Polizeidirektor Karsten Fehring äußert sich zur Sicherheitslage in Verl Zahl der Einbrüche steigt kräftig

Verl (WB). Es gibt zahlreiche Statistiken, die bei der Kreispolizei geführt werden. Eine davon drückt die »Kriminalitätsbelastung« der Bürger in den 13 Städten und Gemeinden des Kreises Gütersloh aus. In Verl ist dieser Wert niedrig im Vergleich zu den anderen Kommunen.

Von Stefan Lind
Einbrecher gehen oft rücksichtslos vor, so wie auf diesem gestellten Foto. In Verl ist die Zahl der Einbrüche 2015 deutlich gestiegen. Die Kriminalitätsbelastung sei aber niedrig, so die Polizei.
Einbrecher gehen oft rücksichtslos vor, so wie auf diesem gestellten Foto. In Verl ist die Zahl der Einbrüche 2015 deutlich gestiegen. Die Kriminalitätsbelastung sei aber niedrig, so die Polizei.

Kein besonderer Grund zur Sorge also – so ließe sich der Vortrag des Leitenden Polizeidirektors Karsten Fehring unlängst in der Sitzung des Rates stark gekürzt zusammenfassen, »auch wenn das subjektive Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung oft anders ist«, wie er unumwunden einräumte. Fehring war eingeladen worden, um sich »zur aktuellen Sicherheitslage in der Stadt Verl« zu äußern, wie es offiziell in der Tagesordnung hieß.

In der Tat beschleicht die Bürger ein mulmiges Gefühl, wenn sie regelmäßig von Einbrüchen in der Zeitung lesen, vor wenigen Wochen erst waren Schwerpunktstreifen in Verl unterwegs, um die Anlieger besonders betroffener Wohngebiete in Sachen Einbruchschutz zu beraten (diese Zeitung berichtete am 2. März). Und es ist tatsächlich so, wie Fehring einräumte, dass die Zahl der Einbrüche 2015 kreisweit so hoch wie seit vielen Jahren nicht mehr gewesen sei. Konkret waren es 759 (Vorjahr 549), davon entfielen 52 auf Verl (Vorjahr 30). Früher seien die Täter aus der näheren Umgebung gekommen, »heute reisen sie an, bevorzugt über die A2.« Serben und Rumänen seien am häufigsten vertreten, »das macht die Aufklärung auch so schwer.« Erstaunlich sei aber, dass die Fallzahlen im den ersten Monaten des Jahres 2016 wieder deutlich zurückgegangen seien.

Flüchtlinge fallen nicht durch schwere Straftaten auf

Fehring stellte noch einmal heraus: »Verl ist kein Hotspot, was Kriminalität angeht.« 1073 Vergehen registrierte die Polizei insgesamt im abgelaufenen Jahr, allein 283 Fälle gehen auf Fahrraddiebstahl zurück, bevorzugt am Freibad. In diesem Bereich sei es besonders schwierig, die Täter zu finden, deshalb liege die Aufklärungsquote in Verl (33 Prozent) auch deutlich unter dem Kreisschnitt (rund 50 Prozent). Es gebe mittlerweile 480 Flüchtlinge in Verl, »aber diese Gruppe fällt nicht durch schwere Straftaten auf.«

Ordnungsamt auf Streife

Skeptisch äußerte sich Karsten Fehring zu dem Projekt, Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf Streife zu schicken: »Das bringt nicht viel«, da die Leute der Stadt kaum Befugnisse hätten. Das sah Werner Landwehr, Leiter des Fachbereichs Sicherheit/Ordnung im Rathaus, ganz anders. Es gebe weniger Vandalismus, Müll und Lärm, der Jugendschutz werde besser eingehalten: »Das hat sich alles sehr gut bewährt.«

42 500 Einsätze gab es kreisweit für die Polizei im Jahr 2015, 5 Prozent davon, also 1965, entfielen auf das Verler Stadtgebiet. Fehring: »Viele Schwerpunkteinsätze konzentrierten sich auf die Themen Verkehr und Kriminalität.« Und noch mehr Statistik: Ausrechnen lässt sich auch die Einsatzreaktionszeit. Sie beträgt kreisweit im Durchschnitt 13 Minuten und 19 Sekunden, bei Verkehrsunfällen sogar nur 9:19. Damit liegt die Polizei im Kreis Gütersloh klar unter den Zahlen vergleichbarer Behörden in Nordrhein-Westfalen.

Was Fehring besonders ärgert: »Die Zahl der Unfallfluchten steigt immer weiter an. Das scheint ein Volkssport geworden zu sein.« Auffällig sei auch die Zahl der verunglückten Senioren, die immer weiter nach oben gehe: »Da stoßen wir mit unseren Informationskampagnen an die Grenzen. Die älteren Leute hören uns zu, verändern aber nicht ihr Verhalten.« Deshalb kümmere man sich lieber verstärkt um Kinder und Jugendliche.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.