Hochverschuldeter Mann stiehlt seiner Verler Ex-Firma 350 Reifen Vertrauen des Chefs schamlos ausgenutzt

Verl (WB). Finanziell war ihm die Luft ausgegangen: Mit etwa 30 000 Euro stand der junge Reifenmonteur in der Kreide – vor allem wegen seiner Spielsucht. Da sah er nur noch eine Möglichkeit, um die finanziellen Löcher zu stopfen: nämlich mit Diebstahl!

So ließ er zwischen Januar 2010 und Mai 2013 bei seinem damaligen Arbeitgeber, ein mittelständisches Verler Unternehmen, rund 350 hochwertige Autoreifen mitgehen, die der Angeklagte dann im Internet zu einem Drittel des Neupreises verhökerte. Es gab nur zwei, bis heute unbekannte Abnehmer, die trotz des Schnäppchenpreises keine kritischen Fragen nach der Herkunft der Ware stellten. Der nicht vorbestrafte und voll geständige 30-Jährige ist vom Gütersloher Schöffengericht jetzt wegen schweren Diebstahls in 43 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten mit dreijähriger Bewährungszeit verurteilt worden.

»Wir hatten großes Vertrauen zu ihm«, erklärte sein als Zeuge aussagender Ex-Chef, warum er seinem ehemaligen Angestellten die Bestandskartei überlassen hatte, die er für seine Klauaktion manipulieren konnte. Zudem kam ihm entgegen, dass sich aufgrund des großen Lagerbestandes (rund 6000 Reifen) Abweichungen bei der Inventur kaum vermeiden lassen. Die gemopsten Reifen (»Ich habe nur Markenprodukte genommen, weil man die gut verkaufen kann.«) versteckte der gelernte Kfz-Mechaniker tagsüber hinter dem Firmengebäude, um sie in der Nacht mit seinem Auto nach Hause zu transportieren.

Erst als der Fehlbestand in der Liste immer größer wurde, schöpfte der Chef langsam Verdacht. »Wir haben ihn zuerst beobachtet und ihm später eine Falle gestellt«, berichtete der 73-Jährige. Der ihm entstandene Schaden, der mindestens 40 000 Euro beträgt, hätte sein Unternehmen beinahe ruiniert: Zwei Angestellte mussten entlassen werden. Besonders dreist, dass der Angeklagte nach seiner fristlosen Kündigung durch die Dachluke in die Firma einbrach und noch einmal einen Satz Reifen stahl. Außerdem plünderte er bei dieser Gelegenheit die Trinkgeldkasse mit 180 Euro.

»Sie haben das Vertrauen ihres Arbeitgebers schändlich missbraucht«, übte die Staatsanwältin harte Kritik. Sie ließ aber auch nicht unerwähnt, dass der Gütersloher »glaubhafte Reue dokumentiert hat«. Der inzwischen von einem Schuldenberater betreute Täter zeigt sich willens, zumindest einen Teil des von ihm angerichteten Schadens zu begleichen – sofern das seine finanziellen Verhältnisse zulassen. »Eine Firma ist kein Selbstbedienungsladen. Es darf nicht noch einmal vorkommen, dass sie ihren Arbeitgeber so hinterhältig hintergehen«, entließ Richterin Monika Wittkamp den Monteur mit mahnenden Worten in die Freiheit.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.