Zu Beginn des Mittelaltermarktes wird der Bürgermeister eingesperrt und muss Einlass fürs kommende Jahr versprechen Alte Bräuche im Stadtpark

Versmold (WB). Das Treiben während des Mittelaltermarktes im Stadtpark erklärt Geschichtenerzähler Tan Daniel alias Daniel Rolling: »Wir sehen nicht nur komisch aus und riechen auch noch blöd, sondern machen Vergangenheit lebendig.« Zum dritten Mal hat der Verein Ars Westfalica mit den Gästen eine Zeitreise angetreten.

Von Jan Nölke
Das Duo Chapeau Claque Rogue fasziniert als Fabelwesen Feuerthaler und Fantasia die jungen Besucherinnen (von links) Bellana (5), Caitlin (5) und Emilia (6).
Das Duo Chapeau Claque Rogue fasziniert als Fabelwesen Feuerthaler und Fantasia die jungen Besucherinnen (von links) Bellana (5), Caitlin (5) und Emilia (6). Foto: Jan Nölke

Das Mittelalterherz der 13 Heerlager und 30 Händlern, Gastronomen und Handwerker schlägt für historische Kunst, Komik und Kultur. Bruder Dickbert alias Markus Witusch praktiziert bei der Eröffnung vor den Augen der Besucher, die am Samstag wider Regen und kaltem Wetter den Weg in den Stadtpark gefunden haben, das Modell Stadtrat 1875.

»Herrscht Unzufriedenheit in der Bevölkerung, kennen wir keine Gnade«, sagt er und sperrt Versmolds Bürgermeister Michael Meyer-Hermann kurzerhand in einen Kerker. »Was drei Mal stattfindet, ist Tradition oder verheiratet«, wirft er dem Verhafteten vor und beruft sich auf die zwei vergangenen Jahre, in denen die Mittelalterfreunde im Versmolder Stadtpark bereits ihre Zelte aufschlagen durften. Vor der Schandgeige und Henker Klitus alias Manuel Haack kann sich Michael Meyer-Hermann nur retten, indem er versichert auch im nächsten Jahr Einlass zu gewähren.

Felle und Keramikkunst

Deutlich ruhiger und sittlicher geht es beim Clan Mac Crow zu. Sichtlich geprägt durch die Last des Lebens und eine verlorene Schlacht gegen England, sind die Highländer aus dem hohen Norden Schottlands angereist. »Als freie Landbesitzer zur Zeiten von Maria Stuart leben wir sehr zurückgezogen in der Natur«, erzählen die Lairds of Glencairn alias Thomas Reinink und Gerd Weng in ihren Schottenröcken. Zwar gewähren sie Fremden ausnahmsweise Einblick in ihr mit Fellen und Keramikkunst ausgestattetes Zelt, geben Lanze und Schwert allerdings nicht aus den Händen. Der Schutz vor Angreifern ist auch für viele Besucher interessant.

Besonders großen Zuspruch erfährt deshalb neben dem Bogenschießen die Schmiede von Christian von Sinnern. Dort lehrt der Ritter persönlich den richtigen Umgang mit Schwert und Dolch. »Besonders Kraft und Zielgenauigkeit sind entscheidend«, weiß die siebenjährige Merle anschließend. Das Duo Chapeau Claque Rogue fasziniert als Feuerthaler und Fantasia, Fabelwesen auf Stelzen, nicht nur die jüngeren Gäste.

Gute Geschäfte gilt es an den Imbiss- und Handelsständen zu erzielen. Auch wenn die Kunst des Pfeilschens zumeist den Kaufleuten vorbehalten ist, so hat am Ende jeder Interesse an einer besonders aufregenden Zeit gewonnen.

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