Drei Kabarettisten gratulieren zum 40. Geburtstag – und haben verrückte Ideen für neue Kurs-Angebote Die VHS und der rasende Stillstand

Werther (WB). »Ab sofort gibt es hier Schinken aus Parma, für Gourmets eine Freude, für Schweine ein Drama.« Dieses Gedicht schrieb Ingo Börchers einst im Rahmen eines Volkshochschul-Lyrikkurses, und deshalb war es dem Kabarettisten auch eine Ehre, der Wiege seines künstlerischen Schaffens zum Geburtstag zu gratulieren.

Von Kerstin Panhorst

Der Borgholzhausener und die beiden ehemaligen Haller Lutz von Rosenberg-Lipinski und Volker Surmann traten anlässlich des 40-jährigen Bestehens der VHS Ravensberg mit ihrem eigens für diesen Anlass zusammen gestellten Programm »Vierzighochdrei – das spezielle VHS-Kabarett« in der Aula der Böckstiegel-Gesamtschule Werther auf. Vor mehr als 280 Besuchern witzelten die drei Ex-Schüler des Kreisgymnasiums Halle über die Eigenheiten der Westfalen, ländlichen Irrsinn und vor allem die Volkshochschule selbst.

Ingo Börcher interviewte auch die Bürgermeisterin.

Volker Surmann, motorisch, aber nicht sprachlich eingeschränkt durch einen Muskelfaserriss im Bein, erzählte von seiner Kindheit als Heimatforscher und Hobby-Parfümeur zwischen bäuerlicher Romantik und tierischen Stoffwechsel-Endprodukten. Der Ascheloher, der heute als Autor, Poetry Slammer und Kabarettist in Berlin lebt, bat zudem zwei Publikumskandidaten zum brillanten Quiz »Kurs oder kein Kurs?« auf die Bühne. Bei der Frage, ob es sich bei »Männer kochen – Kannibalismus für Frauen« oder »Hatha-Yoga für Bauern« tatsächlich um echte Volkshochschulangebote handelt oder um Surmanns Erfindung, kam mancher Zuschauer ins Grübeln. Denn allein die grandiosen Kursbeschreibungen zu Bastelkursen für Kreativlegastheniker und anorektische Bauchtanzgruppen oder den angstfreien Umgang mit Hefeteig klangen so gnadenlos witzig, dass man sofort jedes Anmeldeformular für die absurden Freizeitaktivitäten ausgefüllt hätte.

Auch Ingo Börchers beschäftigte sich in seinen Auftritten intensiver mit dem Kursangebot und lieferte eine Rückschau auf die Gründungszeit der VHS vor 40 Jahren: »Die Anschnallpflicht wurde damals eingeführt und Richard Oetker entführt, Boney M. sangen ­›Daddy Cool‹, und wenn die schwiegen, konterte Jürgen Drews mit ›Ein Korn im Bettfeld‹«. Zu einer ganz besonderen Gesprächsrunde begrüßte Ingo Börchers außerdem noch VHS-Fachbereichsleiter Kurt Gramlich und Bürgermeisterin Marion Weike auf der Bühne. Ob es denn schlecht sei, dass die VHS aufgrund ihrer Vielfalt eine eierlegende Wollmilchsau sei, fragte Börchers, bevor er selbst zu einer ironischen Weltanschauung über rasenden Stillstand und den inflationären Einsatz eines Thermomix wechselte.

Lutz von Rosenberg-Lipinsky moderierte den Abend.

Der dritte im Bunde, Lutz von Rosenberg-Lipinski, übernahm die Gesamtmoderation des Abends und philosophierte derweil über Schützen und Fremdenhass, sang Lieder über die ostwestfälische Heimat und ließ sich noch genüsslich über die unlustigen Westfalen und die generell selbst für den Weltuntergang zu pessimistischen Deutschen aus, bevor sich das komische Trio Infernale nach mehr als zwei Stunden Kabarett vom begeisterten Publikum verabschiedete

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