Stadt hält dezentrale Unterbringung nicht durch Alle Betten sind belegt

Verl (WB). Eine dezentrale Unterbringung der Asylbewerber hat sich bisher für die Stadt Verl als Erfolgsrezept erwiesen. Inzwischen ist aber klar: Dieses Verfahren wird die Verwaltung nicht durchhalten. Zusätzlicher Wohnraum soll zwar weiterhin gekauft oder gemietet werden, aber der Bau von Häusern und das Aufstellen von Containern ist jetzt nötig. Notfalls soll auch die Sporthalle Bornholte hergerichtet werden. Die Unterbringung ist aber nicht die einzige Herausforderung für die Stadt.

Von Julian Stolte
Laufend kommen neue Flüchtlinge im Verler Rathaus an. Teilweise steht fast der gesamte Eingangsbereich voll mit Koffern.
Laufend kommen neue Flüchtlinge im Verler Rathaus an. Teilweise steht fast der gesamte Eingangsbereich voll mit Koffern. Foto: Stadt Verl

Informationsabend

Um alle Bürger über die Situation zu informieren, Fragen zu klären und miteinander ins Gespräch zu kommen, lädt die Stadt für heute, Mittwoch, 11. November, 19.30 Uhr, zu einem Informationsabend in das Pädagogische Zentrum der Verler Hauptschule ein.
Neben Bürgermeister Michael Esken stehen auch Heribert Schönauer und Barbara Menne von der Stadt Verl zur Verfügung.

Laufend kommen Flüchtlinge im Rathaus an. Deren 40 sind es allein in dieser Woche. Sie stehen im Foyer und warten auf ihre Unterbringung. »Man hat bei so vielen Menschen und Koffern teils das Gefühl, in einer Bahnhofshalle zu stehen«, beschreibt Bürgermeister Michael Esken die Situation im Rathaus. Es wird sich daran jedoch in nächster Zeit wenig verändern. Die Prognose der Stadt: Ende Dezember werden 500 Asylbewerber in der Stadt untergebracht sein. Es gibt also in den letzten Wochen des Jahres 100 weitere Zuweisungen.

Die Verwaltung will auch weiterhin Wohnraum kaufen und mieten. An einigen Standorten werden aktuell Wohnungen hergerichtet. »Es hilft uns aber nur kurzfristig«, sagt Heribert Schönauer in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Montag. Die Stadt müsse jetzt umdenken. »Langfristig geht es so nicht«, erklärt der Erste Beigeordnete. Es kommen bis zum Wochenende noch weitere Flüchtlinge. Danach ist kein Bett mehr frei. Konsequenz: Es sollen Unterkünfte für jeweils 40 bis 60 Personen in Mobil- oder Massivbauweise entstehen.

Als eine der ersten Flächen sieht die Stadt eine Wiese an der Bielefelder Straße dafür vor. Die Grünfläche ist direkt an der ehemaligen Gaststätte Bökamp, in der seit einiger Zeit 45 Flüchtlinge leben. Weitere Standorte sind laut Stadt der Bolzplatz am Ende der Kleiststraße (Nähe des Kreisverkehrs Westring/Österwieher Straße), eine Grünfläche neben dem kleinen Rasenplatz am Sportplatz Sürenheide und ein Grundstück in dem Industriegebiet Stahlstraße. Dort sind Flüchtlinge in einem früheren Bordell untergebracht. Auf einem Areal neben diesem Haus könnten bald sechs oder sieben Container aufgebaut werden, die beim Gymnasium-Umbau zum Einsatz gekommen sind. An den anderen Stellen sollen Häuser entstehen – teils in Holzbauweise.

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Bei der Unterbringung steht uns das Wasser momentan sehr nahe.

Heribert Schönauer (Stadt Verl)

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Weitere Optionen sind nach Auskunft der Stadt eine Fläche neben dem Basketballfeld am Sportzentrum Verl, das Gebäude des Vereins »Tiere in Not« am »Hühnerstall« in Bornholte, der Bolzplatz am Freibad, ein Teil im rückwärtigen Bereich des Parkplatzes an der Ostwestfalenhalle sowie Grünflächen am Sportplatz in Kaunitz und an der Grundschule in Bornholte. Die Flächen sind allerdings nicht sofort dran. »Uns steht das Wasser aber nah«, bewertet Schönauer.

Letztlich ist es so, dass Container – außer die Einheiten des Gymnasium-Umbaus – mehr als ein halbes Jahr Lieferzeit haben und Häuser ein Vierteljahr Bauzeit benötigen. Daher hat die Stadt eine Notfallunterkunft parat: die Sporthalle der Grundschule Bornholte. »Nur wenn alle Stricke reißen«, so Schönauer. Dies soll jedoch so lange es geht, bestenfalls komplett vermieden werden.

Den ausführlichen Bericht und eine Übersicht mit den wichtigsten Zahlen und Fakten lesen Sie am Mittwoch im WESTFALEN-BLATT, Lokalteil Verl.

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