Verler Kreuzbundgruppe hilft Alkoholabhängigen seit 20 Jahren Ausweg aus der Sackgasse Sucht

Verl (WB). Seit 20 Jahren hilft der Verler Kreuzbund Alkoholkranken und zeigt Möglichkeiten auf, einen Ausweg aus der Sackgasse Sucht zu finden. Franz Brinkmann, Vorsitzender der Selbsthilfegruppe, erläutert, wie Hilfe konkret aussieht.

Von Andreas Berenbrinker
Den ersten Schritt weg vom Alkohol im Überfluss zu machen, ist ein schwieriger Prozess. Seit 20 Jahren hilft der Verler Kreuzbund genau an diesem wichtigen Punkt im Leben eines Alkoholkranken. Auch dessen Angehörige werden vom Kreuzbund unterstützt.
Den ersten Schritt weg vom Alkohol im Überfluss zu machen, ist ein schwieriger Prozess. Seit 20 Jahren hilft der Verler Kreuzbund genau an diesem wichtigen Punkt im Leben eines Alkoholkranken. Auch dessen Angehörige werden vom Kreuzbund unterstützt.

Der erste Schritt

Hat sich eine Person eingestanden, dass ihr Alkoholkonsum nicht normal ist, sie sich immer mehr abkapselt und ihr Denken fast nur noch um das Trinken kreist, kann sie sich bei der Kreuzbundgruppe melden.

Zunächst gibt es ein persönliches Gespräch, in dem der Hilfesuchende seine Sorgen und Nöte schildern kann. »Wenn Vertrauen aufgebaut und Mut vorhanden ist, kommt die Person mit in unsere Gruppe«, sagt Franz Brinkmann. Hier wird die Erkrankung von den Mitgliedern analysiert, diskutiert und besprochen.

Akute Hilfe

Sollte sich herausstellen, dass mit Hilfe der Kreuzbundgruppe alleine keine Besserung der Erkrankung zu erwarten ist, gibt es vielfache Möglichkeiten. Bei starkem Alkoholkonsum sei eine Entgiftung unter ärztlicher Aufsicht zwingend erforderlich, sagt Franz Brinkmann. Diese sei beispielsweise in der LWL-Klinik in Gütersloh möglich.

Anlaufstellen vermitteln

In der Kreuzbundgruppe finden Alkoholkranke auch Hilfe bei Betroffenen. Darüber hinaus vermittelt die Gruppe Gespräche mit professionellen Beratungsstellen. »Die Zusammenarbeit ist hervorragend«, sagt Franz Brinkmann, der Hilfesuchende zu verschiedenen Anlaufstellen nach Gütersloh vermittelt – zur Sucht- und Drogenberatungsstelle der Caritas (Roonstraße 22 und Unter den Ulmen 14b), zur Suchtberatung im Kreishaus (Herzebrocker Straße 140) oder in die Suchtambulanz der LWL-Klink (Hermann-Simon-Straße 7).

Therapiemöglichkeiten

Ist eine Therapie erforderlich, erklären die Gruppenmitglieder verschiedene Möglichkeiten aus eigenen Erfahrungen. Eine Therapie ist beispielsweise möglich in der LWL-Tagesklinik in Gütersloh. Die Betroffenen unterziehen sich an den Wochentagen einer Therapie, verbringen aber die Nacht und das Wochenende in ihrem gewohnten Umfeld. Ferner gibt es in der Bernhard-Salzmann-Klinik das Angebot der ambulanten Reha Sucht, bei der Alkoholkranke ebenfalls in ihrem Umfeld bleiben und gleichzeitig ihrer Berufstätigkeit nachgehen können. Ferner gibt es eine stationäre Langzeittherapie (etwa 14 Wochen).

Brinkmann: »Die Art der Therapie und die Auswahl der Fachklinik bestimmt der Suchterkrankte selbst.« Die Kostenübernahme der Maßnahme durch die Krankenkasse oder Rentenversicherung wird von der Beratungsstelle erstellt, dazu sind ein Arzt- und ein Suchtbericht notwendig. »Bis alle Formalitäten erledigt sind, kann es sechs bis sieben Wochen dauern. «

Nach der Therapie

Im Anschluss an eine Entwöhnungsbehandlung wird oft eine ambulante Nachsorge im Ambulanzzentrum in Gütersloh angeboten. »Außerdem ist es ratsam, Selbsthilfegruppen aufzusuchen«, sagt Brinkmann. Die Rückfallquote falle von 50 auf unter 25 Prozent. Sollte es doch zu einem Rückfall kommen, gebe es keine Vorwürfe. »Gespräche mit Mitbetroffenen helfen. Die meisten Rückfälle werden nur mit der Gruppe bewältigt.«

Die Co-Abhängigkeit

Co-Abhängigkeit zeigt sich darin, dass man alkoholkranke Angehörige in Schutz nimmt, ihr Trinkverhalten verheimlicht und wie der Süchtige selbst vertuscht. Der Kreuzbund ist auch Anlaufpunkt für Angehörige. »Der Austausch mit anderen Angehörigen sorgt für Erleichterung, praktische Hilfetipps werden geboten«, so Brinkmann.

Der Kreuzbund feiert den 20. Geburtstag an diesem Sonntag, 28. Januar, im internen Kreis (Pfarrzentrum).

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