Anlieger an der Queller Straße berichten von Einschränkungen Die Last mit den Straßenbauern

Steinhagen  (WB). Klirrende Gläser und wankende Schränke durch das Rammen beim Brückenbau, Überflutung, zu geringe Entschädigungen für abgeholzte Bäume und eine neue Zufahrt mit Tücken – die Anlieger an der A 33 bekommen seit Jahren die negativen Auswirkungen der Autobahn zu spüren. Zwei Familien berichten von ihren Erlebnissen.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Die Verrohrung eines Baches zu klein und fehlerhaft: Am 15. November und am 5. Dezember 2015 stand das Wasser nicht nur als großer Teich vor Kampmanns Haus an der Queller Straße, sondern überflutete auch den Keller. Die Baustellenumfahrung (links), die über Monate direkt vor der Haustür verlief, wurde dadurch unterspült – akute Gefahr auch für die Autofahrer.
Die Verrohrung eines Baches zu klein und fehlerhaft: Am 15. November und am 5. Dezember 2015 stand das Wasser nicht nur als großer Teich vor Kampmanns Haus an der Queller Straße, sondern überflutete auch den Keller. Die Baustellenumfahrung (links), die über Monate direkt vor der Haustür verlief, wurde dadurch unterspült – akute Gefahr auch für die Autofahrer. Foto: Dobberkau

Zweimal stand das Wasser meterhoch bei Renate und Wilfried Kampmann im Keller. Auf dem Grundstück an der Queller Straße bildete sich ein riesiger See, als am 15. November 2015 durch Regengüsse der Bach unweit des Hauses über die Ufer trat. Verursacht hatten das die Straßenbauer: »Die Entwässerung war falsch angeschlossen worden«, sagt Wilfried Kampmann: Immer wieder habe man darauf hingewiesen, dass aus dem Rinnsal ein reißender Fluss bei Regen werde.

Bei Straßen NRW war niemand erreichbar sonntags. »Wir haben die Feuerwehr gerufen. Aber die durfte nicht eingreifen«, sagt Renate Kampmann. Mit Unterwasserpumpen und einem Wasserstaubsauger versuchte die Familie, der Fluten Herr zu werden: »Wir waren völlig überfordert«, sagt Daniela Dobberkau. Die Tochter wohnt mit ihrer Familie mit im Haus.

Erst eine Beschwerde bei Landesbetriebschef Andreas Meyer persönlich half. Doch ein paar Tage später stand das Wasser erneut im Keller.

Baustellenumfahrung direkt vor der Tür

Die Familien haben während der Bauzeit der Brücke und der Anrampungen viele Einschränkungen hinnehmen müssen. So verlief die Baustellenumfahrung direkt vor der Haustür. Weder seien Entschädigungen angeboten noch sei man ernst genommen worden: »Für jeden Vogel werden Ausgleichflächen gemacht, aber eine Familie mit drei Kindern findet keine Beachtung«, sagt Dirk Dobberkau. Renate Kampmann betont: »Wir sind keine Autobahngegner.« Aber als es um die Höhe des Lärmschutzes ging, fühlte sich die Familie erneut wie »Menschen zweiter Klasse«.

Hartmut und seine Mutter Marianne Düfelsiek wohnen direkt gegenüber – und sind durch Brücke und Rampe nun doch weit entfernt. »Ich bin völlig isoliert. Früher ging man einfach mal über die Straße zu den Nachbarn«, sagt Marianne Düfelsiek. »Wir haben nur Nachteile«, sagt sie.

Zähe Verhandlungen um Entschädigungen

Immer wieder hat Hartmut Düfelsiek mit den Straßenbauern zähe Verhandlungen führen müssen: um eine angemessene Entschädigung für abgeholzte Erlen und Apfelbäume, ohne Absprache gefällte Pappeln... »Man ist quasi rechtlos«, so Düfelsiek. So sollte er selbst das Baufeld freiräumen und Flächen zur Verfügung stellen, etwa für ein Bodenlager, die dann in schlechtem Zustand zurückgelassen wurden. Viele Beispiele mehr ließen sich nennen.

Anderthalb Hektar Land hat die Bezirksregierung in Besitz genommen. »Verkaufen für die Autobahn wollten wir nie«, sagt Hartmut Düfelsiek. Er soll Ersatzflächen bekommen – eine bloße Zusage bisher. Ihren Hof betreiben die Düfelsieks nicht mehr selbst, Flächen sind verpachtet.

Aber der Pächter hat Mühe, diese zu erreichen. Denn die neue Zufahrt mündet auf halber Höhe auf die Rampe an der Queller Straße und ist fast zu eng für schweres Gerät – wegen der Leitplanken, die auch den Düfelsieks die Sicht nehmen, wenn sie aus ihrer Zufahrt abbiegen wollen. Außerdem hört man die Brücke: Bei jedem Auto, vor allem bei Lkw mit Mulden klackert es. Und doch: »Das Schlimmste kommt noch: Lärm, Abgase, Feinstaub. Die Wohnqualität lässt drastisch nach«, so Düfelsiek. Von der Wertminderung der Häuser ganz zu schweigen...

Die bisherigen Folgen der Serie

Außerdem sind in der Serie zur Freigabe der A33 sind bisher erschienen: ein Rückblick in Bildern auf die Bauzeit, die Erwartungen der Wirtschaft an die Autobahn , ein Gespräch mit Chefplaner i.R. Ulrich Windhager sowie mit dem A 33-Befürworter Harald Voßhall . Jedermann ist eingeladen zur Eröffnung am 4. April : Parkplätze gibt es auf der Autobahn, einen Shuttleservice vom Gerry-Weber-Outlet.

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