jährigen Mann, der seit 2013 mit seiner Frau in Werther lebt, Teil der Diebesbande gewesen zu sein. Er habe das Fluchtauto, ein Opel Omega besorgt, und auch seien Teile der Beute aus neun Fällen im Auto beziehungsweise in der Wohnung des in Italien geborenen Serben gefunden worden. Ein Navigationsgerät im Opel zeichnete auf, dass der Wagen an den betreffenden Tagen jeweils in Tatortnähe gewesen ist.

Das Gericht versuchte am ersten Verhandlungstag mit der Verteidigung und Staatsanwaltschaft eine Einigung herzustellen. Für alle Verfahrensbeteiligten wäre im Falle eines Geständnisses des Angeklagten eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von vier Jahre annehmbar gewesen. Streit gab es jedoch über die Frage, ob der Angeklagte die Strafe im offenen Vollzug ableisten könnte. Staatsanwältin Schröder sah Fluchtgefahr, weshalb auch das Gericht die Aussetzung der Vollziehung ablehnte. Verteidiger Dr. Detlev Binder kündigte daraufhin die naheliegende Verständigung auf.

Verwandte hatten Zugriff auf das Auto

In einer Verteidigererklärung schilderte Binder, dass sein Mandant nichts mit den Wohnungseinbrüchen zu tun hätte. Zwar habe er das Auto angeschafft, jedoch hätte der große Familienkreis stets Zugriff auf den Wagen gehabt. Üblich für den Kulturkreis der Roma sei auch, dass ständig Verwandte bei dem Wertheraner gewohnt hätten. So könne er nicht sagen, wie das Diebesgut in seine Wohnung gekommen sei. Manches habe er aber auch von Verwandten geschenkt bekommen.

Durch das Abstreiten der Taten werden die vier angesetzten Verhandlungstage zur Aufklärung nicht ausreichen. Umfangreiche Zeugenvernehmungen werden notwendig sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich bei den beiden weiteren Tatbeteiligten um Brüder des Angeklagten handelt.

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