Wie kommt der Zulauf zu Realschule und Gymnasium zustande? Guter Ruf – selbst in Halle

Steinhagen (WB). 112 neue Fünftklässler für das Gymnasium, 100 für die Realschule – und damit jeweils mindestens 20 mehr als in den Vorjahren bei einem in etwa gleichen Potenzial an Viertklässlern. Denkwürdig nennt Stefan Binder, Gymnasiumsleiter, die Zahlen. Wie kommen sie zustande? Der Versuch einer Analyse.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Blühende Steinhagener Schullandschaft dank guter Anmeldezahlen für die fünften Klassen von Gymnasium und Realschule im Schulzentrum Laukshof. Die räumliche Nähe stimmt mit einer engen Kooperation der Schulen überein.
Blühende Steinhagener Schullandschaft dank guter Anmeldezahlen für die fünften Klassen von Gymnasium und Realschule im Schulzentrum Laukshof. Die räumliche Nähe stimmt mit einer engen Kooperation der Schulen überein. Foto: Ulrich Fälker

Beide Schulen schreiben damit Rekorde. »Wir freuen uns auch als Schulträger über diese Zahlen und fühlen uns bestätigt, dass wir auch mit der Ausstattung der Schulen, etwa der Mensa als Alleinstellungsmerkmal in Steinhagen, richtig liegen«, sagt Schulamtsleiterin Gabi Schneegaß. Ihrer Meinung nach hängt der große Zulauf mit der positiven Darstellung der Schulen zusammen. So seien die Infoabende hervorragend gelaufen.

Guter Ruf und viele Förderprogramme

»Beide Schulen haben einen guten Ruf und bieten zahlreiche Förderprogramme an für begabte Schüler ebenso wie für Kinder mit Förderbedarf«, so Gabi Schneegaß. Weiterer Pluspunkt: der Hauptschul-Bildungsgang der Realschule. Erfreut ist sie auch über den guten Zulauf von außerhalb und findet vor allem eine Zahl bemerkenswert: »28 Kinder aus Halle für die Realschule. Das ist umgerechnet eine Klasse.«

177 Viertklässler verlassen im Sommer die vier gemeindlichen Grundschulen. Keineswegs ein besonders starker Jahrgang: »Das sind in etwa so viele wie in den Vorjahren«, so Gabi Schneegaß. Zusätzlich besuchen 49 Kinder die vierten Klassen der Georg-Müller-Schule – für die Statistik von Realschule und Gymnasium sind sie zu vernachlässigen, da die meisten nach Schneegaß’ Erfahrung nicht weiter in Steinhagen zur Schule gehen.

147 von 177 Kindern bleiben am Ort

Das Hauptaugenmerk liegt also auf den 177 Kindern aus den Gemeinde-Grundschulen. 86 von den 112 Anmeldungen am Gymnasium sind Steinhagener Kinder – nach Angaben von Stefan Binder ein deutliches Plus, 70 waren es im Vorjahr. Auch an der Realschule ist der Anteil Schüler aus der Gemeinde gestiegen: 61 sind es insgesamt, 13 mehr als 2017.

147 von 177 Kinder bleiben also im Ort. Nur 30 Steinhagener Kinder besuchen Schulen auswärts: die Gesamtschulen etwa und das KGH, das elf Anmeldungen aus Steinhagen zu verzeichnen hatte – vor allem Kinder der Georg-Müller-Schule, die in Halle wohnen (WB von Freitag). Mehr als das Doppelte pendelt dagegen ein: 65 Kinder kommen von auswärts an Steinhagener Schulen. Auch das findet Gabi Schneegaß ein gutes Signal. 39 externe Kinder werden zur Realschule gehen, davon die meisten (28) aus Halle, neun aus Bielefeld, zwei aus Werther. 26 sind es am Gymnasium, die meisten (18) aus Quelle, der Rest unter anderem aus Halle und Ummeln.

Warten auf die Gesamtschul-Analyse

»Aussagen darüber zu tätigen, wie und warum die Anmeldezahlen sich verschieben, bleibt in meinen Augen noch spekulativ, da keine differenzierteren Zahlen der Gesamtschulen zugängig sind«, sagt Stefan Binder, Schulleiter des Gymnasiums. Ebenso wie sein Realschul-Kollege Frank Kahrau führt er die deutlichen Zugewinne auf die eigene gute Arbeit und das Vertrauen der Eltern in die Konzepte insbesondere im Ganztag zurück.

Spielt auch die Richtungsentscheidung des Steinhagener Gymnasiums, zu G9 zurückzukehren, eine Rolle? »Schwer zu sagen«, so Stefan Binder. »Auch dazu müsste man sich genauer die Zahlen der Gesamtschulen anschauen, die in den vergangenen Jahren bei den Anmeldezahlen von G8 stark profitiert haben.« In den Aufnahmegesprächen habe die Rückkehr zu G9, so Binder, jedenfalls keine Rolle gespielt. Am Evangelischen Gymnasium Werther hingegen führt die Schulleitung den vermehrten Zulauf explizit auf die verlängerte Schulzeit durch G9 zurück.

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