Landgericht sieht Mann aus Verl (57) als »Gefahr für die Allgemeinheit« Angeklagtem droht Psychiatrie

Verl/Gütersloh/Bielefeld (WB/swa). Ein notorischer Exhibitionist aus Verl muss sich seit Montag erneut wegen drei mutmaßlicher Vorkommnisse in Gütersloh vor dem Landgericht Bielefeld verantworten. Ihm droht im Falle einer Verurteilung die Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie.

Vor dem Bielefelder Landgericht muss sich derzeit ein Mann aus Verl verantworten. Die Staatsanwaltschaft strebt eine Verurteilung wegen sexueller Nötigung, Vornahme exhibitionistischer Handlungen und Körperverletzung an.
Vor dem Bielefelder Landgericht muss sich derzeit ein Mann aus Verl verantworten. Die Staatsanwaltschaft strebt eine Verurteilung wegen sexueller Nötigung, Vornahme exhibitionistischer Handlungen und Körperverletzung an. Foto: Thomas F. Starke/Archivfoto

Staatsanwältin Sabine Berger wirft dem 57-jährigen Mann vor, am Abend des 30. Januar vergangenen Jahres einer jungen Frau in der Nähe des Gütersloher Bahnhofes aufgelauert zu haben. Das potenzielle Opfer sei mit dem Fahrrad geflüchtet, doch der Angeklagte habe die Verfolgung ebenfalls mit einem Zweirad aufgenommen. Zeitweise soll er mit dem Vorderrad an das Hinterrad der jungen Frau gestoßen sein.

Opfer mit Fahrrad verfolgt

Kurz nach einer Unterführung soll sie eine rote Ampel überfahren haben, um sich der Verfolgung des 57-jährigen Verlers entziehen zu können. Doch auch dieser habe das Lichtsignal missachtet. Auf dem Fahrrad soll sich der arbeitslose Mann entblößt haben. Als das mutmaßliche Opfer zur Haustür ihres Vaters rannte, soll sich der Angeklagte selbst befriedigt haben.

Der Vater der jungen Frau versuchte, den Delinquenten zu stellen, indem er ihn vom Fahrrad holte. Ziel der Aktion war offenbar, die Personalien des Mannes festzustellen. Der Festsetzung widersetzte sich der mutmaßliche Exhibitionist mit Nachdruck und schlug derart um sich, dass ein einschreitender Zeuge Prellungen und Hämatome davon trug.

Drei Termine folgen

Der Prozess soll am 25. Januar, 10. Februar und 15. Februar jeweils um 9 Uhr in Saal 24 des Bielefelder Landgerichts fortgesetzt werden.

Am Vormittag des 29. September 2015 kam es zu gleich zwei angeklagten Taten. Um 9.45 Uhr soll der Verler eine Frau in ein Gebüsch gezogen und sich dabei stimuliert haben. Bei dem Versuch, ihre Jacke aufzuknüpfen, sei der Frau die Flucht gelungen. Nur eineinhalb Stunden später soll der Angeklagte in der Nähe des Heidewaldstadions mit dem Fahrrad an einer Joggerin vorbeigefahren sein und ihr mit der flachen Hand schmerzhaft auf das Gesäß geschlagen haben.

Bereits als Jugendlicher verurteilt

Die Staatsanwaltschaft strebt gegen den 57-jährigen Mann eine Verurteilung wegen sexueller Nötigung, der Vornahme exhibitionistischer Handlungen und Körperverletzung an. Bereits seit seiner Jugend beging der ledige Verler Straftaten. Unzählige Verurteilungen wegen Exhibitionismus sowie Diebstählen und eines Raubes reihen sich aneinander. Neben Haftstrafen musste der Angeklagte auch bereits den Gang in eine Psychiatrie antreten. 1993 wurde er wegen exhibitionistischer Handlungen zu drei Jahren und drei Monaten in einer geschlossenen Anstalt verurteilt.

Auch in diesem Fall strebt die Staatsanwaltschaft eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, da der Mann »eine Gefahr für die Allgemeinheit« darstelle. Am ersten Verhandlungstag machte der Angeklagte keine Angaben. Seine Verteidigerin Ursula Knecht stellte einen Befangenheitsantrag ge­gen eine gerichtlich bestellte Gutachterin. Hierüber wird sich die IV. Große Strafkammer beraten.

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Sinnlosigkeit wiederholt

Wie dem Artikel zu entnehmen ist, war der Mann schon einmal zum Aufenthalt in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie verurteilt worden, und genutzt hat es offensichtlich nichts. Wie ein vernünftiger Psychiater - schön wäre es, wen es mehr davon gäbe - vor ein paar Monaten in einem Interview sagte, ist die Psychiatrie kein Ersatz für ein Gefängnis. Dafür, gefährliche Leute von der Gesellschaft fernzuhalten, sind nämlich Gefängnisse gedacht. Abgesehen von der Sinnlosigkeit und den Kosten solcher Einweisungen in die Psychiatrie gibt es auch noch die Gefahr von Schäden durch Psychodrogen. Es ist wirklich Zeit, dass in der Justiz generell die Vernunft einkehrt.

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