Zur-Mühlen-Gruppe schließt Standort in Verl-Sürenheide – 37 Mitarbeiter betroffen Wursthersteller Astro stellt Produktion ein

Verl (WB). Beim Fleischwarenhersteller Astro am Berensweg gehen endgültig die Lichter aus. Die zum Tönnies-Konzern gehörende Zur-Mühlen-Gruppe (ZMG/Böklund) verkündete am Dienstagnachmittag das Aus für den Produktionsstandort. 37 Mitarbeiter sind betroffen.

Von Michael Delker
Ein Produzent von türkischen Spezialitäten ist an der Astro-Produktionsfläche am Berensweg interessiert.
Ein Produzent von türkischen Spezialitäten ist an der Astro-Produktionsfläche am Berensweg interessiert. Foto: Julian Stolte

ZMG-Sprecher Dr. Andre Vielstädte begründete die Schließung mit dem hohen Preis- und Wettbewerbsdruck in der Wurstbranche. Die Mitarbeiter seien in dieser Woche über den Schritt informiert worden. »Derzeit befindet sich das Unternehmen in Gesprächen mit dem Betriebsrat, um über alle weiteren Details, wie den Zeitpunkt der Schließung und mögliche Übernahmen der Mitarbeiter an anderen Standorten, zu sprechen«, erklärt Vielstädte.

Im näheren Umkreis wären Produktionsstätten in Rheda-Wiedenbrück, Gütersloh und Versmold mögliche Einsatzorte für die Beschäftigten. Hierzu müssten individuelle Gespräche folgen. Laut Vielstädte ist es denkbar, dass Astro als Marke im Handel erhalten bleibt.

Im Jahr 1920 von August Strothlücke gegründet

Astro war 1920 von August Stroth­lücke gegründet worden. Bis zur Insolvenz im vergangenen April führte die Familie den Betrieb in vierter Generation. Auf der 15.000 Euro großen Produktionsfläche am Berensweg wurden Unternehmensangaben zufolge jährlich bis zu 12.000 Tonnen Wurstwaren hergestellt, hauptsächlich Bedienungs- und SB-Artikel für den Einzelhandel (60 Prozent), Großhandel (20 Prozent), sowie Industrie und Catering (20 Prozent).

Wegen des Preisdrucks in der Branche zogen die damaligen Geschäftsführer Kai und Christian Heitmann im April die Reißleine und stellten einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung. In der Zur-Mühlen-Gruppe fand sich schließlich ein Investor, der sich bereit erklärte, das angeschlagene Unternehmen zu übernehmen. Damit verbunden war jedoch ein massiver Stellenabbau. 110 Arbeitsplätze wurden abgebaut, nur 37 Mitarbeiter konnten weiter beschäftigt werden.

Gewerkschaftssekretär nennt Entwicklung tragisch

Offenbar führte auch diese einschneidende Maßnahme nicht zum gewünschten Erfolg. »Nach dem Beginn der Sanierungsmaßnahmen durch die Zur-Mühlen-Gruppe im Jahr 2017 musste nun eine betriebswirtschaftliche Entscheidung gegen den Standort getroffen werden«, teilt Vielstädte mit.

Für die Produktionsfläche gibt es bereits einen Interessenten. »Der Standort in Sürenheide soll zukünftig weiter genutzt werden«, so der Unternehmenssprecher. Derzeit befinde sich die Zur-Mühlen-Gruppe in aussichtsreichen Gesprächen mit einem interessierten Käufer, einem Lebensmittelproduzenten für türkische Spezialitäten.

NGG-Gewerkschaftssekretär Thorsten Kleile nannte die Entwicklung tragisch. »Letztlich ist es eine unternehmerische Entscheidung, die man leider nicht aufhalten kann.« Für die älteren Arbeitnehmer werde es möglicherweise ein Problem sein, einen neuen Job zu finden.

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