Harald Voßhall hat als B 68-Anlieger für den Bau der A 33 gekämpft »Kleine Nadelstiche gesetzt«

Steinhagen (WB). »Ich bin sehr froh, dass ich bei der Freigabe dabei sein kann«, sagt Harald Voßhall. Der Unternehmer und frühere UWG-Ratsherr hat jahrzehntelang für den Bau der A 33 gekämpft. Am 4. April will er es sich nicht nehmen lassen, die Eröffnung des Steinhagener Abschnitts mit den großen Plakaten seiner Initiative »A 33 jetzt« zu flankieren. Die sollen aus dem Sonnendach seines BMW ragen.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Die Plakate haben Harald Voßhall über Jahre begleitet. Nun gibt er sie weiter an die Initiative, die sich im Norden Osnabrücks für den Weiterbau der A 33 einsetzt.
Die Plakate haben Harald Voßhall über Jahre begleitet. Nun gibt er sie weiter an die Initiative, die sich im Norden Osnabrücks für den Weiterbau der A 33 einsetzt. Foto: Bluhm-Weinhold

Die A 33 ist Thema seines Lebens. Sie begleitet den heute 85-Jährigen seit 51 Jahren – seit er 1967 sein Wohnhaus Am Langenberg gekauft hat. »Das Straßenneubauamt Minden, so hieß die zuständige Behörde damals, hat erklärt, dass die Autobahn 1973 von Paderborn bis Osnabrück durchgängig befahrbar sein sollte. Auf diese Aussage habe ich mich verlassen«, so Voßhall.

Doch statt der Autobahn kam immer mehr Verkehr auf die B 68 – während der politische Wille, die A 33 zu bauen, zusehends abnahm. In den 1980er Jahren erklärte der damalige NRW-Verkehrsminister Christoph Zöpel beim Besuch in Steinhagen, dass es keine Autobahn für Steinhagen, sondern Lärmschutz an der B 68 geben würde. »Das hat die Planungen für zehn Jahre unterbrochen«, so Voßhall.

Lärmschutzwall in Eigeninitiative gebaut

Und auch der Lärmschutz wurde nur auf einer Seite der Bundesstraße auf der Seite der Siedlung an der Voßheide installiert. »Auf der anderen Seite bekamen wir den ganzen Lärm ab«, so Voßhall. In Eigeninitiative und auf eigene Rechnung hat er zusammen mit Nachbarn vor etwa 20 Jahren einen sechs Meter hohen Lärmschutzwall gebaut. Seitdem ist es still in der Siedlung. Der Lärmschutz – ein Nebenschauplatz, nur ein Teilaspekt seiner Bestrebungen, den Menschen an der B 68 Entlastung zu verschaffen.

Der Kampf um die Autobahn hat ihn in die Politik gebracht, zum Beispiel in den Steinhagener Gemeinderat als Ratsherr der von ihm mitgegründeten UWG. Um die Autobahn durchzusetzen, hat er sich zudem mit Mitstreitern aus allen Orten längs der B 68 zwischen Schloß Holte und Dissen zusammengetan in der Initiative »A 33 jetzt«: »Das ist jetzt aktueller denn je«, sagt er. Damals war das Ziel in weiter Ferne. »Aber wir haben immer wieder kleine Nadelstiche gesetzt.«

Initiative startet Zählaktion

Bei Veranstaltungen zum Beispiel oder mit eigenen Aktionen. Häufig ging es damals hoch her in der Auseinandersetzung von Gegnern und Befürwortern. So auch bei einer großangelegten Zählaktion der Initiative »A 33 jetzt«. »Als verbreitet wurde, dass die A33 nur den Lkw-Verkehr zwischen Emden und dem Sauerland aufnehmen würde, haben wir zwölf Stunden lang an verschiedenen Punkten den gesamten Lkw-Verkehr auf der B 68 nach seiner Herkunft erfasst«, so Voßhall. Das hätten die Autobahngegner aber blockieren wollen, die sich vor die Autos der Initiative stellten, um den Mitgliedern die Sicht auf ihr Untersuchungsfeld zu verstellen. »Wir mussten die Polizei rufen«, so Voßhall.

Letztlich hätte die Untersuchung ergeben, dass die Lkw in der Regel überörtlich und überregional waren. »Unsere Statistik haben wir an die Verkehrsministerien von NRW und Niedersachsen und an den Bund geschickt.«

Live dabei im Bundesverwaltungsgericht

Ein entscheidender Meilenstein in der langen A 33-Geschichte ist für Harald Voßhall die Verhandlung der Klagen gegen die Trasse vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im August 2009 – obwohl er nach zwei sehr umweltschutzlastigen Verhandlungstagen schon fast die Hoffnung aufgeben wollte, dass der Lückenschluss noch zustande kommen würde. »Aber dann kam das Urteil: Nicht nur die Fledermäuse wurden als sehr wichtig eingestuft, sondern auch der Mensch«, so Voßhall.

Den symbolischen ersten Spatenstich auf Steinhagener Gebiet hat er begleitet – und seine Plakate dabei gehabt. Diese finden, wenn demnächst auch die Haller Lücke geschlossen ist, eine weitere Verwendung. Die Initiative, die sich nördlich von Osnabrück für den Bau der A 33 bis zur A 1 einsetzt, hat sie schon angefordert.

Serie zur Freigabe der A33

Außerdem sind in der Serie zur Freigabe der A33 sind bisher erschienen: ein Rückblick in Bildern auf die Bauzeit, die Erwartungen der Wirtschaft an die Autobahn , und ein Gespräch mit Chefplaner i.R. Ulrich Windhager .

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