Nach jahrelangen Querelen mit Behörden Wassermühle steht zum Verkauf

Werther/Deppendorf (WB). Aus und vorbei: Die denkmalgeschützte Deppendorfer Wassermühle wird verkauft. Eigentümer Hans-Georg Baumeister (70) zieht damit einen Schlussstrich unter jahrelange Querelen mit Behörden.

Von Volker Zeiger

Baumeister bestätigte gegenüber dieser Zeitung: »Ja, die Mühle wird verkauft«. Der 2013 erst ins Leben gerufene »Förderverein Wassermühle Baumeister« kennt die Verkaufsabsichten. »Hans-Georg Baumeister hat uns lange vorher informiert«, sagt die Vereinsvorsitzende Dr. Gerlinde Günther-­Boemke. Der Verein selbst sei davon nicht betroffen. »Wir werden sehen, was daraus wird und versuchen, uns weiter für die Mühle einzusetzen«, sagt die Vorsitzende.

Selbst erklärte Ziele des zurzeit mehr als 100 Mitglieder großen Fördervereins sind, wie er noch im April dieses Jahres in einem offenen Brief wissen ließ: Die Funktionsfähigkeit des »Industrie-Denkmals Wassermühle« als Mahlmühle mit Wasserrad sei wieder herzustellen, Mühlentage sollen weiterhin abgehalten werden, kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen und Konzerte sollten angeboten werden können. Auch die Kooperation mit dem Böckstiegel-Haus sei beizubehalten. Baumeisters Mühle solle ein Ort der Begegnung für Ortsansässige werden. Der Erhalt »des fast unberührten Biotops Schwarzbach« und der Jahrhunderte alten Kulturlandschaft bei der Wassermühle stehen ebenfalls auf der Agenda.

Das hatte die Eigentümerfamilie Baumeister schon seit Jahren im Sinn. Doch vergangenes Frühjahr zeichnete sich ab, dass sich Baumeister von der Immobilie trennen will. Zuletzt anlässlich des Mühlentages am Pfingstmontag verkündeten die Eheleute Hans-Georg und Karin Baumeister, sie zögen »sich aus dem Projekt Mühle zurück, die Zukunft der Mühle ist zurzeit völlig offen«.

Seit 2013 stocke die Restaurierung. Hauptgrund sei zunächst die Verweigerung des vertraglich vereinbarten Ankaufsrechts für das Mühlengrundstück von Seiten der Stadt gewesen. Die Stadt sei auch nicht bereit, eine neben der Mühle »befindliche Altlastdeponie mit verbuddelten Autos und anderen Abfällen zu sanieren oder eine Garantie für die Nichtbelastung des Mühlengrundstücks zu übernehmen«. Baumeister kritisiert auch Pläne zur Bachverlegung, wodurch die Mühle trocken gelegt werde. Die Verwaltung verweist jedoch darauf, dass der Bach umgelegt, aber dennoch Wasser zum Mühlrad fließen werde, etwas weniger als bisher.

Seinen Ärger formulierte Baumeister in einem Brief an die Verwaltung: »Mit meinen neuen Plänen zur Bauvoranfrage verzichte ich nun ganz auf die angedachte teilweise öffentliche/gewerbliche Nutzung«. Sein persönliches Interesse an der Mühle sei »erloschen«. Er habe sich »traurigen Herzens entschlossen, mein Lebenswerk an diesem Punkt zu beenden«. Darüber habe er schon öfter nachgedacht, aber »jetzt trete ich endgültig den Rückzug an. Dieser Entschluss ist für mich unumkehrbar«. Er warte nun gespannt auf Kaufangebote, sagt er. Eine Preisvorstellung nennt er nicht.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.