500 Besucher erleben »Des Teufels General« beim Steinhagener Kulturwerk Bärbeißig in die Hölle

Steinhagen (WB). »Wer auf Erden des Teufels General wurde und ihm die Bahn gebombt hat – der muss ihm auch Quartier in der Hölle machen.« Fliegergeneral Harras schenkt Hartmann die Uhr seines Vaters, steigt in die Maschine und fliegt in den Tod. Eine eindrucksvolle Aufführung, die jetzt das Kulturwerk zeigte.

Von Nikolas Müller
Tanz auf dem Vulkan: General Harras feiert mit seinen Freunden ausgelassen, als wenn es keinen Krieg geben würde. Und doch wird nach diesem Abend Harras' Freund Ehlers an die Front nach Russland gerufen und der Fliegergeneral verhaftet.
Tanz auf dem Vulkan: General Harras feiert mit seinen Freunden ausgelassen, als wenn es keinen Krieg geben würde. Und doch wird nach diesem Abend Harras' Freund Ehlers an die Front nach Russland gerufen und der Fliegergeneral verhaftet. Foto: Nikolas Müller

Carl Zuckmayers Drama »Des Teufels General«, entstanden 1946, ist hochaktuell und zieht den Zuschauer mit Fragen um politische Ignoranz und moralische Skrupellosigkeit, Schuld und Mitschuld in seinen Bann. 500 Zuschauer verfolgten am Dienstag beim Kulturwerk Gerd Silberbauers faszinierendes Spiel in der Hauptrolle des Fliegergenerals, der sich dem Nazi-Regime und seiner Ideologie entgegenstellt.

Curd Jürgens’ Darstellung des Draufgängers Harras im gleichnamigen Film von 1955 bleibt schier unerreichbar. Und doch nimmt Silberbauer, bekannt aus Film und Fernsehen, die Herausforderung an und verkörpert einen Harras voller Empathie, haucht ihm seine persönliche Note ein: kraftstrotzend und unerschrocken, bärbeißig und betrunken beseelt. Silberbauer spiegelt die Gebrochenheit eines Draufgängers wider, der von sich selbst angewidert als Flieger und Frauenheld Karriere ohne Parteibuch machen konnte.

Von der Gestapo der Sabotage verdächtigt

Berlin 1941. Fliegergeneral Harras wird von der Gestapo verdächtigt, in die Sabotageaffäre um mysteriöse Kampfmaschinenabstürze verwickelt zu sein. Obwohl er in Diensten der Flugwaffe ein hohes Ansehen genießt, kann er sich nicht mit den Idealen des Nazi-Regimes identifizieren und tut dies öffentlich kund. Bei einer Feier wird er abgehört und denunziert. Harras wird verhaftet und verhört. Da stürzt sein Freund Ehlers mit einer sabotierten Maschine ab. Der General wird von der Gestapo unter Druck gesetzt, in einer zehntägigen Frist die Sabotageakte aufzuklären und den Schuldigen zu ausliefern. Erst am Ende erkennt er die Zusammenhänge und opfert sich schließlich für seinen Freund Oderbruch, der zum Widerstand übergelaufen ist und bereit wäre, für seine Ideale in den Tod zu gehen.

Im Alkohol ertrinkt Harras seine Bitterkeit

In einer gelungenen Inszenierung verzichtet Regisseur Klaus Kusenberg auf fast jegliche Form der Aktualisierung. Dass in der Eröffnungsszene ein Steinhäger auf dem Festbankett gereicht wird, mag ihm der Zuschauer als eine Verneigung vor dem ortsansässigen Publikum durchgehen lassen. Ansonsten versetzt Kusenberg das Publikum gekonnt in die Wirren des Zweiten Weltkrieges. Dabei fließt der Alkohol in Strömen, ein Seelentröster, in dem Harras Bitterkeit und Zerrissenheit ertrinkt. Das Fest in der Eröffnungsszene wirkt wie ein Tanz auf dem Vulkan, in einer morbid-ausgelassenen Atmosphäre aus Bespitzelung und Todesahnung.

Widerstand oder Mitläufertum: nach wie vor aktuelle Fragen

Widerstand, Mitläufertum, moralische Fragen: Zuckmayers Stück bleibt aktuell, auch heute, wo Ideale verkauft und verraten werden und Populismus wieder um sich greift. An diesem großen Theaterabend in der Aula lebt das Drama vor allem von seinem Protagonisten Silberbauer, der die dunkle Seite der Menschen in einem totalitären System auslotet und ihnen einen Spiegel vorhält.

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