»Der Einzelhandel ist nicht tot« – Wie sehen die Konzepte der Politik zum Ortskern aus? Stadtmarketingstelle und Schlichte-Höfe

Steinhagen  (WB). Ist der inhabergeführte Einzelhandel in Steinhagen tot? Laut Bürgermeister Klaus Besser ist er das – dafür war er von der FDP kritisiert worden. Wie bewerten die anderen Steinhagener Fraktionen die Situation des Einzelhandels und welches Konzept haben sie, um für Belebung im Ort zu sorgen?

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Schönes neues Pflaster, aber Leere auf der Straße und Leerstand in gleich zwei Ladenlokalen: Im Januar ist selbst an einem Donnerstag mit Wochenmarkt auf dem Marktplatz am Kirchplatz kaum etwas los.
Schönes neues Pflaster, aber Leere auf der Straße und Leerstand in gleich zwei Ladenlokalen: Im Januar ist selbst an einem Donnerstag mit Wochenmarkt auf dem Marktplatz am Kirchplatz kaum etwas los. Foto: Bluhm-Weinhold

SPD: mehr Innovatives und Ideen von Händlern selbst gefragt

»Politik schafft nur die Rahmenbedingungen. Mit der gelungenen Gestaltung des Ortskerns haben wir gute Bedingungen geschaffen. Wir machen aber keine Geschäfte auf«, sagt SPD-Fraktionsvorsitzende Sabine Godejohann. Den aktiven Part der Wirtschaftsförderung sieht sie bei den Geschäftsleuten selbst. Die IWS wäre hilfreich gewesen, so Godejohann. Doch die Interessen- und Werbegemeinschaft hat sich 2012 aufgelöst. »Die Einzelhändler schaffen es nicht, sich zusammenzuschließen. Ich höre wenig Innovatives oder Ideen, wie man gemeinsam für Steinhagen die Werbetrommel rührt«, sagt sie.

CDU: Verschönerung des Marktplatzes bringt noch keine Geschäfte

Die CDU plädiert dagegen seit Jahren für die Einstellung eines Stadtmarketingexperten. »Wir brauchen jemanden, der sich als Ansprechpartner für die Sorgen, Nöte und Wünsche der Geschäftsleute versteht«, sagt Fraktionsvorsitzender Herbert Mikoteit. Wer sich jeden Tag mit diesem Thema beschäftige, der könne auch etwas bewegen. Aber: »In Steinhagen ist Stadtmarketing Chefsache und in der Verwaltung angesiedelt. Das führt aber dazu, dass Verwaltung nur verwaltet«, kritisiert Mikoteit.

So schön der neue Ortskern auch sei: »Die Verschönerung des Marktplatzes bringt kein Geschäft mehr nach Steinhagen.« Und das Ärztehaus? Bringt es durch die Patienten, die dann an den Marktplatz kommen, Impulse und Kunden für den Einzelhandel? Darauf hofft Mikoteit. Spannend wird in seinen Augen die Entwicklung am Kirchplatz sein: Wird die neue Bibliothek für Belebung sorgen?

Herbert Mikoteit sagt ganz klar: »Der Einzelhandel in Steinhagen ist mit Sicherheit nicht tot. Ich bin ein überzeugter Steinhagen-Käufer. Aber es wird immer weniger hier.«

Grüne: Einzelhandel hat eine Chance in den Nischen

Auch Detlef Gohr, Sprecher der Grünen, meint: »Der Einzelhandel ist nicht tot, aber er hat es unendlich schwer.« Er ist überzeugt: »Einzelhandel hat mit Nischen durchaus eine Chance, und wenn es die Kerzenzieher und Weidenkorbflechter sind«, sagt er, letzteres mit Bezug auf eine polemische Spitze von CDU-Chef Mikoteit gegen die Nachhaltigkeits-Forderung der Grünen bei der Gewerbeflächenentwicklung.

»Die Politik kann immer nur den Rahmen schaffen. Daher hat es uns geärgert, dass Einzelhandel bei der Ärztehausplanung kein Thema ist«, so Gohr. Die Grünen denken indes im Ortskern in langfristigen Zeiträumen: Die Idee der Schlichte-Höfe wollen sie weiter treiben. Bisher ist die Umgestaltung der Gebäudekomplexe zwischen Historischem Museum und Haus Vogt am Fivizzanoplatz mit Schaffung von Innenhöfen und kleinen Geschäften und Galerien lediglich die Idee eine Planers – »und vielleicht auch nur ein Traum«, so Gohr. Aber die Grünen würden diese Idee gerne konkreter machen: Eigentümer, Planer und Interessenten für die Läden oder Gastronomie sollten zusammengebracht werden.

Grundsätzlich würden sich die Grünen mehr Initiative der Geschäftsleute zwar wünschen – ein Ansprechpartner wie die IWS wäre schon gut. »Aber der Bürgermeister müsste auch mal Gespräche führen und werben«, so Gohr.

FDP: breit aufgestellte Wirtschaftsförderung wünschenswert

Eine verbale Unterstützung für den Einzelhandel durch den Bürgermeister wünscht sich auch die FDP, wie Fraktionsvorsitzende Silke Wehmeier sagt. Denn: »Um den Einzelhandel vor Ort zu unterstützen, kann die Politik nur dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen passen. Dazu gehört die Anfahrbarkeit der Geschäfte durch Kunden und Zulieferer, das Vermeiden zusätzlicher Gebühren wie für das Aufstellen von Schildern oder Tischen und eine breit aufgestellte Wirtschaftsförderung durch Werbung und Marketing für und durch die Gemeinde.«

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