Altbürgermeister und Unternehmer Heinz Sickmann ist im Alter von 94 Jahren gestorben Vater der Gemeinde und der Gewerbeschau

Steinhagen-Amshausen  (WB/anb). Er darf sich als einer der Väter der Gemeinde verstehen, denn als Amshausener Bürgermeister hat Heinz Sickmann dafür gesorgt, dass Amshausen, Brockhagen und Steinhagen bei der Kommunalreform eine Gemeinde wurden. Am Donnerstag ist Heinz Sickmann wenige Tage nach seinem 94. Geburtstag unerwartet gestorben.

Altbürgermeister und Geschäftsmann Heinz Sickmann ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Dieses Foto ist zu seinem 90. Geburtstag 2014 entstanden.
Altbürgermeister und Geschäftsmann Heinz Sickmann ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Dieses Foto ist zu seinem 90. Geburtstag 2014 entstanden. Foto: Bluhm-Weinhold

Geboren wurde Heinz Sickmann zwar in Oer-Erkenschwick, aber eigentlich – und das von ganzem Herzen – war er Amshausener. Mit neun Jahren kam er 1933 sozusagen politisch bedingt in die Gemeinde, denn die Nazis hatten seinen Vater, Betriebsratsvorsitzender der »Zeche Ewald«, des Postens enthoben und verjagt. In Amshausen fand er eine neue Heimat.

Ehrenmitglied der SPD

Heinz Sickmann besuchte dort die Volksschule, machte danach eine Schlosser-Lehre in der Spinnereimaschinenfabrik in Quelle und wurde schließlich eingezogen, erst zum Arbeitsdienst, später zum Kriegsdienst an der Ostfront. Auf dem Rückzug geriet er in Kriegsgefangenschaft – vier Jahre Arbeitslager in Perm im Ural.

Erst 1949 kehrte Sickmann in die Heimat zurück und half mit beim Aufbau eines freiheitlichen Landes. »Demokratie ist etwas Wunderbares«, hat er einmal im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT gesagt. 1950 trat er in die SPD ein, deren Ehrenmitglied er seit dem vergangenen Jahr war. Ende der 60er Jahre suchte der Amshausener Amtsbürgermeister Heinrich Ellermann einen Nachfolger und arbeitete den jungen Geschäftsmann und Familienvater ein. 1971 nach Ellermanns Tod übernahm Sickmann die Amtsgeschäfte.

Einsatz für die Großgemeinde Steinhagen

Die politische Arbeit jener Zeit war geprägt von einer guten Zusammenarbeit aller Parteien und einer großen Herausforderung: der kommunalen Heuordnung. Heinz Sickmann gehörte zu den Befürwortern einer Großgemeinde Steinhagen: »Mit Halle zusammengehen, das wollten wir in Amshausen nicht«, hat er einmal gesagt. Das war keineswegs nur Lokalpatriotismus, sondern hatte handfeste wirtschaftliche Gründe. Amshausen hatte die großen Firmen wie Hörmann, Dröge und Stahlbau Müller und gute Entwicklungsmöglichkeiten.

Bis zur nächsten Kommunalwahl lenkte er mit den Steinhagener und Brockhagener Amtskollegen, Rudi Wolf und Robert Meise, gemeinsam die Geschicke der Gemeinde. Bis Mitte 1985 saß Sickmann für die SPD im Gemeinderat. »Seine Geradlinigkeit und sein Einsatz für die Gemeinde hat mich beeindruckt«, zollt Bürgermeister Klaus Besser dem Parteikollegen Respekt.

Die Gewerbeschau ins Leben gerufen

Heinz Sickmann war ein vielfach engagierter Mann. Privat seit 1954 mit Ehefrau Agnes verheiratet und Vater zweier Söhne, leitete er in den 60er Jahren auch beruflich seinen Aufstieg ein, ließ sich zum Techniker weiterbilden und zog 1971 in Steinhagen seine eigene Metallbaufirma auf. Eine eigene Firma habe er immer haben wollen, sagte Sickmann.

An ihrer geschäftlichen Entwicklung war er sehr interessiert – und nicht zuletzt deshalb erfand er die Gewerbeschau, zunächst als eigene kleine Messe. 1986 war sie so groß geworden, dass sie erstmals im Ortskern stattfand. Bis zur Auflösung der Interessen- und Werbegemeinschaft Steinhagen (IWS) 2012 war er deren aktives Mitglied.

Die Trauerfeier ist am Donnerstag, 15. Februar, 13.30 Uhr auf dem Haller Friedhof.

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