Kurzweiliger Poetry Slam zum Lesefrühling in Versmold Von Spielplatz-Geistern und Helikopter-Eltern

Versmold (WB/park). »Wer von euch war schon mal bei einem Poetry Slam?« – Niko Sioulis, selbst ein gestandener Poetry Slammer im Spaßvogel-Einpeitsch-Modus mit Mit-Moderator Jonas Helmich, zählt ein Drittel hochschnellender Hände der vornehmlich jungen Zuhörer in der gut besuchten Stadtbibliothek. Erwartungsvoll sind alle beim Dichterwettstreit zum Auftakt des Lesefrühlings.

Sie machten den Poetry Slam zum Vergnügen: Kolja Fach, Michel und Gabriel Pauwels, Cèline Wegert (Dortmund), Sophie Malecha (Wattenscheid), David Neite (Warendorf), Gymnasiastin Emily Lüpke und die Moderatoren Niko Sioulis und Jonas Helmich.
Sie machten den Poetry Slam zum Vergnügen: Kolja Fach, Michel und Gabriel Pauwels, Cèline Wegert (Dortmund), Sophie Malecha (Wattenscheid), David Neite (Warendorf), Gymnasiastin Emily Lüpke und die Moderatoren Niko Sioulis und Jonas Helmich. Foto: Petra Kramp

Poetry Slam, also der »Dichter-Wettstreit«, ist eine Königsdisziplin der Wortjongleure. Es gilt, mit den Texten, der Stimme und der eigenen Vortragsart, das Publikum zu berühren oder zu erheitern, kurzum zu fesseln. Die Jurymitglieder werden zufällig aus dem Publikum bestimmt.

Auch Vater und Sohn stehen auf der Dichter-Bühne

Sieben Wortjongleure treten bei der Premiere  des Versmolder Poetry Slam gegeneinander an. Genaugenommen gilt es, im ersten  Durchgang sechsmal zu votieren, denn Michel Pauwels ist mit seinem 13-jährigen Sohn Gabriel erschienen. Sie bilden ein Duo, das »Team Rex«, mit dem ältesten und jüngsten Teilnehmer. Und verzaubern und verblüffen zugleich als synchron sprechendes Team und in absolut sauberen Text-Übergängen. Sei es in ihrem gruseligen Spielplatztext über den Geist, der auf einem verlassenen Spielplatz wacht, oder in der pfiffigen Rap-Diskussion zwischen Vater und Sohn zum Thema Respekt und Loben.

Bewegende Erinnerungen an die demenzerkrankte Großmutter

Céline Wegert aus Dortmund überzeugt mit ihrem Vortrag »Dunkelbraune Augen«. Bewegende Erinnerungen an ihre an Demenz erkrankte Großmutter. Die Glandorferin Emily Lüpke vom CJD-Gymnasium Versmold beweist Mut, sich als einzige Newcomerin in den Poetry Slam inmitten der Gestandenen zu wagen. Mit ihrem  Liebesgedicht an ihre Mutter, dass sie zuweilen mit den Tränen kämpfen lässt, beweist sie: »Wir sind ein Yin und ein Yang. Du bist die Silbe, und ich bin der Klang.« Und die Tatsache, dass Schreiben ein gutes Ventil ist, Gefühle auszudrücken.

Kolja Fach, Exil-Bielefelder aus Dortmund, indes versteht es, auf atemberaubende Weise in allen drei Runden das Publikum für sich zu gewinnen. Der bereits zweifache U 20-OWL-Meisterschafts-Slammer gibt ungemein überzeugend den genervten, desillusionierten Grundschullehrer, der in einer »Abrechnungs-Mail« Helikopter-Eltern alle Kompetenzen abspricht – sei es Frau Ziegler, der Leiterin des Kartoffeldrucks und Beton-Haferkekse-Bäckerin, oder dem Anwalt Dr. Dr. Hallersleben, der nun mal keinen hochbegabten Sohn hat, sondern im Begriff ist, einen »Miniaturterroristen« großzuziehen.

Die Zuhörer klatschen sich bei dem Dichterwettstreit die Hände wund. Die von der Premiere ebenfalls begeisterten Initiatorinnen Gesine Klack und Christa Brüning versprechen daher für das nächste Jahr einen erneuten Poetry Slam. Und der blonde Lockenkopf Kolja mit dem verschmitzten Lächeln verspricht, seinen Titel in Versmold zu verteidigen. Hinter Kolja Fach  landen Michel und Gabriel Pauwels auf Platz zwei.

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