Kleinbahnfilm wird am 24. Februar im Haus Werther uraufgeführt Mit Kamera durch Wälder und Gestrüpp

Werther (WB). Ein altes Bahnhofsgebäude, zwei Brücken – viel mehr erinnert nicht mehr an die Zeit, als Werther noch ans Schienennetz angeschlossen war. Die Kleinbahn ist nur zwischen 1901 und 1956 zwischen Werther und dem Bielefelder Ostbahnhof gefahren. Als Film gibt es jetzt eine Wiedergeburt, erstmals zu sehen am 24. Februar im Haus Werther.

Von Klaus-Peter Schillig
Sogar Böckstiegels Vater spielt als Gemälde im Kleinbahnfilm mit. Bürgermeisterin Marion Weike und Filmautor Knut Weltlich werben für die Premiere am 24. Februar.
Sogar Böckstiegels Vater spielt als Gemälde im Kleinbahnfilm mit. Bürgermeisterin Marion Weike und Filmautor Knut Weltlich werben für die Premiere am 24. Februar. Foto: Klaus-Peter Schillig

Man muss nicht nur mit der Kamera umgehen können, um einen Film, zu drehen. Vor allem, wenn es die Motive gar nicht mehr gibt. Mit viel Spürsinn und Schaufel sind Knut Weltlich aus Häger und der inzwischen verstorbene Wilhelm Redecker von Poppe & Potthoff in Werther aus über Dornberg, Isingdorf und Dornberg bis nach Bielefeld gezogen, sind mit Kamera und Lichtmast über Felder, durch Wälder und Gestrüpp gezogen und haben wiedergefunden, wo einst die Schienentrasse verlaufen ist.

An der Brücke vom Thema gepackt

Eigentlich waren Weltlich und Redecker in anderer Mission unterwegs, arbeiteten zusammen an einem Stadtführungsfilm für Gehörlose. An der alten, denkmalgeschützten Kleinbahnbrücke an der Siegfriedstraße wurden die beiden dann aber gepackt von der Eisenbahngeschichte. »Dann hat uns das Thema nicht mehr losgelassen«, erzählt Knut Weltlich. Gemeinsam sei man die Strecke abgelaufen und -gefahren, habe teilweise mit der Schaufel nach Resten der Trassenschotterung gebuddelt und so den Verlauf rekonstruieren können.

»Wir haben auch die Bewohner in allen Häusern an der Bahn angesprochen«, schildert Weltlich. Echte Zeitzeugen aber seien selten geworden, Unterlagen oder Fotos aus privaten Sammlungen seien größtenteils durch Eigentümerwechsel verloren gegangen. Und durch den tragischen Unfall von Wilhelm Redecker sei auch dessen Wissen verschwunden.

Bombenangriffe auf Lok und Waggons

An der Strecke nach Bielefeld sind die Bahnforscher aber auch noch auf deutliche Relikte gestoßen: den früheren Haltepunkt in Isingdorf an der Gaststätte Rüter, wo auch Fahrkarten verkauft wurden, nahe des Hofes Vollmer in Dornberg sind noch Bombentrichter zu erkennen und auch auf dem Hof Lüking in Dornberg war früher ein Haltepunkt.

Und es gab auch noch ältere Herrschaften, die von der Kleinbahn und sogar von Kriegserlebnissen erzählen konnten. Vom schlauen Lokführer, der im Krieg einem Luftangriff entging, weil er den Zug praktisch ohne Dampf noch in ein Wäldchen rettete, vom tragischen Tod von 30 Wertheraner Kindern beim Bombardement des Ostbahnhofes. Und Weltlich stieß auch auf ein Bild von Peter August Böckstiegel. Der hat seinen Vater einst in der Uniform der Kleinbahner gemalt, weil der dort als Arbeiter beschäftigt war.

Weitere Aufführungen geplant

Vier Jahre hätten die Arbeiten an dem Film gedauert, in dem Knut Weltlich dank Computer-Animation den historischen Zug noch einmal über die Strecke rollen lässt. »Ich habe dadurch meine Heimat ganz neu kennengelernt«, sagt Knut Weltlich und dankt auch Bürgermeisterin Marion Weike für die anfängliche moralische Anschubhilfe.

Die Idee sei jedenfalls nicht nur in Werther auf große Resonanz gestoßen. Nach der Premiere am 24. Februar, um 19.30 Uhr im Haus Werther an der Schlossstraße wird es auch noch weitere Aufführungen in Bielefeld geben. Und im kommenden Jahr will Knut Weltlich über seine Firma »Werther-TV« den Film auch als DVD anbieten. Wer die Uraufführung miterlebt, bekommt übrigens eine Original-Fahrkarte der Bielefelder Kreisbahnen, wie das Unternehmen damals offiziell hieß, als Eintrittskarte – entwertet mit der original Stempelzange.

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