Klimaschutzmanagerin im Interview »Viele denken, Kipplüften sei sinnvoll«

Verl (WB). Sie ist das Gesicht des Klimaschutzes in Verl. Franziska Monkenbusch ist seit September 2015 Klimaschutzmanagerin der Stadt. Ende 2017 hat der Rat eine Verlängerung der Stelle für zwei Jahre befürwortet. Mit WB-Redakteurin Kerstin Eigendorf sprach sie über Kinder als Mahner der Eltern, Stoßlüften und US-Präsident Donald Trump.

Franziska Monkenbusch sprach über Stoßlüften und US-Präsident Donald Trump.
Franziska Monkenbusch sprach über Stoßlüften und US-Präsident Donald Trump. Foto: Kerstin Eigendorf

Verl kann das Weltklima nicht alleine retten. Warum braucht die Stadt eine Klimaschutzmanagerin?

Franziska Monkenbusch: Natürlich kann Verl das Weltklima nicht alleine retten, aber Verl ist Teil dieser Welt und hat damit auch Verantwortung, lokalen Klimaschutz umzusetzen.

Und wo fängt Klimaschutz im Kleinen hier vor Ort an?

Monkenbusch: Hier in Verl haben wir das Biomasseheizwerk und das Fernwärmenetz. Das Schöne ist, dass das Fernwärmenetz weiter ausgebaut werden soll. Dadurch haben noch mehr Menschen die Möglichkeit, Gebäude an das Netz anzuschließen.

Was kann jeder Einzelne in seinem Alltag tun?

Monkenbusch: Das richtige Heizen und Lüften ist sehr wichtig. Die Raumtemperatur sollte bei etwa 20 Grad liegen, und regelmäßiges Stoßlüften gehört auch dazu, damit sich kein Schimmel bilden kann. Man sollte auch darauf achten, dass nur Licht in den Zimmern brennt, in denen man sich aufhält. Was viele Leute unterschätzen, sind die Standby-Funktionen von Elektrogeräten. Inzwischen lassen sich viele moderne Geräte gar nicht mehr richtig ausschalten. In solchen Fällen helfen ausschaltbare Steckerleisten. Beim Thema Ernährung sollte auf Regionalität und Saisonware gesetzt werden. Gut fürs Klima und die Gesundheit ist es natürlich, kurze Strecken zu Fuß zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren.

"

Was viele Menschen unterschätzen, sind die Standby-Funktionen von Elektrogeräten.

Franziska Monkenbusch

"

Müssen Sie viel aufklären?

Monkenbusch: Es gibt Verler Bürger, denen das Thema wichtig ist. Schwieriger ist es, an Leute heranzukommen, die sich nicht dafür interessieren. Gute Ansatzpunkte sind Angebote, die mit Spaß verbunden sind. 2017 haben wir an der Kampagne Stadtradeln teilgenommen. Innerhalb von drei Wochen sollten viele Kilometer mit dem Rad zurückgelegt werden. So etwas macht Spaß und spornt an.

Mit welchen Fakten überraschen Sie die Bürger häufig?

Monkenbusch: Viele sind überrascht, wie richtiges Lüften funktioniert. Sie denken immer noch, Kipplüften sei sinnvoll. Ganz ärgerlich ist es, wenn dabei auch noch die Heizung aufgedreht ist.

Sind ältere und jüngere Menschen unterschiedlich gut über Klimaschutz informiert?

Monkenbusch: Erwachsenen fällt es oft schwerer, Verhaltensmuster zu ändern. Kinder sind Multiplikatoren, die ihr Wissen weitergeben. Ich weiß, dass es manche Eltern anstrengend finden, wenn Kinder immer wieder darauf aufmerksam machen, dass das Licht in der Küche nicht brennen muss, wenn niemand drin ist. Wenn ich so etwas höre, freue ich mich und muss schmunzeln.

Welche neuen Projekte sind in Planung?

Monkenbusch: Wir wollen zum Beispiel in diesem Jahr zusammen mit dem Stadtwerk Verl vier Beratertage initiieren zu Photovoltaik, Brennstoffzelle, E-Mobilität und Energiesparen.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie US-Präsident Trump und seine Thesen zum Klimawandel hören?

Monkenbusch: Das kann wohl niemand ernst nehmen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.