Verler (55) soll an einer schweren Krankheit gelitten haben Doppelmord: Zeuge plötzlich verstorben

Gütersloh/Verl (WB). Er galt als einer der wichtigsten Zeugen nach dem Weihnachts-Doppelmord an einem Geschwisterpaar in Gütersloh, gegen den die Kripo auch lange Zeit ermittelt hat: Josef S. aus Verl, Lebensgefährte von Sibylle G., der Tochter der 2013 ermordeten Ärztin, ist tot. Nach Informationen dieser Zeitung soll er nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 55 Jahren am Freitag verstorben sein.

Von Wolfgang Wotke
In dieser Villa im Stadtpark von Gütersloh ist am 25. Dezember 2013 ein Geschwisterpaar ermordet aufgefunden worden.
In dieser Villa im Stadtpark von Gütersloh ist am 25. Dezember 2013 ein Geschwisterpaar ermordet aufgefunden worden. Foto: Wolfgang Wotke

Nach den brutalen Morden an der pensionierten Medizinerin Dr. Helgard G. (74) und dem ehemaligen Studienrat Hartmut S. (77) in ihrer Villa im Gütersloher Stadtpark am 24. Dezember 2013 hatten Josef S. und Sibylle G. einen Tag später das Verbrechen entdeckt und einen Notruf abgesetzt. Einige Wochen später waren beide dann ins Visier der Ermittler geraten, weil sie mit einem Tatverdächtigen und dem später verurteilten Jens Sch. (damals 30) eng befreundet waren.

Staatsanwalt Christoph Mackel leitete ein Ermittlungsverfahren ein, weil man glaubte, dass das Pärchen etwas mit dem gewaltsamen Tod der Senioren zu tun haben könnte. Erst zwei Jahre später stellte Mackel das Verfahren gegen sie endgültig ein. Man fand keine Beweise für eine Tatbeteiligung.

Keine neuen Ermittlungen geplant

Die Urteilsbegründung des Vorsitzenden Wolfgang Korte hatte es im Januar 2016 jedoch in sich. Auf 52 Seiten führte die Kammer ausführlich aus, warum der in einem zweiten Verfahren zu 13 Jahren Haft verurteilte Klempner Jens Sch. aus Verl, der mittlerweile seine Strafe in der Justizvollzugsanstalt Werl absitzt, das Geschwisterpaar erstochen habe. Da hieß es, er sei überführt worden, weil er die Tat gegenüber einem Mitgefangenen während der Untersuchungshaft eingeräumt habe und durch weitere Indizien belastet werde.

Also stützte sich das Gericht fast ausschließlich auf die Aussagen des ehemaligen Mithäftlings Christian P., der im ersten als auch im zweiten Prozess den Tatverdächtigen schwer belastet hatte. Man sei davon überzeugt, dass P. in wesentlichen Punkten »Täterwissen« offenbart habe.

In ihrer Erläuterung der Strafzumessung kam die Kammer zu der Überzeugung, dass Jens Sch. einerseits für Josef S. gehandelt habe, weil dieser erreichen wollte, dass seine Lebensgefährtin ihre Mutter und ihren Onkel beerbt und Letztgenannten daran hindern wollte, weiteres Geld aus seinem Vermögen in die Unternehmung einer Filmfirma zu investieren.

Der Bielefelder Staatsanwalt Christoph Mackel wollte sich am Montag zum Ableben von Josef S. auf Anfrage dieser Zeitung nicht äußern: »Ich möchte dazu nichts sagen«, erklärte er. Nach Recherchen des WESTFALEN-BLATTes gibt es um den Tod von Josef S. keine neuen Ermittlungen.

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