Elke Radon ist seit 25 Jahren Gleichstellungsbeauftragte Ohne Respekt geht es nicht

Werther (WB). Den »kleinen Unterschied« findet Elke Radon völlig okay. Die Grundausrichtung ihrer Arbeit sieht Werthers Gleichstellungsbeauftragte ohnehin anderswo: »Im Kern geht es um Respekt vor jedem Menschen. Ob jung und alt, schwarz und weiß – oder eben Mann oder Frau. Ohne Respekt keine Gleichstellung.«

Von Margit Brand
Nach mehr als 20 Jahren im Amt geht Elke Radon (63) am Jahresende in den Ruhestand. Genügend »Gleichstellungs-Arbeit« werde für eine Nachfolgerin bleiben, sagt sie auch mit Blick auf die Klischees, die noch immer gepflegt werden.
Nach mehr als 20 Jahren im Amt geht Elke Radon (63) am Jahresende in den Ruhestand. Genügend »Gleichstellungs-Arbeit« werde für eine Nachfolgerin bleiben, sagt sie auch mit Blick auf die Klischees, die noch immer gepflegt werden. Foto: Margit Brand

Seit 25 Jahren ist Elke Radon bei der Stadtverwaltung ihrer Heimatstadt beschäftigt, zumeist als Gleichstellungsbeauftragte. Schon von Amts wegen steht sie dabei auf Seite der Frauen und ist fest überzeugt, dass diese Unterstützung nötig und verdient haben.

Genügend Schieflagen entdeckt sie noch nach mehr als zwei Jahrzehnten in diesem Job. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, bessere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, Hilfe nach Trennung, Scheidung oder Vergewaltigung – trotz vieler positiver Veränderungen in der Gesellschaft seien manche Themen immer noch erschreckend aktuell.

Aber: »Ich würde hier niemals mit einem Donnerschlag durchgehen«, sagt die 63-Jährige, die zwar mal zur knallroten Tasche greift, wenn es einer öffentlichkeitswirksamen Aktion dient. Doch das Leben durch die lila Brille zu betrachten, liegt ihr fern. Pragmatisch müsse es sein, sagt sie und freut sich über den direkten Draht in alle Fachbereiche. Verwaltungsintern könne vieles durch unmittelbare Mitsprache geregelt werden. So richtig unbequem brauche sie gar nicht zu werden.

Frauen sollten die eigene Rente im Blick haben

Dabei war die Einrichtung einer Gleichstellungsstelle in Werther Mitte der 90-er Jahre ein echtes Politikum. Elke Radon hat sich damals im Ordnungsamt deshalb lange überlegt, ob sie sich auf die Stelle bewerben sollte, die da im Rathaus am Schwarzen Brett hing.

Dankbar erinnert sie sich an ihren damaligen Chef, Stadtdirektor Peter Hagemann, der ihr stets den Rücken frei hielt, als sie komplettes Neuland betrat. Als erstes hospitierte Elke Radon bei ihrer Amtskollegin in Halle. Eine enge Verbindung zu Eva Sperner blieb. Viele Veranstaltungen, Workshops und Beratungsangebote organisieren die beiden gemeinsam.

Die Hilfestellungen für Frauen sind heute vielfältig. »Die für Männer leider nicht«, stellt Elke Radon fest und bedauert das ehrlich. »Das müsste aber auch von Männerseite stärker eingefordert werden. Vielleicht reden sie einfach zu wenig.«

Zugegeben, ein Vorurteil. Aber Klischees werden ja gern gepflegt. »Frauen gehören an den Herd«, diesen Satz höre sie leider immer noch, erzählt Elke Radon. Zugleich reibt sie sich die Augen, wenn kleine Mädchen im Kindergarten Jungs nicht in der Puppenwohnung mitspielen lassen.

Für welche Rollenverteilung sich eine Familie entscheide, sei eine persönliche Entscheidung, die es zu respektieren gelte. Aber Elke Radon wird nicht müde, Frauen zu predigen, sie mögen ihre eigene Rente im Blick haben. »Liebe ist wunderschön. Aber sie ernährt nicht«, kommentiert sie. Zu oft haben Frauen nach einer plötzlich zerbrochenen Ehe ihre Hilfe gesucht. »Hätte ich ihnen das zwei Jahre früher gesagt, hätten sie mich für verrückt erklärt.«

Das Frauenbild, das Sendungen wie »Germanys next Topmodel« oder mit einem Mausklick verfügbare Pornos bedienen, sieht Elke Radon sehr kritisch. Sie räumt aber ein, dass sie wohl doch eine Generation zu weit weg sei von diesen Themenfeldern. Vielleicht ein Ansatzpunkt für eine Nachfolgerin. Denn am 31. Dezember geht Elke Radon nach mehr als 45 Jahren im Berufsleben in Rente.

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