Neubau am Kirchplatz macht gute Fortschritte – kommen dann die Schlichte-Höfe dran? Die Stadtplanung geht weiter

Steinhagen  (WB). Der Neubau im Schlichte-Carree geht mit Riesenschritten der Fertigstellung entgegen: »Wir liegen voll im Zeit- und im Finanzplan«, bilanziert Horst Neugebauer, Geschäftsführer der Perus GmbH & Co. KG. Er denkt derweil schon weiter, denn am Kirchplatz und Fivizzanoplatz kündigt sich ein neuer Prozess der Stadtplanung an.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Eine Luftaufnahme vom Kirchplatz von 1970: Oberhalb der Kirche zu sehen ist die Brennerei Schlichte (das heutige Schlichte-Carree). Die Kruke (in der Mitte des Komplexes) mag als Orientierungspunkt dienen. Links von ihr liegt das nächste Sanierungsgebiet. Das Haus Brinkmann am Kirchplatz müsste abgerissen werden. Durchaus erhaltenswert findet Horst Neugebauer hingegen die Fassade des Hauses Vogt daneben. Probleme aller Planungen sind aus seiner Sicht: erstens die in der Mitte der Gebäude aufragende hohe Rückwand des Museumsgebäudes, die in alles Neue integriert werden müsste, und zweitens ein Durchbruch zwischen Innenhof Schlichte-Carree und weiteren Höfen. Dieser könnte nur durchs Museum oder die Künstlergalerie erfolgen.                                                                                                    
Eine Luftaufnahme vom Kirchplatz von 1970: Oberhalb der Kirche zu sehen ist die Brennerei Schlichte (das heutige Schlichte-Carree). Die Kruke (in der Mitte des Komplexes) mag als Orientierungspunkt dienen. Links von ihr liegt das nächste Sanierungsgebiet. Das Haus Brinkmann am Kirchplatz müsste abgerissen werden. Durchaus erhaltenswert findet Horst Neugebauer hingegen die Fassade des Hauses Vogt daneben. Probleme aller Planungen sind aus seiner Sicht: erstens die in der Mitte der Gebäude aufragende hohe Rückwand des Museumsgebäudes, die in alles Neue integriert werden müsste, und zweitens ein Durchbruch zwischen Innenhof Schlichte-Carree und weiteren Höfen. Dieser könnte nur durchs Museum oder die Künstlergalerie erfolgen.                                                                                                     Foto: Heimatverein Steinhagen

Die Gemeindebibliothek wird aus Horst Neugebauers Sicht wie geplant im Frühsommer im Erdgeschoss des Neubaus am Kirchplatz einziehen können: »Unsere Arbeiten sind abgeschlossen. Wir haben die Räume zum 31. Januar an die Gemeinde übergeben. Der Rest ist Sache der Mieterin.« Die Malerarbeiten laufen, die Bodenbeläge folgen, und das Regalsystems wird ab März installiert.

Der erste Mieter zieht zum 31. März ein

Eine Etage höher ziehen zum 31. März schon die ersten Mieter ein: die Firma Gebautec. Das Ingenieurbüro ist bereits im Schlichte-Carree ansässig und erweitert sich im Neubau. Deren alte Räume übernimmt zum Teil Johannes Mohn mit seiner Firma GM Tech. In die zweite Etage des Neubaus zieht auf 250 Quadratmeter eine Arztpraxis. Der Mietvertrag wird demnächst unterschrieben. Ein 80-Quadratmeter-Büro mit Dachterrasse ist indes noch frei.

Weitere Termine rund um den Neubau: Die goldfarbene Metallfassade für den Vorbau am Kirchplatz sowie die endgültige Farbe der Putzfassade kommen, sobald es das Wetter zulässt – eigentlich noch im Februar, denn Ende des Monats soll das Gerüst entfernt werden. »Dann sieht man das Gebäude erstmals richtig. Das wird ein spannender Moment«, so Neugebauer.

Ausbau des Innenhofs bis zum Museumsfest

Bis zum 22. Juni werde auch der Innenhof ausgebaut sein. Denn dann feiert das Historische Museum sein 25-jähriges Jubiläum, und dann sollen die Terrasse der Bibliothek, Fahrradständer sowie das Klinker-Pflaster, durch das sich auch das »Steinhagen-Band« zieht, fertig sein.

Nach vorne zum Kirchplatz werde Perus vor dem Eingang der Bibliothek zunächst ein Provisorium schaffen bis zur Sanierung des südlichen Kirchplatzes. Diese ist verschoben worden, weil sie an der weiteren Entwicklung am Kirchplatz hängt. Das ist weniger die für Perus zwar wichtige Fassadensanierung des Gebäudes, in dem Steinhagener Kinderhäuser und Schülerhilfe ansässig sind, sondern die große Frage der weiteren Ortskernsanierung und Belebung.

Die Idee der Schlichte-Höfe – ist sie realisierbar?

Wie geht es mit dem Haus Brinkmann, in dem das »M&M-Kaufhaus« ist, weiter? Und lässt sich die Idee der Schlichte-Höfe umsetzen? Für Neugebauer kann der an das Schlichte-Carree angrenzende Bereich nur mit Bezug zum Fivizzanoplatz betrachtet werden. »Der ganze Bereich muss zusammenhängend geplant werden. Das geht nur in einem Prozess mit der Gemeinde. Den würde ich gerne mitmachen«, sagt Horst Neugebauer. Perus gehört das alte Haus Brinkmann, der Rest der Immobilien liegt in der Hand der Gemeinde. Jüngst wurde das Haus Vogt erworben.

Die Schlichte-Höfe, Idee eines früheren Stadtplaners, von den Grünen favorisiert, nimmt die kleinteilige Struktur von Läden, Galerien, Handwerk auf. »Ein spannender Gedanke«, sagt Neugebauer. Problematisch sei: Wie öffne man das große Gebäude, in dem sich das Museum befindet, für einen Durchgang zum nächsten Hof? »Das Gebäude ist eine Zäsur auf dem Grundstück.« Dahinter ließe sich aus seiner Sicht eine entsprechende Höfe-Struktur schaffen. »Aber man muss in Ruhe planen. In den nächsten fünf Jahren wird mit einer Bebauung nicht angefangen.«

Auch Wohnen bringt mehr Leute ins Dorf

Das Haus Brinkmann ist baulich marode und wird abgerissen werden. »Was aber bringt man in den neuen Komplex, wenn auf dem Gelände der Schlichte-Stiftung schon ein Hotel gebaut wird? Neugebauer favorisiert Büros, Dienstleistungen und – zuletzt – Einzelhandel. Vom ersten Obergeschoss an kann er sich auch Wohnen gut vorstellen. »Wenn ich wieder mehr Leute im Ort habe, nutzen auch mehr wieder die kleinen Geschäfte, weil sie zu Fuß unterwegs sind.«

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