Dorf soll ans Breitbandnetz angeschlossen werden Schnelles Internet für Häger

Werther (WB). Ein Foto runterladen dauert 30 Minuten und Videos laufen online gar nicht. Das langsame Internet in Häger ist   eine Zumutung. Doch nun die überraschende Wende: In spätestens einem  Jahr sollen die Probleme im Ortsteil gelöst sein.

Von Marco Kerber
Strippenzieher: Vor allem Dank der Initiative von Knut Weltlich (links) bekommt Häger in den kommenden Monaten schnelleres Internet. Bürgermeisterin Marion Weike und ihr Vize Guido Neugebauer sehen eine Verbesserung der Lebensqualität im Ort.
Strippenzieher: Vor allem Dank der Initiative von Knut Weltlich (links) bekommt Häger in den kommenden Monaten schnelleres Internet. Bürgermeisterin Marion Weike und ihr Vize Guido Neugebauer sehen eine Verbesserung der Lebensqualität im Ort. Foto: Kerber

Bislang hat die Telekom wenig Interesse daran gezeigt, das Netz in Häger auszubauen. Schließlich gibt es dort nicht einmal 500 Haushalte. »In allen bisherigen Gesprächen war der Austausch mit der Telekom leider sehr zäh«, bedauert Bürgermeisterin Marion Weike.

Viele Hägeraner haben nicht einmal  eine Geschwindigkeit von 2 Mbit, die in Deutschland derzeit als offizielle Grenze zur Unterversorgung gelten. Die Regel ist im Dorf eher ein Drittel davon.

Umso mehr  Hoffnung keimte auf, als vor einigen Wochen mitten durch den Ort  ein Glasfaserkabel gelegt wurde, das  zum Zentralverteiler an der Blumenstraße in  Werther führt. Damit hat sich die Spenger Firma Blomeyer an das deutlich schnellere Netz anschließen lassen.
Doch obwohl nun eine moderne Leitung Häger mit Werther verbindet,  stellte die  Telekom klar: Es handele sich nur um das Kabel eines Privatkunden. Der ganze Ort könne davon nicht profitieren.

Da hatte der Telekommunikationsanbieter allerdings nicht mit Knut Weltlich gerechnet. »Geht nicht, gibt’s nicht«, meinte der SPD-Ratsherr, der selbst in Häger lebt und hartnäckig als Lokallobbyist  nachbohrte.

Der Journalist dreht eigene TV-Beiträge für seine Plattform »Werther TV«. »Ich werde den Eindruck nicht los, dass Bewegung in die Sache gekommen ist, als ich der Telekom gegenüber angedeutet habe, dass das Fernsehen über die Angelegenheit  berichten möchte«, sagt Weltlich. Zusätzlich holte er den Zweckverband Infokom mit ins Boot. In dem Bündnis setzen sich alle Kommunen im Kreis Gütersloh  für eine zeitgemäß schnelle Internetversorgung der ländlichen Bereiche  ein.

Und siehe da: Der Zweckverband teilt mit, dass die Telekom nun doch den gesamten Ortsteil anbinden will. Das Glasfasernetz wird zunächst nach Häger geführt und über einen Ausbau der so genannten Kabelverzweiger (graue Kästen am Straßenrand) verteilt.  Bis zum dritten Quartal 2016 sollen alle Haushalte im Ort angeschlossen sein. So sollen bis zu 50 Mbit möglich sein.

Bislang war Marion Weike zufolge immer die Rede davon, dass die Stadt einen fünfstelligen Betrag beisteuern solle: »Jetzt zahlt es die Telekom wohl komplett selbst.« Die Lebensqualität in Häger wird die Entwicklung deutlich anheben.

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