Physiotherapeutin Letizia Langer kuriert lahme Hüfte und Kreuzbandriss beim Hund Reha für vier Pfoten

Werther (WB). Es zwickt und zwackt. Körper und Gelenke sind steif, die Muskeln verspannt von zu viel oder zu wenig Bewegung. Ein Mensch freut sich auf eine Massage und lässt sich Krankengymnastik verschreiben. Und ein Vierbeiner? Auch ihm kann geholfen werden. Längst ist Physiotherapie auf den Hund gekommen.

Von Margit Brand
Golden Retriever »Justus« scheint sehr ernsthaft mitzuarbeiten, als Letizia Langer ihre heilenden Hände ansetzt. Die 26-Jährige eröffnet an diesem Wochenende ihre Praxis »Reha-Pfoten« an der Runden Ecke in Werther.
Golden Retriever »Justus« scheint sehr ernsthaft mitzuarbeiten, als Letizia Langer ihre heilenden Hände ansetzt. Die 26-Jährige eröffnet an diesem Wochenende ihre Praxis »Reha-Pfoten« an der Runden Ecke in Werther. Foto: Margit Brand

Letizia Langer (26) hat sich vor zweieinhalb Jahren selbstständig gemacht mit ihren heilenden Händen für Bello & Co. Von diesem Samstag an hat ihr bis dato mobiler Service eine feste Anlaufstelle. Die junge Frau aus Ummeln eröffnet an der Runden Ecke in Werther (Schloßstraße 2) ihre Praxis »Reha-Pfoten«.

Sanfte Übungen

Natürlich gibt es professionelles Equipment für die Hundekrankengymnastik. Manchmal reicht aber auch ein Baumstumpf oder eine Treppenstufe. »Die Vorderläufe oben drauf, dann verlagert sich das Gewicht nach hinten. Wenn der Hund so steht, stärkt das automatisch die hintere Muskulatur, die mit zunehmendem Alter nachlässt«, sagt Letizia Langer. Auch Balance-Übungen kann sie empfehlen: »Kleine Hunde gehören aufs Sofakissen, große auf eine Luftmatratze.«

Golden Retriever Justus ist einer der ersten Patienten, der in den neuen Räumen zur Behandlung kommt. Mit seinen acht Jahren fängt er an, das Alter langsam zu spüren. Als ausgebildeter Therapiebegleithund gehört Sanftmut zum »Berufsbild«. Bereitwillig lässt er sich von Letizia Langer – nein, streicheln kann man das nicht nennen, wenngleich die Fachfrau natürlich erst einmal freundlich Kontakt aufnimmt zum Tier. Aber bald tasten ihre Hände die Muskulatur mit geübten Fingern ab, stets auf der Suche nach Blockaden, die es zu lösen gilt.

Wärme unter Rotlichtlampe

Ob, wie und wo es ihm weh tut, kann »Goldie« Justus höchstens indirekt ausdrücken. Zum Glück hat er eine sehr fürsorgliche Besitzerin. Sylke Wulfmeier kann ausführlich über das Verhalten des Hundes berichten, der ihr so sehr am Herzen liegt, und ist dankbar für jeden Tipp, den sie von der Therapeutin bekommt. Wärme unter der Rotlichtlampe? Kein Problem, das kann zu Hause problemlos arrangiert werden.

Letizia Langer erlebt immer mehr Menschen, die ihren Hund als ihren besten Freund bringen, um dessen Wohlbefinden sie sich viele Gedanken machen und das ihnen entsprechend Geld wert ist. Tatsächlich gibt es Krankenkassen für Hunde und damit Krankengymnastik »auf Rezept«. Aber meist sind es doch »Privatpatienten«, die sie mit gezielten Massagetechniken oder an Geräten wie Wackelbrett oder Cavaletti-Hürden fit machen oder eben fit halten möchte (durchschnittlich 30 Euro pro Einheit). »Prävention ist mir ein großes Anliegen«, sagt die Hundefachfrau, die deshalb auch Kurse gibt und Vorträge hält. Übrigens auch in Sachen guter Ernährung: »Die leistet einen großen Beitrag zur Gesunderhaltung.«

Weniger Schmerzmittel

Manuelle Therapie und Lymphdrainage, Akupunktur und Dorntherapie: Die Angebotspalette liest sich wie die einer Physiotherapie-Praxis für Menschen, wenngleich Letizia Langers zweijährige Ausbildung nicht »staatlich anerkannt« ist wie die ihrer Human-Kollegen, wohl aber zertifiziert und vom Veterinäramt kontrolliert. Parallelen sind durchaus gegeben: Oft sind es Arthrose (»zunehmend auch schon bei jungen Tieren«), Hüftfehlbildungen und Kreuzbandrisse, die den Hundepatienten zu schaffen machen.

Wenn Hundebesitzer davon berichten, dass Schmerzmittel reduziert oder gar ganz weggelassen werden können und ihr Tier sich spürbar wohler fühlt, dann beglückwünscht sich Letitia Langer einmal mehr, ihre ursprünglichen beruflichen Pläne (studiert hat sie im Kommunikationswesen) über den Haufen geworfen zu haben. »Schuld« ist Millie, ihr vierjähriger Berner Sennen-Mischling. Ziemlich kaputter Rücken. Aber den kuriert sie ja inzwischen fachkundig selbst..

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