Ulrike Schilling geht nach 37 Jahren am Evangelischen Gymnasium in den Ruhestand Ein krönender Abschied

Werther (WB). Wohl selten hat eine Lehrerin das kulturelle Leben einer Schule und einer Stadt so geprägt wie Ulrike Schilling. Nach 37 Jahren am EGW wurde sie nun im Kreis langjähriger Mitstreiter emotional verabschiedet.

Von Jan Dresing
Die Latein-Lehrerin Gitta Hahn (links) setzt Ulrike Schilling zum Abschied einen goldenen Lorbeerkranz auf.
Die Latein-Lehrerin Gitta Hahn (links) setzt Ulrike Schilling zum Abschied einen goldenen Lorbeerkranz auf. Foto: Jan Dresing

Ulrike Schilling hat viele Namen: Etwa die »Herrin der Listen«, wegen der Unterrichtsplanung, die sie als stellvertretende Schulleiterin seit 2004 mit verantwortete. Das Kollegium besang sie hingegen als »Zuckerpuppe aus der Musikgruppe«, die »den Taktstock schwingt, bis die Meute singt«.

Vor allem ist Ulrike Schilling eine geschätzte Kollegin, die vermisst werden wird. Das machten all die Reden und Abschiedsworte deutlich. »Es ist nicht einfach, 37 Jahre in eine Rede zu pressen«, sagte Thomas Schlingmann, Vorsitzender des Schulvereins, und zitierte aus ihrer Personalakte. Dort heißt es: »Sie ist im Kollegium geschätzt und anerkannt. Als junge Kollegin äußert sie Kritik zuweilen zu forsch.« Das war 1981. Und die 70 Gäste lachten herzlich über die humorige Anekdote.

Ulrike Schilling kam nach ihrem Referendariat im Februar 1979 ans EGW – und gründete sogleich mit 22 Kindern ein kleines Orchester. Nur wenige Monate später gab es das erste Konzert. »Sie haben den Grundstein für alle Musikensembles der Schule gelegt«, lobte Schlingmann das Engagement, für das sie viel Freizeit aufgebracht habe. Und das bis zum letzten Tag: »Sie sind noch immer mit Volldampf unterwegs, arbeiten mit Pflichtbewusstsein und Zuverlässigkeit«, sagte der Schulvereinsvorsitzende, dem in seiner Dankesrede zuweilen die Stimme versagte. Schulleiterin Barbara Erdmeier betonte, dass Ulrike Schilling einen bedeutenden Einfluss auf die Schulentwicklung hatte. Als Nachfolgerin hat der Schulverein Sabine Koch gewählt, die jetzige Oberstufen-Koordinatorin.

Auch Bürgermeisterin Marion Weike dankte Ulrike Schilling: »Sie haben viel für die Schule getan, aber durch die Veranstaltungen auch die Stadt geprägt.« Mit einem Konzert pro Jahr kam Ulrike Schilling längst nicht aus. Mehr als 200 Mitwirkende band sie in die Aufführungen ein, die wegen der großen Nachfrage im Sommer wie vor Weihnachten auf jeweils zwei Abende aufgeteilt werden mussten. So war ihre Verabschiedung eine äußerst musikalische: Toke Stelbrink spielte auf dem 100 Jahre alten Cello seines Großvaters ein Duett mit Musiklehrer Michael Henkemeier. Auch trat eine Schülerband mit einem selbst komponierten Stück auf.

Die Latein-Fachschaft setzte Ulrike Schilling hingegen in den Fahrstuhl der Geschichte, fuhr mit ihr 2000 Jahre in die Vergangenheit und hüllte sie historisch unkorrekt in eine Toga. Es war ein emotionaler Abschied, vor allem jedoch einer zum Schmunzeln und in der Vergangenheit Schwelgen. Es wurde viel gelacht, nur selten getrauert. Oder wie es Schülersprecher Malte Seelhöfer formulierte: »Ich ende meine Rede nicht mit einem ›Tschüss‹, sondern mit einem ›Bis bald‹.«

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