Motown Musical-Ensemble beendet Theatersaison mit mitreißendem Gute-Laune-Cocktail in ausverkaufter Aula In Versmold groovt es

Versmold (WB). Wie gut, dass der bekennende unbekannte Versmolder Soul-Fan und Herr über 400 Soulplatten an der Abendkasse am Ende doch noch die letzte, weil zurückgegebene Karte für das ausverkaufte Musical »Motown – Die Legende« ergattert. Er hätte sich sonst schwer geärgert.

Von Petra Kramp
Motown, wie es swingt und groovt. Hits von Steve Wonder, Diana Ross oder »The Temptations« lassen das Publikum in der restlos ausverkauften Hauptschulaula in Erinnerungen schwelgen. Entsprechend euphorisch ist die Stimmung auch auf der Bühne.
Motown, wie es swingt und groovt. Hits von Steve Wonder, Diana Ross oder »The Temptations« lassen das Publikum in der restlos ausverkauften Hauptschulaula in Erinnerungen schwelgen. Entsprechend euphorisch ist die Stimmung auch auf der Bühne. Foto: Petra Kramp

Sonst wären dem Edelfan zwei Stunden bester musikalischer Unterhaltung nebst geschichtlichem Hintergrund zur Entstehung des Schallplattenlabels »Motown« durch Gründer Berry Gordy entgangen. Motown geht in die Beine, ins Blut und unter die Haut. Das erfahren die Theaterbesucher im Stück bei jedem Besuch mehr. Das vom ehemaligen Boxer und Fabrikarbeiter Gordy mit 800 geliehenen Dollar 1957 gegründete Plattenlabel kreierte einen unverwechselbaren Klang, der als »Sound of Young America« in die Plattengeschichte eingehen sollte.

Fünf stimmgewaltige Musicalkünstler, zwei Damen und drei Herren sowie fünf begnadete Vollblutmusiker zaubern in der Hauptschulaula jenen typischen Sound aus Soul, Funk und Pop. In Versmold groovt es.

Stimmgewaltiges Vollblutweib

Zack, dargestellt von Koffi Missah, der stets zu spät zu den Proben erscheint, die grazile Linda (Meimouna Coffi), die ein wenig an Whitney Houston erinnert. Judy (Marion Cambell), ein stimmgewaltiges Vollblutweib. Syd, der ewig strahlende, aber auf Regeln pochende Sänger, und Lance, selbst ernannter Bandleader, der zu Beginn der Proben im zum Abriss freigegebenen tristen Gebäude mehr Leidenschaft einfordert: »Ihr brennt nicht so, wie einst Berry Gordy.«

Gordys Rezept für Welthits war denkbar einfach. Man nehme ein Lied, dessen einfache, gängige Melodie schon nach 20 Sekunden zum Ohrwurm werden muss, verbunden mit dem richtigen Groove. Die Proben laufen zunächst bewusst nicht rund, bis Linda ihr erstes hinreißendes Solo »Mr. Postman« hinlegt. Judy kontert voller Inbrunst und mit viel Seele mit ihrer rauchigen Soulstimme »When a Man loves a Woman«, was das Publikum ebenfalls mit großem Jubel und Applaus honoriert.

»Superstition« von Stevie Wonder trägt der quirlig-verschmitzte Zack vorgetragen. Bei »Get ready« singen zunächst vier begeisterte Ladies in der zweiten Reihe kräftig mit, die erste Reihe wippt da noch vorsichtig mit den Füßen. Nach der Pause schließlich türmt sich Welthit an Welthit. Die Bühne ist nun nicht mehr trist. Eine Showtreppe lässt Stars wie Diane Ross & The Supremes, The Temptations and Stevie Wonder stimmlich wieder auferstehen.

»Shot Gun« reißt die Zuschauer mit

Die Sänger erscheinen im feinen Anzug mit Lackschuhen, Judy und Linda im blauen, seidenen Cocktailkleid auf sündhaft hohen Absätzen. Beim »Fa-Fa-Fa Fa-Fa«, dem »Sad Song«, der gar nicht »sad«, also traurig ist, inspiriert Zack, das Publikum zum Mitsingen zu animieren. »Bei ›Shot Gun‹ reißt es schließlich alle Gäste von den Stühlen. Das Trio um Diana Ross wird beim nachgesungenen Medley mit Judy und Linda zur Freude des Publikums um den smarten Zack ergänzt. Er gibt die Mary.

Begeistert sind am Ende alle: Die Sänger der Produktion Motown , deren Freude man unablässig aus den Gesichtern abliest. Die Musiker, die gekonnt und übergangslos die Medleys »wegspielen«. Und das völlig »unwestfälische« Versmolder Publikum, das sich längst mitklatschend von den Sitzen erhoben hat.

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