Zum Buschhof: Tödlicher Unfall in Kaunitz wirft Fragen auf Rückwärts in die Sackgasse

Verl-Kaunitz (WB). Ein Fußgänger (88) wird in einer engen Sackgasse von einem 20 Tonnen schweren, rückwärts rangierenden Müllwagen überrollt und stirbt. Der Fahrer (46) hat keinen Einweiser an Bord. Der schwere Verkehrsunfall vom Montagmittag im Stadtteil Kaunitz wirft einige Fragen auf.

Von Carsten Borgmeier
Dieses Verkehrsschild in Kaunitz zeigt an, dass die Straße Zum Buschhof eine Sackgasse ist. Dort war Montagmittag ein 88 Jahre alter Mann aus Unna von einen Müllwagen überrollt worden. Einen Einweiser hinter dem Fahrzeug gab es nicht.
Dieses Verkehrsschild in Kaunitz zeigt an, dass die Straße Zum Buschhof eine Sackgasse ist. Dort war Montagmittag ein 88 Jahre alter Mann aus Unna von einen Müllwagen überrollt worden. Einen Einweiser hinter dem Fahrzeug gab es nicht. Foto: Carsten Borgmeier

Kommunen wie zum Beispiel Gütersloh, Paderborn, Bielefeld oder Herford haben sich diesen riskanten Fahrmanövern ihrer Müllwagen bereits gestellt und eine Art Kataster entwickelt: Darin sind potenziell gefährliche Straßenabschnitte aufgelistet. Mit der Folge, dass beispielsweise in Gütersloh »von 190 Sackgassen 59 für Müllwagen gesperrt worden sind«, wie Matthias Maurer als Leiter des Fachbereichs Stadtreinigung am Dienstag auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage mitteilte.

Dieser Müllwagen mit rechtem Seiten-Ladearm hat am Montag den Senior überrollt. Foto: Guido Vogels

Anlass, ein solches Kataster zu erstellen, sei die Branchenregel 2017 der Deutschen Gesetzlichen Unfallkasse gewesen, so Maurer. Die empfehle den Kommunen ausdrücklich, eine solche Gefahren-Analyse ihres Straßen- und Wegenetzes vorzunehmen. Der Hintergrund: Laut einer Statistik kommen pro Jahr in Deutschland zwischen drei und fünf Menschen durch rückwärts rangierende Müllwagen ums Leben.

Hätte also der Unfall am Montagmittag in Kaunitz vermieden werden können, wenn die Sackgasse Zum Buschhof für solche großen, unübersichtlichen Fahrzeuge gesperrt gewesen wäre? Hätte der Müllwagen eines Mindener Entsorgungsunternehmens nicht zwingend einen zweiten Mann an Bord als Einweiser für solche Rückwärtsfahrten haben müssen?

Rückfahrkamera und Warnsignale

Nach Auskunft eines Sprechers des betroffenen Unternehmens verfügt der eingesetzte Müllwagen nicht nur über eine Rückfahrkamera, sondern auch über optische wie akustische Warnsignale, die bei Rückfahrten einsetzen.

Da aber Zeugenaussagen zufolge das Opfer auf der Straße Zum Buschhof in Richtung Peitzweg ging, nahm der Senior den von hinten heransetzenden Müllwagen nicht wahr.

Aus der Stadtverwaltung Verl war gestern nicht zu erfahren, ob es in der Ölbach-Kommune die von der Unfallkasse empfohlene Gefahren-Analyse gibt. Zunächst müsse der Unfallhergang genau ermittelt werden, bevor Rückschlüsse gezogen werden könnten, hieß es aus dem Rathaus. Bekannt ist hingegen, dass die Stadt Verl Bereiche des Abfalls (Bio- und Restmüll sowie Wertstoffe) von dem Mindener Unternehmen entsorgen lässt. »Allgemein setzen wir voraus, dass seitens des Entsorgungsunternehmens generell Unfallverhütungsvorschriften eingehalten werden«, sagte eine Sprecherin der Stadt.

Gegen den 46 Jahre alten Fahrer des Müllwagens hat die Polizei ein in solchen Fällen obligatorisches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet.

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