Immer mehr Autos in Wohngebieten – auch Bauherren sind gefragt Parkhaus gegen Stellplatznot?

Steinhagen (WB). Allzu oft ist die Straße Alte Brennerei komplett vollgeparkt – mitunter bis in den Aufmündungsbereich der Brockhagener Straße. »Die wenigsten sind Anwohner. Die meisten, die hier stehen, arbeiten im Umkreis oder gehen in die benachbarte Physiopraxis«, sagt Anwohnerin Renate Naundorf. Das Problem: Nicht nur Besucher finden keine Parklücke, auch der Pflegedienst hat schlechte Karten.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Auto reiht sich an Auto in den Anwohnerstraßen auch älterer Siedlungen wie hier in der Tilsiter Straße.
Auto reiht sich an Auto in den Anwohnerstraßen auch älterer Siedlungen wie hier in der Tilsiter Straße. Foto: Bluhm-Weinhold

Wie berichtet, spitzt sich das Parkproblem in Wohngebieten in Steinhagen zu (WB vom 5. und 6. Februar). Denn: »Generell nimmt die Zahl der Pkw zu. Das ist ein OWL-weites Problem«, sagt Stadtplaner Dirk Tischmann, Büro Tischmann Schrooten in Rheda-Wiedenbrück. Und er weiß, dass die Problematik zwar durchaus unterschiedlich groß in den Kommunen ist. Dennoch: Das gängige Prinzip des Parkraummanagements, je weniger Stellplätze vorhanden sind, umso eher werde der ÖPNV genutzt, funktioniert im ländlichen Raum nicht. »Und auch in der Stadt müssen die Pkw von Anwohnern irgendwo untergebracht werden«, so Tischmann.

Kommune kann nicht für den maximalen Bedarf planen

Der Stellplatzbedarf sei objektiv da: »Aber wer verursacht ihn denn? Das sind Privatleute«, so Tischmann. »Die Kommune kann nicht für den maximalen Bedarf planen«, sagt er weiter. Zumal sich dieser Bedarf auch ändert. »Wohngebiete haben häufig eine sehr homogene Bevölkerung und so besteht ein Stellplatzproblem mitunter nur ein paar Jahre, wenn etwa überall mehr oder weniger gleichzeitig die Kinder groß geworden sind und ein Auto haben. Aber irgendwann ziehen sie aus, und die Lage normalisiert sich.«

Wie kann eine Lösung aussehen? Müssen mehr Tiefgaragen gebaut werden? Ist vielleicht die Idee eines zentralen Parkhauses, unlängst im Bürger-Workshop zur Entwicklung des Gewerbegebiets Detert geäußert, auch auf Wohngebiete, etwa auf das zukünftige nördlich der Amshausener Straße, übertragbar? Versuche, Autos von den Häusern entfernt unterzubringen, hat es in Steinhagen immer schon gegeben, wie Bürgermeister Klaus Besser sagt.

Er verweist etwa auf den Bereich an der Anemonenstraße, wo die Straßen bewusst schmal gehalten worden sind und die Autos in Parkpaletten oder Garagenhöfen abgestellt werden. Eine Lösung der 60er und 70er Jahre. Etwas später entstand das Parkdeck im Zentrum – eine Anleihe nicht nur an das Geschäftsleben im sich ausdehnenden Ortskern, sondern auch an die verdichtete Wohnbebauung.

Bau von Parkhäusern und Tiefgaragen teuer

Dirk Tischmann gibt zu bedenken, dass der Bau von Parkhäusern und Tiefgaragen hohe Kosten verursacht. 10.000 bis 13.000 Euro werden für einen Stellplatz im Parkhaus, 15.000 bis 20.000 Euro in einer Tiefgarage veranschlagt. »Wenn man angebotsorientiert ein Baugebiet plant, kann man nicht noch eine Million Euro für ein Parkhaus ausgeben«, so Tischmann. Und: Gefragt ist vor allem günstiger Wohnraum für Familien oder Alleinstehende. Auch insofern verbieten sich zusätzliche Kosten für ein Parkhaus.

Seiner Meinung nach kann die Lösung auch nicht in breiteren Straßen bestehen, denn mehr ausgebaute Fläche verursacht auch höhere Erschließungsbeiträge – und das will kein Anwohner.

Vielmehr erhofft sich Dirk Tischmann, dass Bauherren selbst auf ihren Grundstücken Vorsorge treffen und auch Investoren umdenken: »Kritisch ist, dass alle auf die Zahl der Wohneinheiten schauen, aber Folgeprobleme vernachlässigen«, so Tischmann.

Die Kommunen haben kaum eine direkte Handhabe. »Wir fordern zwar von Bauherren, für Carports und Garagen fünf Meter Stauraum von der Straße einzuhalten. So hat man auf jeden Fall einen zweiten Stellplatz vor der Garage. Rechtlich können wir das aber nur aus städtebaulicher Sicht begründen«, so Tischmann, der gerade für Steinhagen das Gebiet in Amshausen plant. Viel verspricht er sich von der neuen Landesbauordnung, deren Inkrafttreten allerdings von der neuen Landesregierung aufgeschoben worden ist. »Danach gibt es die Möglichkeit, dass Kommunen eine Stellplatzordnung erlassen.«

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