Philipp Röchter aus Bornholte hat Gedichte seiner Mutter vertont Worte werden zu Musik

Verl (WB). Die Gedichte seiner Mutter haben ihn schon immer fasziniert. Philipp Röchter aus Bornholte hat ihre Worte zu Musik werden lassen. Der 26-Jährige verewigt sie auf seiner ersten CD »Fernreise«.

Von Kerstin Eigendorf
Philipp Röchter hält seine erste CD in der Hand, die er mit einer Auflage von 1000 Exemplaren hat pressen lassen. Der 26-jährige Bornholter hat Gedichte seiner Mutter vertont.
Philipp Röchter hält seine erste CD in der Hand, die er mit einer Auflage von 1000 Exemplaren hat pressen lassen. Der 26-jährige Bornholter hat Gedichte seiner Mutter vertont. Foto: Eigendorf

»Ich habe immer wieder beim Hören der Gedichte gedacht, dass sie Songcharakter haben«, sagt der 26-Jährige. Er sei kein Freund von kryptischen Gedichten. Seine Mutter schreibe weltlich-direkt. »Es sind Texte, die Fragen aufwerfen und oftmals auch Tabuthemen ansprechen«, sagt er.

»Wer wird sich kümmern, wenn ich irgendwann verzogen bin« lautet die Zeile eines Liedes. Konkret thematisiert seine Mutter Franziska Röchter darin die Ängste einer Mutter, die ein behindertes Kind hat. Denn die 21-jährige Johanna, Philipp Röchters Schwester, hat das Downsyndrom. »In diesem Liedtext spricht sie das Thema Sterben an, über das sich viele Menschen scheuen zu sprechen«, sagt der Musiker, der Anglistik in Bielefeld studiert hat, sich aber aktuell umorientiert in Richtung Sozialer Arbeit. Was konkret am Beispiel seiner behinderten Schwester zum Thema wird – die Mutter-Kind-Beziehung –, habe aber allgemeingültigen Charakter. »Jeder Text hat eine ganz persönliche Note, aber es geht immer um etwas, das jeden betreffen kann.«

So spricht die Autorin eigentlich über die Frage, was aus einer Tochter wird, die nicht selbst für sich sorgen kann, wenn die Mutter einmal stirbt. Und spricht doch viel mehr an. Nämlich die Frage, was mit dem geliebten Menschen generell passiert, wenn man selbst einmal für immer gehen muss.

Von Juli bis Oktober steht Philipp Röchter immer wieder im Tonstudio in Herzebrock. Dessen Betreiber Ralf Neitzel hat er vor einem Jahr kennengelernt und ihm von seiner Idee erzählt. Am Ende sind es zwölf Stücke geworden, die sich auf der CD wiederfinden. Viele haben einen melancholischen Charakter, drehen sich um die Vergänglichkeit. Andere sind flott, fast rasant. Wie der Titel »Wolkenzug«, der beim Gesang kaum Luft zum Atemholen lässt. »Live würde das schlecht zu machen sein«, gibt der 26-Jährige mit einem Augenzwinkern zu.

Alle Titel werden ausschließlich mit Gesang und Klavier vertont. Um ihnen mehr Klang zu verleihen, wird die Grundspur des Klaviers verdreifacht. Das Singen hat Philipp Röchter schon immer nebenher begleitet. 2011 spielt er kurze Zeit in einer Band. Klavier ist nahezu sein Leben lang ein Teil dessen. Er hat mit viereinhalb Jahren angefangen zu spielen.

»Die Ideen für die ersten drei Lieder kamen schnell«, erzählt er. Dann kommt der Druck, »dass es auch was werden soll«. Doch er muss sich selbst etwas bremsen. »Erzwungen funktioniert das nicht. Ich muss spontane Einfälle haben.« Immer, wenn er mit einem Stück zufrieden ist, zieht er Mutter Franziska Röchter hinzu. »Ihre Meinung ist mir wichtig«, sagt er und betont, dass er die Originaltexte unbedingt beibehalten wollte. Die Melodien hätten ihr zum Glück immer gefallen.

Die CD »Fernreise«, die mit einer Auflage von 1000 Exemplaren gepresst wurde, ist erhältlich bei Amazon, iTunes, Spotify oder per Email an chiliverlag@aol.com.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.