Mord in Bad Rothenfelde – Angeklagter bestreitet Vorwurf Spielsüchtiger soll reiche Witwe getötet haben

Bad Rothenfelde (WB). Vor einem Jahr suchten Polizisten in Niedersachsen und dem angrenzenden Kreis Gütersloh nach Hinweisen auf die vermögende Witwe Hannerle M. (79) aus Bad Rothenfelde. Jetzt steht der Mann vor Gericht, der sie ermordet haben soll.

Von Christian Althoff
er Angeklagte Rolf S. mit seinem Verteidiger Thorsten Diekmeyer. Rechts die Witwe Hannerle M. (79), die im Februar 2016 getötet wurde
er Angeklagte Rolf S. mit seinem Verteidiger Thorsten Diekmeyer. Rechts die Witwe Hannerle M. (79), die im Februar 2016 getötet wurde Foto: meierpress

Dr. Herbert M. war Chefarzt der Teutoburger-Wald-Rehaklinik in Bad Rothenfelde und Autor des in 18 Auflagen erschienenen Ratgebers »Das autogene Training«. Als er 2006 mit 84 Jahren starb, hinterließ er seiner Frau ein Vermögen. Doch Hannerle M. war eine eher einsame Frau, die wenig Kontakte hatte.  Jeden Mittag fuhr sie mit ihrem kleinen Toyota von Bad Rothenfelde nach Hilter. Dort besuchte sie ihren Bekannten Rolf S. (60). Der Frührentner kochte für sie und seine pflegebedürftige Schwiegermutter und machte anschließend mit den beiden Frauen Gesellschaftsspiele oder ging mit ihnen spazieren.

Am 5. Februar 2016 verschwand Hannerle M. Ihr blauer Toyota Yaris wurde später in einem Parkhaus in Osnabrück gefunden, aber von der Witwe fehlte jede Spur.

Schnell geriet Frührentner Rolf S. in Verdacht, denn er war spielsüchtig, hatte bei Hannerle M. mindestens 30.000 Euro Schulden – und am Tag des Verschwindens von ihrem Konto 1500 Euro abgehoben. Doch er bestritt, etwas mit dem Verschwinden der Frau zu tun zu haben.

Die Annahme der Kripo, die Seniorin sei umgebracht worden, bestätigte sich Ende Juli, als ein Pilzesammler die skelettierte Leiche der 79-Jährigen in einem Wald bei Hilter entdeckte. Über den Kopf der Toten war eine Plastiktüte gezogen und zugeklebt worden.

Bei ihren Ermittlungen gegen Rolf S. fand die Mordkommission heraus, dass er sich kurz vor dem Verschwinden der Frau im Internet über K.o.-Tropfen und Zyankali informiert hatte.  Obwohl Rechtsmediziner an der skelettierten Leiche nichts von beidem nachweisen konnten, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass Rolf S. die 79-Jährige betäubt und dann mit der Plastiktüte erstickt hat. Später soll er versucht haben, den Schmuck der Frau und die Uhrensammlung ihres verstorbenen Mannes zu Geld zu machen.

Seit Montag steht der Frührentner, der an Diabetes leidet und drei Bypässe hat, wegen Mordes vor dem Landgericht Osnabrück. Zum Prozessauftakt gab der frühere Lkw-Fahrer an, Hannerle M . sei am 5. Februar nicht zum Mittagessen erschienen. Er habe sich Sorgen gemacht, sei zu ihr gefahren und habe sie tot in ihrem Sessel gefunden. »In Panik« habe er ihre EC-Karte genommen und damit 1500 Euro abgehoben. Sein Verhalten, sagte er weiter, habe ihn nachträglich so erschreckt, dass er alles habe vertuschen wollen und die tote Frau einen Tag später im Wald vergraben habe. Die Frage des Vorsitzenden Richters, warum er der angeblich Verstorbenen denn eine Plastiktüte um den Kopf geklebt habe, konnte der Angeklagte nicht schlüssig beantworten. Er beteuerte, er habe die Frau nicht umgebracht. »Sie war wie eine Mutter zu mir.«

Das Urteil wird im Februar gesprochen.

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