Poppe und Potthoff-Tochterfirma baut XXL-Kupplung für Windrad-Testanlage Ein Gigant fürs Guinness-Buch

Werther (WB). Dieses Spezialprojekt sprengt alle Dimensionen: Für eine Windrad-Testanlage hat das P+P-Tochterunternehmen R+W die wohl größte Sicherheitskupplung der Welt gebaut. Derzeit wird die Aufnahme ins Guinness-Buch der Rekorde geprüft.

Von Margit Brand

Viele mögen bei »Kupplung« an die linke Pedale im Auto denken. Tatsächlich steuert diese das wichtige Bauteil an, das die Kraft vom Motor auf das Getriebe leitet – die eigentliche Kupplung. Die Firma R+W in Nordbayern, die seit 2011 zum Wertheraner Traditionsunternehmen Poppe + Potthoff gehört, ist Spezialist für Antriebstechniken. Sie konzipiert und baut Kupplungen für den Maschinenbau genauso wie für Medizintechnik. Auf der ganzen Welt sind ihre Produkte gefragt. Und darüber hinaus: Auch in der Weltraumstation ISS ist eine Kupplung »made by P+P« verbaut.

Eine neue Dimension

Die Firma R+W

Seit 2011 gehört die R+W GmbH (250 Mitarbeiter) in Klingenberg bei Aschaffenburg zum Wertheraner Traditionsunternehmen Poppe und Potthoff. Hergestellt werden nanometergenau arbeitende, hochleistungsfähige Metallbalgkupplungen für den Weltmarkt. Insgesamt beschäftigt P+P 1500 Mitarbeiter an 17 Standorten in neun Ländern.

Nun aber sind die Ingenieure in eine wieder neue Dimension vorgestoßen: Die Sicherheitskupplung, die für einen Kunden in Andalusien entwickelt wurde, hat den stolzen Außendurchmesser von vier Metern. Zum Vergleich: R+W baut auch Mini-Kupplungen von gerade einmal 15 Millimetern Durchmesser.

Der Gigant schützt zwei Sechs-Megawatt-Motoren einer Windrad-Testanlage vor Überlastung. Auf diesem Prüfstand wird die Technik aus den Gondeln der Windrädern nicht nur auf Herz und Nieren getestet, sondern auch an ihre Grenzen heran geführt.

Enorme Kräfte

Sieben Monate lang hat die Entwicklungsabteilung getüftelt, um die außergewöhnlichen physikalischen Parameter bändigen zu können. Denn die Kräfte, die auf eine solche Kupplung wirken, sind enorm. Sie hakt aus, wenn die Belastung zu groß wird und andere Bauteile womöglich beschädigt werden könnten.

»Das erzielte Drehmoment liegt zwischen 15.000 und 20.000 Kilonewtonmetern. Normalerweise werden im Sicherheitsbereich aber nur Drehmomente von bis zu 2800 Newtonmetern erreicht, also gerade einmal ein 7000stel davon«, verdeutlicht Rainer Benz, technischer Leiter bei R+W. Der Laie kennt die Formel »Kraft mal Hebelarm« vom Reifenwechsel: Eine Radmutter wird mit 110 Newtonmetern angezogen oder gelöst.

Wie die Pizzabäcker

Für die erfolgreiche Montage musste das Team erneut kreativ werden. Das Großteile-Puzzle nahm die Techniker drei Wochen in Anspruch. »Wir konnten die Einzelteile technisch nur von einer Seite montieren. Also sind wir wie beim Belegen einer Pizza vorgegangen. Das hat prima geklappt«, erinnert sich Benz gern an dieses außergewöhnliche Projekt. Knowhow allein habe nicht ausgereicht: »Das brauchte auch Mut, Erfindergeist und Vertrauen in die eigenen Stärken.«

Der Erfolg wird womöglich bald prominent verbrieft: Die Riesenkupplung »SF20.000« hat gute Chancen, bald im Guinnessbuch der Rekord geführt zu werden. Der Aufnahmeantrag läuft.

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