Nach groß angelegtem Einsatz: Vermisste 87-jährige Frau ist nach Amshausen zurückgekehrt Dramatische Suche mit gutem Ende

Steinhagen (WB). Glückliches Ende einer dramatischen Suchaktion: Die am Mittwochabend als vermisst gemeldete Seniorin aus Amshausen ist wieder zu Hause. In der Nacht zu Donnerstag suchte ein Großaufgebot der Polizei samt Hunden und Hubschrauber bei Minusgraden nach der Frau. Donnerstagmorgen meldeten sich Angehörige, die 87-Jährige sei selbst nach Hause zurückgekehrt.

Von Volker Hagemann und Guido Vogels
Die ganze Nacht hindurch haben Polizei und Rettungsdienste in Steinhagen und Umgebung nach der vermissten 87-jährigen Seniorin gesucht. Auch Rettungshunde und ein Hubschrauber waren an der groß angelegten Suchaktion beteiligt.
Die ganze Nacht hindurch haben Polizei und Rettungsdienste in Steinhagen und Umgebung nach der vermissten 87-jährigen Seniorin gesucht. Auch Rettungshunde und ein Hubschrauber waren an der groß angelegten Suchaktion beteiligt. Foto: Guido Vogels

Laut Polizeisprecherin Katharina Felsch geht es der Frau trotz nächtlicher Temperaturen weit unter null Grad den Umständen entsprechend gut. Erst am Dienstagmorgen wurde ein seit Montagabend vermisster 82-jähriger Mann aus Harsewinkel tot in seiner Heimatstadt aufgefunden. Er litt an Altersdemenz und hatte das St.-Lucia-Hospital zu Fuß verlassen. Auch hier hatte die Polizei die ganze Nacht samt Hubschrauber nach dem Mann gesucht.

Die Steinhagener Suchaktion lief ab Mittwochnachmittag an: »Die Seniorin lebt allein zu Hause am Upheider Weg. Ihr nahestehende Personen, die sie betreuen, meldeten sie bei der Polizei als vermisst. Zuletzt war die Frau am Montag gesehen worden. Die alte Dame gilt als orientierungslos mit beginnender Demenz«, erklärt Katharina Felsch. »Die Polizei hat daraufhin das gesamte persönliche Umfeld der Frau abgeklopft. Wir überprüfen in solch einem Fall so schnell wie möglich alle erdenklichen Kontakte.« Über die Medien wurde auch die Öffentlichkeit um Mithilfe gebeten.

Wärmebildkamera angefordert

Als das keinerlei Anhaltspunkte für einen möglichen Aufenthaltsort brachte, wurde noch am Nachmittag eine groß angelegte Suchaktion in Gang gesetzt. »Besondere Eile war darüber hinaus wegen des starken Frosts geboten. Es bestand akute Lebensgefahr«, betont Felsch Schließlich war unklar, seit wann die Vermisste unterwegs, welche Kleidung sie trug und wie weit sie gekommen war.

Acht Streifenwagenbesatzungen suchten nach der Frau. »Dazu haben wir einen Hubschrauber aus Dortmund angefordert, der sich mittels einer Wärmebildkamera an der Suche beteiligte«, berichtet die Polizeisprecherin. Um 21.30 Uhr alarmierte die Kreisleitstelle der Feuerwehr auch die Rettungshundestaffel. Deren erste Teams begannen gegen 23 Uhr mit der Suche in der Umgebung des Wohnhauses der Frau. Zunächst waren elf Einsatzkräfte aus den Kreisen Gütersloh und Paderborn mit vier Hunden gekommen.

Minus 8,5 Grad

Weitere folgten, denn die Zeit eilte: Es war in der Nacht mit minus 8,5 Grad bitterkalt. »Von der Polizei aus Schloß Holte-Stukenbrock wurden weitere Diensthundeführer hinzugezogen. Die Hunde – so genannte Mantrailer – besitzen einen besonders geschulten Geruchssinn. Kripo und Malteser beteiligten sich ebenfalls an der Suche«, berichtet Katharina Felsch. Mit einem geländegängigen Quad wurde auch der Bereich der abgesperrten Autobahn 33 abgesucht. »Bei der Kälte ist es immer wichtig, dass wir schnell agieren«, betonte Einsatzleiter Volker Horenkamp von der Rettungshundestaffel Gütersloh-Verl.

»Es wurde die ganze Nacht lang in Steinhagen und über die Ortsgrenzen hinaus gesucht – die alte Dame ist schließlich gut zu Fuß«, erklärt Polizeisprecherin Felsch. Kurz vor sieben Uhr am Donnerstagmorgen dann die erlösende Nachricht: Die 87-Jährige ist wieder zu Hause angekommen, sie sei selbst zurückgelaufen. Wie weit sie in der Nacht gekommen war, wo sie sich aufgehalten hat, konnte Katharina Felsch nicht sagen. Keine Angaben wollte sie über die Kosten des Einsatzes machen.

Umfeld sollte wachsam sein

Ein orientierungsloser Mensch irrt stundenlang umher, schlimmstenfalls schwebt er in Lebensgefahr. Wie lässt sich das Risiko mindern, dass es dazu kommt? »Lebt jemand in häuslicher Gemeinschaft mit betreuenden Familienangehörigen oder Freunden, ist es wichtig, dass die Pflegenden auch ihre eigenen Grenzen akzeptieren«, sagt Stefan Hellweg, Pflegeberater bei der Gemeinde. »Man kann jemanden nicht 24 Stunden ›überwachen‹. Wenn man mit seiner Zeit oder Kraft an seine Grenze stößt, sollte man Hilfe in Anspruch nehmen, etwa Pflegedienst oder Tagespflege.«

Lebt jemand allein, appelliert Stefan Hellweg an Angehörige, Freunde und Nachbarn, wachsam zu sein. »Läuft jemand scheinbar ziellos umher, vernachlässigt womöglich seine Pflege oder wurde lange nicht gesehen, sollte man lieber zu viel als zu wenig Angehörige, die Betreuungsstelle des Kreises oder die Polizei unter 110 informieren. Das ist kein Anschwärzen, sondern ein Stück Sicherheit«, betont Hellweg, der unter 0 52 04/99 71 08 erreichbar ist.

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