Ulrich Windhager erinnert sich an politische und planerische Kämpfe Ein Berufsleben für die A 33

Steinhagen (WB). Den Bau der A 33 verfolgt Ulrich Windhager auch noch im Ruhestand und ist wie viele Steinhagener gerne auch mal am Wochenende mit dem Fahrrad auf der Trasse unterwegs gewesen. Die A 33 hat sein Berufsleben geprägt. »Man hat uns Planern immer unterstellt, dass wir nicht fertig werden. Aber es war vielmehr ein langer politischer Kampf«, erinnert sich der frühere Leiter des Landesbetriebs Straßen NRW Bielefeld.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Bei der Demo des »Aktionsbündnisses A 33 sofort« im Januar 2012 in Halle war Ulrich Windhager (Mitte) dabei, damals schon als Pensionär. Der Bau der A 33 hat den Chef des Bielefelder Landesbetriebs Straßen NRW sein Berufsleben lang begleitet.  
Bei der Demo des »Aktionsbündnisses A 33 sofort« im Januar 2012 in Halle war Ulrich Windhager (Mitte) dabei, damals schon als Pensionär. Der Bau der A 33 hat den Chef des Bielefelder Landesbetriebs Straßen NRW sein Berufsleben lang begleitet.   Foto: Sören Voss

2008 hat der heute 71-Jährige die Bielefelder Behörde verlassen, deren Chef er im Jahr 2000 geworden war. Aber bereits bei allen beruflichen Stationen vorher, im Umweltbereich der Niederlassung Münster oder als Leiter der Abteilung Betrieb und Straßen, war sie immer da – die A 33. Mal ging es um die Prüfung des Landschaftspflegerischen Begleitplans, mal um die Angleichung der geplanten Rampen an der Bielefelder Straße, damit die Gemeinde ihre Gewerbegebiete anbinden konnte.

1997 wurde die Niederlassung Detmold als planende Einheit aufgelöst, die A 33 fiel Bielefeld zu. »Und gleichzeitig drehte sich der politische Wind. Lange gab es nirgends den Willen, die A 33 weiterzubauen. Doch dann erachtete man sie für wichtig.« Also hurtig weiterbauen? Nicht so einfach: Zum einen wuchs auch der politische Gegenwind, zum anderen war zu klären, wo man denn überhaupt weiterbauen konnte.

»Am weitesten vorbereitet war der Abschnitt Halle-Borgholzhausen«, so Windhager. Eigentlich wollte man dort starten. Doch den jahrzehntealten Landesbetriebsplänen machten die Naturschutzverbände einen Strich durch die Rechnung. »Ehrlicherweise muss man sagen, dass es einem ganz anders wurde, wenn man im Wald die markierten Bäume sah.«

Von der Bechsteinfledermaus bis zu den Rieselfeldern

Bis zum Steinhagener Abschnitt war es ein weiter Weg – gespickt mit Hindernissen wie Bechsteinfledermaus und FFH-Gebiet im Tatenhausener Forst auf der einen und Windelschen Rieselfeldern und Biotopen sowie dem Wohngebiet Bielefeld-Windflöte auf der anderen Seite. Die Planer zäumten also das Pferd von hinten auf und begannen in der Senne. Doch auch das hieß: Umweltverträglichkeitsprüfungen, Umplanungen, am Ende ein erstes Urteil zur A 33 vom Oberverwaltungsgericht Münster.

Und auch der Planfeststellungsbeschluss für den Steinhagener Abschnitt musste vor Gericht bestehen: Er war der erste, der 2009 vor dem Bundesverwaltungsgericht landete. Ulrich Windhager erinnert sich an die vielen Änderungen an den Plänen, um überhaupt einen verkehrsreifen Abschnitt hinzubekommen.

Viele Änderungen an den Plänen

Ursprünglich endete der Abschnitt mitten im Wald – die Anschlussstelle Schnatweg gehörte zum Haller Abschnitt, der aber nicht in die Gänge kam. Die Planer strengten ein Änderungsverfahren an, verlängerten den Abschnitt 6 bis nach Künsebeck hinein und verkleinerten mittels zweier Kreisel die Anschlussstelle, die viel Waldgebiet gekostet hätte.

Weitere Änderungen: Die Gemeinde wollte die Trasse zwischen Bahnhofstraße und Bielefelder Straße um einen Meter abgesenkt wissen, damit die Brücken nicht noch höher wurden. »Das musste fein austariert werden mit dem Grundwasser«, so Windhager. Und dann der Lärmschutz: Ganze Siedlungsbereiche lagen so dicht an der Trasse, dass die Lärmwerte nachts nicht eingehalten wurden. Straßen NRW musste erheblich aufrüsten im aktiven Lärmschutz – auch das ein wichtiger Punkt vor dem Bundesverwaltungsgericht. »Es war ärgerlich, dass die Gemeinde den Siedlungsbau immer weiter auf die Trasse zugetrieben hat.«

Verhandlung vor dem Bundesverwaltunsggericht

Die Linie lag fest seit den 1960er Jahren. Die Kommune hatte die Aufgabe, die freizuhalten. Abgesichert war sie lange nicht. Der Planfeststellungsbeschluss kam erst 2007. Dennoch hatten die Befürworter einer Südtrasse letztlich keine Chance. »Die Argumente für die geplante Trassenführung waren so stark. Die Südtrasse hätte der B 68 nicht die nötige Entlastung gebracht«, verweist Windhager auf Studien.

Bei der Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht, das nach aktueller Gesetzeslage alle Straßenbauprojekte erst- und letztinstanzlich entscheidet, war Ulrich Windhager privat. Im August 2009 war schon Nachfolger Andreas Meyer im Amt. Die Klage von neun Anwohnern gegen die Trasse wies das Gericht als unbegründet ab. »Natürlich habe auch ich mich bestätigt gefühlt.«

Die Eröffnung des Abschnitts will sich der Pensionär nicht entgehen lassen: »Ich bin am 4. April dabei.«

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