Mangel im Wasserwerk führt zu ungewöhnlich hartem Trinkwasser Kalk-Alarm: Geräte verkrusten extrem

Werther  (WB). Viele Wertheraner kriegen es derzeit knallhart: Weil das Trinkwasser ungewöhnlich kalkhaltig ist, verkrusten Wasserkocher und andere Haushaltsgeräte extrem schnell. Fachleute empfehlen dringend vorzusorgen. Denn der Zustand hält laut Stadt noch einige Wochen an.

Von Klaus-Peter Schillig und Marco Kerber
Und schon wieder ist eine Ladung Essig-Essenz fällig. Heidi Hokamp hat immer eine verdünnte, gebrauchsfertige Lösung bereit, weil der Wasserkocher, den sie häufig zum Teekochen nutzt, alle drei Tage entkalkt werden muss.
Und schon wieder ist eine Ladung Essig-Essenz fällig. Heidi Hokamp hat immer eine verdünnte, gebrauchsfertige Lösung bereit, weil der Wasserkocher, den sie häufig zum Teekochen nutzt, alle drei Tage entkalkt werden muss. Foto: Klaus-Peter Schillig

»Man kommt mit dem Entkalken nicht hinterher. So was habe ich in der Form noch nicht erlebt«, sagt beispielsweise Heidi Hokamp und zeigt ein Glas mit unappetitlichem Inhalt. Zu sehen ist ein krustiger Kalk-Klumpen, der sich nur innerhalb eines Tages in ihrem Wasserkocher angesammelt hat. »Nach dem Entkalken dauert es keine drei Tage, bis sich das Zeug wieder überall abgesetzt hat. Sehr unangenehm.«

Unappetitlich: Kalkablagerungen in einem Wasserkocher, die wie ein krustiger Milchfilm aussehen. Foto: Schillig

Heidi Hokamp wohnt an der Mühlenstraße in der Innenstadt. »Ich kenne viele Menschen in Werther und höre ständig, dass es Probleme mit dem Kalkgehalt gibt.« Das Wasser sei in weiten Teilen Werthers immer schon hart gewesen. »Was wir aber derzeit erleben, kann nicht mehr normal sein. Das geht jetzt schon seit Februar so«, sagt Heidi Hokamp. Auch in einer lokalen Gruppe auf Facebook häufen sich die Klagen. Viele sind sauer, weil sie fürchten, dass der Kalk ihren Haushaltsgeräten schadet. Sie fragen sich: Was ist eigentlich im Wasserwerk los?

Bürgermeisterin Marion Weike, selbst Leidtragende des Kalkdilemmas, kann die Wertheraner nur um Geduld bitten. Wegen des Neubaues der Enthärtungsanlage werde das ohnehin sehr kalkhaltige Wasser aus den drei Wertheraner Brunnen zurzeit gar nicht enthärtet. Nur einer der Brunnen liefert weniger hartes Wasser, das aber mit den Fördermengen der beiden anderen Brunnen gemischt wird.

»Wir sind noch mitten in der Bauphase«, sagt Marion Weike. Erst in drei Monaten geht die neue Anlage ans Netz. Wasserwerk-Chef Volker Kahmann hat angekündigt, dass die alte Enthärtungsanlage in zwei Wochen noch einmal vorübergehend angeschlossen wird. Wohl eine Folge der Beschwerden, die sich bei der Stadt in den vergangenen Wochen gehäuft haben.

Das raten Fachleute

Schon mehrfach sind entrüstete Kunden im Elektrogeschäft Heidenreich aufgetaucht und haben Gläser gezeigt, die sie gerade aus der Geschirrspülmaschine geholt haben. »Die sahen aus, wie durch Milch gezogen«, sagt Juniorchefin Heike Riecke vom Elektrogeschäft Heidenreich, die täglich Kunden mit Beschwerden im Laden stehen hat. Da sind vor allem gute Tipps gefragt.

»Das Salz in der Spülmaschine reicht für diese Kalkmenge nicht«, sagt die Fachfrau. Am Gerät selbst sollte man den Härtegrad hochstellen (Bedienungsanleitung), außerdem Spültabs mit Spezialsalzanteil verwenden. Auch bei Waschmaschinen sollte regelmäßig mit Zitronensäure ein Entkalkungsgang »gefahren« werden, weil auch hier der Entkalkeranteil in den Waschmitteln nicht reicht. Und Kleingeräte wie Wasserkocher, Kaffeemaschinen oder Bügelstationen müssen alle paar Tage entkalkt werden.

Was für Haushaltsgeräte gilt, ist für Trinkwasserinstallationen häufig nur mit großem Aufwand möglich. » Die Entkalkung eines zentralen Warmwasserspeichers ist technisch sehr aufwendig und eine Erneuerung aus ökonomischer Sicht häufig sinnvoller«, sagt Thomas Vossiek vom Heizungs- und Sanitärbetrieb Babbel. Auch Wasserleitungen könnten sich durch den Kalk schneller zusetzen. Private Hausbesitzer könnten durch die Installation einer Enthärtungsanlage oder eines Kalkschutzsystems teure Folgekosten vermeiden.

Ansonsten empfiehlt der Sanitär-Experte vor allem Mehreinsatz im Badezimmer, denn aus Wassertropfen auf den Fliesen, auf Armaturen oder Duschabtrennung werden schnell hässliche Kalkflecken, wenn man sie nicht sofort abwischt. Auch die Perlatoren in den Wasserhähnen müssten häufiger gewechselt werden.

Ein weiterer Tipp noch von einer Hausfrau: In Italien oder Frankreich kocht man Tee oder Kaffee mit stillem Wasser aus dem Supermarkt. Das ist auch gut fürs Bügeleisen.

Kommentare

Haftet die Stadt nicht?

Auch ich habe seit einigen Wochen das Problem mit der Spülmaschine. Pelziges, fleckiges Geschirr und verkalkte Perlatoren. Habe schon vom Installateur eine Mischbatterie auswechseln lassen! Jetzt mit dem Rat zu kommen, man könne eine Entkalkungsanlage in seinem Haus installieren lassen, finde ich unsäglich. Die Stadt müsste haften für Schäden, die jetzt an Geräten und Wasserspeichern entstehen.
Wie finde ich die "lokale Facebook-Gruppe"????

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