Immobilienkaufmann Ibrahim Kus wird von Papst Franziskus empfangen Wertheraner besucht den Vatikan

Werther/Rom (WB). Ibrahim Kus, Geschäftsführer der gleichnamigen Immobilien-Gesellschaft aus Werther, ist eine besondere Ehre zuteil geworden. Der 44-Jährige hat eine jesidische Delegation nach Rom begleitet. Im Vatikan hat diese eine Audienz bei Papst Franziskus erhalten.

Von Rajkumar Mukherjee
Mit einem Lächeln reicht Papst Franziskus Ibrahim Kus die Hand und überreicht ihm später eine Medaille zur Erinnerung.
Mit einem Lächeln reicht Papst Franziskus Ibrahim Kus die Hand und überreicht ihm später eine Medaille zur Erinnerung. Foto: »Gesellschaft Ezidischer Akademiker/-innen«

Ibrahim Kus ist zugleich zweiter stellvertretender Vorsitzender der bundesweit tätigen »Gesellschaft Ezidischer Akademiker/-innen« (GEA) mit Sitz in Essen. In dieser Funktion ist er an der Organisation des Besuches der elfköpfigen GEA-Delegation im Vatikan beteiligt gewesen.

»Es war natürlich eine sehr schöne Begegnung«

Am 24. Januar hat Papst Franziskus die Gruppe im Vatikan empfangen. Das Anliegen des Heiligen Vaters sei es gewesen, Informationen zur Situation der Jesiden aus erster Hand zu erfahren. »Es ging um den Genozid an den Jesiden 2014 im Nordirak. Aus unserer Sicht hält der Genozid aber weiter an, wenn ich beispielsweise auf die Lage im nordsyrischen Afrin blicke«, sagt Ibrahim Kus.

Die Bedeutung des Treffens mit Papst Franziskus ist dem Wertheraner, der sein Büro an der Engerstraße betreibt, nachhaltig in Erinnerung geblieben. »Es war natürlich eine sehr schöne Begegnung mit Papst Franziskus, der sich uns gegenüber sehr menschlich zeigte und jedem Teilnehmer sehr nahe gekommen war. Er hat sich sehr für unsere Lage interessiert. Sehr beeindruckend war auch seine Stellungnahme zur Situation der Jesiden, die er auf italienisch gehalten hat«, sagt Ibrahim Kus.

»Ich erhebe meine Stimme zugunsten der jezidischen Rechte«

In der »Vatikanischen Audienzhalle Papst Paul VI« habe Papst Franziskus der GEA zufolge Folgendes angesprochen: Es sei nicht »hinnehmbar, dass Menschen wegen ihrer Religionszugehörigkeit verfolgt und getötet« würden. »Ich erhebe meine Stimme zugunsten der jezidischen Rechte, vor allem des Rechts, als religiöse Gemeinschaft zu existieren«, habe Papst Franziskus hinzugefügt. Zudem könne sich niemand die Macht geben, eine religiöse Gruppe aufzulösen, weil diese nicht toleriert werde.

Insgesamt habe die Audienz etwa eine Stunde gedauert. Als Geschenk hat die Delegation einen Rahmen überreicht, in dem ein Täschchen enthalten ist. »Das ist ein sehr wichtiges Symbol für Jesiden, das in jedem unserer Haushalte zu finden ist«, sagt Ibrahim Kus. Bedeutend ist der Inhalt: mit geweihter Erde aus Lalisch, das im heutigen Nordirak liegt, und Kalkgestein, beides zu Kügelchen geformt und auf kurdisch »Berat« genannt. »Besonders die Erde aus Lalisch soll die Verbundenheit zur christlichen Kirche aufzeigen«, sagt Ibrahim Kus. Aus der Hand von Papst Franziskus haben die Delegationsteilnehmer zugleich jeweils Medaillen als Erinnerung an die Begegnung erhalten.

Vorbereitungen dauerten eineinhalb Jahre

Insgesamt zweieinhalb Tage hat die Gruppe der Jesiden in Rom verbracht. Ihr Anliegen haben sie am Tag vor der Audienz dem Päpstlichen Rat vorgetragen. Wichtige Informationen hat Kardinal Tauran für den Papst gesammelt und für dessen Stellungnahme zusammengefasst.

Etwa eineinhalb Jahre haben die Vorbereitungen für die Audienz angedauert. Der Kontakt ist vor allem über Prof. Dr. Dieter Krimp­hove von der Universität Paderborn, Lehrstuhl für Wirtschaftsrecht und Europäisches Wirtschaftsrecht, zustande gekommen. »Einer seiner Studenten ist unser Mitglied Samo Hasanyan, der seine Masterarbeit bei ihm geschrieben hat. »Wir haben vielfältige Kontakte zu Herrn Krimphove, der auch 2016 an einer Gedenkfeier anlässlich des Genozids im Dom zu Münster teilnahm«, sagt Ibrahim Kus.

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