Kulturwerk präsentiert Boulevardkomödie mit Martin Lindow und Sabine Kaack Liebhaber im Rausch bleibt (sich) treu

Steinhagen  (WB). So hatte sich Barney Cashman seinen Seitensprung wirklich nicht vorgestellt! Die Damenwelt liegt ihm alles andere als zu Füßen. In Neil Simons »Der letzte der feurigen Liebhaber« will Fischrestaurantbesitzer Barney nach mehr als 20 Ehejahren »ein einziges Mal seine Fantasien ausleben« und »wissen, wie es mit einer anderen Frau ist«. Seine Suche wird im Laufe der zweistündigen Komödie, die das Kulturwerk am Sonntagabend in der Aula präsentierte, zu einer wahren Odyssee.

Von Nikolas Müller
Elaine lässt den Liebhaber alt aussehen: Martin Lindow und Sabine Kaack brillieren auf dem Sofa.
Elaine lässt den Liebhaber alt aussehen: Martin Lindow und Sabine Kaack brillieren auf dem Sofa. Foto: Nikolas Müller

Da wäre zuerst Elaine (Sabine Kaack in einer Doppelrolle), ein männerfressender Vamp, nikotinsüchtig, skrupellos und immer auf der Jagd nach einem Abenteuer. Im schmalen Zeitfenster von zwei Stunden gelingt es Barney nur, sie hustend aus der Wohnung zu vertreiben, ohne seine Fähigkeiten als Gigolo unter Beweis gestellt zu haben.

Immer anständig und treu geblieben

Sein nächstes Opfer soll die erfolglose, von Neurosen und Verfolgungswahn getriebene Bobbie sein. Doch ehe er mit ihr auf der mütterlichen Couch landet, hat sie ihm auch schon einen Joint gedreht. Beide verlieren sich ekstatisch im Drogenrausch.

Und schließlich Jeanette (Sabine Kaack), die beste Freundin seiner Frau und die Frau seines besten Freundes. Auch bei ihr hat der feurige Liebhaber keine Chance, denn Jeanette ist depressiv und leidet unter dem Verhältnis ihres Mannes zu einer vollbusigen Bekannten. Aus einem geplant leidenschaftlichen Rendezvous wird ein entnervendes Rätselspiel mit der melancholischen Jeanette, die Barney am Ende einen Spiegel vorhält. Er erkennt, dass er als letzter feuriger Liebhaber immer anständig und treu geblieben ist und seine Frau nie betrogen hat.

Geschliffene Dialoge, gute Pointen, gelegentlich absurd

Neil Simons Komödie vermag den Zuschauer mit geschliffenen Dialogen und teils gut gesetzten Pointen zu unterhalten, verliert sich bisweilen aber in Absurditäten und überschreitet den Grad des guten Geschmacks. Ob die Mitbewohnerin der durchgeknallten Bobbie eine Domina mit Nazi-Zügen sein muss, sei dahin gestellt. Auch das Abrutschen ins Vulgäre wird der Leichtigkeit dieser rasanten und liebenswerten Komödie nicht gänzlich gerecht.

Martin Lindow mimt den Barney mit einer wohltuenden Präzision und starken Präsenz. Der aus Film und Fernsehen bekannte Schauspieler beweist einmal mehr sein komödiantisches Talent, spielt gekonnt auf der Klaviatur eines Mannes in der Midlife-Krise. Barney versucht seine Herkunft als Besitzer eines Fischrestaurants zu verschleiern, sprüht sich immer wieder die Hände mit Parfüm ein und riecht an den Fingern. Diese Eigenart durchzieht die Komödie, und Lindow zelebriert sie mit großer Hingabe.

Ihm gegenüber besticht Sabine Kaack (bekannt aus »Diese Drombuschs«) in der Doppelrolle von Elaine und Jeanette. Sie schafft es mit einer Leichtigkeit, diese zwei gegensätzlichen Charaktere überzustreifen, verleiht ihnen glaubhaften Zwang und depressive Neurose. Alle Achtung!

Und da wäre noch Yvonne Hotz. Sie mimt die neurotische Bobbie, vollkommen überdreht, mit einem Hang zum Wahnsinn. Wie sie über die Bühne wirbelt und Barney immer wieder vor neue Herausforderungen stellt, macht Spaß anzuschauen.

So hatten die 600 Zuschauer mit dem zweistündigen feurigen Liebhaber viel Vergnügen; mit Begeisterung feierten sie am Ende das engagierte und beseelt agierende Schauspielerensemble, dem es mit Bravour gelang, der Boulevardkomödie Leben, Leichtigkeit und viel Leidenschaft einzuhauchen.

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