Bibliothek kämpft mit sinkender Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen Vorlesen nicht mehr so gefragt

Verl (WB). Früher sind die Vorlese-Angebote in der Verler Bibliothek ausgebucht gewesen. Heute sind die Lesepaten manchmal froh, wenn vier, fünf Vorschulkinder vor ihnen sitzen. An manchen Terminen sind es sogar nur ein oder zwei Kinder. Das macht Bibliothekarin Bianca Klimmek Sorge.

Von Kerstin Eigendorf
»Hexenfreund« ist nur eines von zahlreichen Büchern, das die 14 Lesepaten der Bibliothek Verl gerne vorlesen. »Die Eisenbahn-Oma« von Paul Maar, aber auch Märchen sind Lieblingsbücher vieler Kinder. Leider nutzen immer weniger die Angebote.
»Hexenfreund« ist nur eines von zahlreichen Büchern, das die 14 Lesepaten der Bibliothek Verl gerne vorlesen. »Die Eisenbahn-Oma« von Paul Maar, aber auch Märchen sind Lieblingsbücher vieler Kinder. Leider nutzen immer weniger die Angebote. Foto: Kerstin Eigendorf

»Jahrelang war das Vorlesen ein Erfolgsmodell in der Bibliothek«, sagt Klimmek. Doch jetzt bereite es ihr Sorge. Besonders das Angebot für Vorschulkinder werde immer weniger angenommen. »Einige Vorschulkinder sind eingeschult worden, und leider kommt nichts nach.« Um 17 Uhr an jedem ersten Dienstag im Monat säßen die Lesepaten sogar manchmal nur mit ein, zwei Kindern da.

2007/2008 wird das Vorlesen in der Bibliothek ins Leben gerufen. »Unser Angebot passte damals gut in die Zeit. Die Stiftung Lesen verstärkte das Werben fürs Vorlesen, und die Pisa-Studien bescheinigten deutschen Schülern Defizite im Lesebereich«, erzählt die Bibliothekarin, die für den Bereich Vorlesen zuständig ist. »Das Vorlesen bot sich an, um zu zeigen, wie wichtig es für die Kinder in ihrer Entwicklung ist«, betont Klimmek. Das Lesen in der Bibliothek sporne viele Eltern an, auch zu Hause mehr vorzulesen. »Auf diese Weise wollen wir dem Vorlesen einen größeren Stellenwert verleihen und die Bindung zu unserer Hauptzielgruppe – Familien mit Kindern – verstärken.«

Seit den Sommerferien 2017 ist der Wurm drin

Jahrelang funktioniert das Vorlese-Modell top. Doch seit den Sommerferien 2017 ist der Wurm drin. »Wir hören immer wieder, dass die Kinder viele Termine haben und das Vorlesen nicht mehr in den Terminplan passt«, sagt Klimmek, um nur ein Beispiel zu nennen. Natürlich erlebe sie auch, dass in einigen Familien das Vorlesen »weniger eine Rolle spielt«, wobei sie betont, dass in der Bibliothek Verl »sehr viele Eltern, die gerne vorlesen, zu finden sind«. Auch wenn sie glaubt, und das belegen zahlreiche Studien, dass das Vorlesen in zahlreichen Familien leider nicht mehr zum Alltag gehört, hofft sie, dass das Fernbleiben von den Vorlese-Aktionen doch einen guten Grund hat. »Vielleicht lesen die Eltern auch einfach mehr zu Hause vor, weil die Kinder mit Sport, OGS oder ähnlichem schon viel außer Haus unterwegs sind und das eine Möglichkeit ist, etwas Sinnvolles gemeinsam zu Hause zu machen.«

Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Eines ist aber klar: Die 14 Lesepaten freuen sich über neue Gesichter und die Bibliothek über weitere Lesepaten. Infos unter Tel. 05246/925230.

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