Verler (43) fand Hilfe beim Kreuzbund und leitet dort jetzt selbst eine Gruppe Alkohol bestimmte den Alltag

Verl (WB). Der 26. Mai 2009 ist für die meisten Menschen ein ganz gewöhnlicher Wochentag gewesen. Für Michael Bathe ist dieser Dienstag aber ein Wendepunkt. Seither hat der Verler keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken. Vorher ist das anders gewesen – er bezeichnet sich schonungslos als Alkoholiker.

Jahrelange bestimmte der Alkohol den Alltag von Michael Bathe (Mitte). Auch der Kreuzbund mit den Gruppenleitern Hans-Peter Jakobfeuerborn (links) und Franz Brinkmann half ihm aus der Sucht und bietet heute eine Stütze im Leben.
Jahrelange bestimmte der Alkohol den Alltag von Michael Bathe (Mitte). Auch der Kreuzbund mit den Gruppenleitern Hans-Peter Jakobfeuerborn (links) und Franz Brinkmann half ihm aus der Sucht und bietet heute eine Stütze im Leben. Foto: Andreas Berenbrinker

Lange Zeit machte sich Michael Bathe (43) etwas vor. »Alkoholiker, das waren für mich Leute, die un­ter Brücken oder am Bahnhof vor sich hinvegetieren«, sagt Bathe. Er habe sich sein Problem lange Zeit nicht einstanden. Dass sein Trinkverhalten nicht normal war, wusste Bathe zu dieser Zeit eigentlich bereits. »Aber ich wollte das nicht wahrhaben und habe mir meinen Konsum schöngeredet«, so Bathe.

Viel getrunken hatte er schon jahrelang, »auf Partys oder Feiern war ich immer betrunken«. Richtig exzessiv wurde es dann ab zirka 2006. Bathe: »Pro Tag habe ich bis zu sechs Liter Weizenbier getrunken und am Wochenende kamen noch härtere Getränke dazu.« Der Alkohol hatte Michael Bathes Leben total bestimmt. »Meine gesamte Freizeit war durch das Trinken ausgefüllt, meine Gedanken drehten sich nur um den Alkohol«, sagt Bathe, der zwar »nur« nach Feierabend getrunken hat, aber nicht wissen will, »wie viel Restalkohol ich während der Ar­beitszeit im Blut hatte«.

Den einen bestimmten Auslöser für seine Sucht kann Michael Bathe nicht nennen. »Ich habe den Alkohol dazu missbraucht, um Gefühle und Emotionen zu manipulieren und um lockerer zu werden«, sagt Bathe. Der schleichende Prozess, das schlechte Aussehen und auffällige Verhaltensweisen – lange konnte Michael Bathe seinen Konsum nicht verheimlichen. »Richtig versucht habe ich das mit der Heimlichtuerei auch gar nicht«, erinnert sich Bathe. »Im Familienkreis habe ich mich zwar im Zaum gehalten, aber bei Festen oder in Gaststätten habe ich umso mehr getrunken, auch öffentlich«. Angesprochen wurde Michael Bathe öfter von seiner Familie, Freunden und auch seinem Arbeitgeber. Bathe: »Der Suchtberater meiner Firma hat mir dann auch Möglichkeiten aufgezeigt, von der Sucht loszukommen.« Ihm und seiner Familie (»Meine Eltern und meine Geschwister haben mich immer unglaublich un­terstützt«) ist Bathe dankbar.

Kontakt in der Gruppe hilft

Eine erste qualifizierte Entgiftung in einer Tagesklinik misslang, nach der zweiten Entgiftung begab sich Michael Bathe direkt anschließend in eine 16-wöchige Langzeittherapie in der Gütersloher Bernhard-Salzmann-Klinik. »Und anschließend war ich dort noch ein Jahr zur Nachsorge«, so Bathe. Der Besuch der Verler Kreuzbundgruppe ist Bathe wichtig. »Meine Erinnerungen werden wach gehalten und ich beschäftige mich mit dem Thema Alkohol und Sucht«, sagt er. »Wichtig ist, dass ich dort mit Menschen rede, die ähnliche Probleme hatten und mich verstehen.«

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Ich habe den Alkohol dazu missbraucht, um Gefühle und Emotionen zu manipulieren und um lockerer zu werden.

Michael Bathe

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In der ersten Phase der »trockenen« Zeit musste Michael Bathe lernen, sich sicher in der Gesellschaft zu bewegen. »Das war schon ein Lernprozess«, sagt er rückblickend. Heute sind Veranstaltungen und Feste wie zum Beispiele Silvester für ihn kein Problem mehr. Bathe: »Für die Menschen in meinem Umfeld ist es zur Normalität geworden, dass ich keinen Alkohol trinke und ich spüre auch kein Verlangen danach.«

Positiver Effekt

Michael Bathe kann nicht mit Bestimmtheit sagen, dass er nie wieder trinken wird. »Aber warum sollte ich mein schönes trockenes Leben noch ein mal gegen ein ›nasses‹ tauschen?«, fragt er rhetorisch. Die Phase des intensiven Alkoholgenusses sieht Michael Bathe im Nachhinein sogar positiv. »Diese Lebensphase war für mich nötig, um bewusster zu leben«, sagt er. »Viele Dinge sehe ich mit anderen Augen und nehme sie im wahrsten Sinne nüchtern und gelassen hin«.

Kreuzbund

Suchtkranke Menschen und deren Angehörige können sich jeden Dienstag um 19 Uhr im Pfarrzentrum mit ebenfalls Betroffenen austauschen und Hilfe erfahren. Es werden Gesprächsangebote unterbreitet und Wege aus der Sucht, beispielsweise mit Hilfe von Therapien, aufgezeigt. Im Zwei-Wochen-Rhythmus lädt Michael Bathe am Samstag von 11 bis 12 Uhr zu einem Treffen ein, um Hemmungen und Scham abzubauen. Anonymität ist im Kreuzbund dabei natürlich oberstes Gebot. Hilfesuchende können sich außerdem beim Gruppenleiter Franz Brinkmann (Tel. 0 52 46/37 38) oder aber auch bei Michael Bathe (Tel. 0 52 46/8 09 90 50) melden.

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