Von der Stellmacherei zum Karosseriebaubetrieb: Goldener Meisterbrief für Jürgen Stern Lebenswerk mit Leidenschaft

Steinhagen  (WB). Ein hölzernes, 1,10 Meter messendes Rad für einen Ackerwagen war einst sein Gesellenstück als Stellmacher in Brandenburg. Heute ist Jürgen Stern Seniorchef des 1968 gegründeten Steinhagener Karosserie- und Fahrzeugbauunternehmens Stern. Obendrein erhält er jetzt den Goldenen Meisterbrief.

Von Volker Hagemann
Die Kreishandwerkerschaft nennt es »sein Lebenswerk«: Seit 1968 hat Jürgen Stern den Karosserie- und Fahrzeugbaubetrieb aufgebaut. Nach wie vor ist der 80-Jährige in der Geschäftsleitung aktiv und nahezu täglich im Betrieb anzutreffen.
Die Kreishandwerkerschaft nennt es »sein Lebenswerk«: Seit 1968 hat Jürgen Stern den Karosserie- und Fahrzeugbaubetrieb aufgebaut. Nach wie vor ist der 80-Jährige in der Geschäftsleitung aktiv und nahezu täglich im Betrieb anzutreffen. Foto: Hagemann

Wenn Jürgen Stern erzählt, den Bogen spannt vom elterlichen Betrieb im brandenburgischen Pritz­walk bis zur heutigen Fahrzeugschmiede auf 9000 Quadratmetern Fläche an der Steinhagener Carl-Benz-Straße, dann staunt auch Jürgen Sautmann anerkennend: Zwar ehre er immer wieder mal Mitglieder mit dem Goldenen Meisterbrief, doch einen so klassischen, positiven Werdegang eines Familienbetriebs begegne ihm selten, gibt der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bielefeld zu: »eine Bilderbuch-Handwerks-Laufbahn!« Gemeinsam mit Olaf Räker, Obermeister der Karosserie- und Fahrzeugbauer-Innung, hat er am Freitag die Urkunde überreicht.

Die Wurzeln liegen in Pritzwalk/Brandenburg

Denn schon Jürgen Sterns Vater, Großvater und sogar Urgroßvater waren selbstständige Stellmacher. In dem Vorgängerhandwerk der Karosserie- und Fahrzeugbauer fertigten sie in Pritzwalk mit zehn Mitarbeitern Räder, Deichseln und ganze Kutschen und Ackerwagen aus Holz. »Ganz klar, dass auch ich da einstieg«, sagt Jürgen Stern. Schon mit 13 Jahren begann er die Lehre.

»Allein aus der Landwirtschaft hatten wir jede Menge Aufträge. Und wir haben unheimlich viele Rodelschlitten gebaut«, erinnert sich der 80-Jährige. Beileibe keine leichte Arbeit: »Wir haben dicke Eichenbohlen mit der Bandsäge verarbeitet, die Felgen stellten wir aus Buche her. Die benötigten Stämme mussten wir oft von Hand hin und her schleppen.«

Allerdings: Die politische Situation in der DDR machte es privaten Betrieben nicht leichter, die Staatsführung zog zunehmend die Daumenschrauben an – so dass Jürgen Stern mit zwei Freunden 1956 den schweren Entschluss fasste, in den Westen »rüberzumachen«. Ihn selbst verschlug es über Bielefeld nach Steinhagen: »1956 begann ich als angestellter Karosseriebauer in Brackwede – und parallel zur Blechbearbeitung kam ja nach wie vor Holz bei Fahrerkabinen und Ladeflächen zum Einsatz«, berichtet Stern. Als Meisterstück fertigte er 1967 den Aufbau eines Verkaufswagens für den Wochenmarkt.

1968 den eigenen Betrieb gegründet

Wenige Monate nach der Meisterprüfung gründete Jürgen Stern 1968 seinen eigenen Betrieb, zunächst in gemieteten Hallen nahe dem Steinhagener Bahnhof, 1972 folgte ein Neubau an der Industriestraße, der mehrfach bis auf 6000 Quadratmeter Fläche erweitert wurde. »Wir kümmerten uns um die Instandsetzung von Pkw und Nutzfahrzeugen, fertigten Aufbauten und Anhänger für Industrie- und Transportunternehmen an, auch für die großen Steinhäger-Brennereien wie H.C. König«, erinnert sich Stern.

Und so beschäftigte man in den 70ern schon zehn Mitarbeiter, verfügte über einen stattlichen Maschinenpark sowie eine Großraumlackier- und Sandstrahlanlage. »Wir hatten immer gut zu tun und sehr zuverlässige Kunden, keine großen Ausfälle. Urlaub war anfangs die Ausnahme, vielleicht mal ein paar Tage in den Harz«, erinnert sich Jürgen Stern.

Ein Familienbetrieb wie er im Buche steht

2000 folgte der Umzug des Unternehmens an die Carl-Benz-Straße. Hier, auf dem Gelände der früheren Landwirth-Brennerei, stehen 9000 Quadratmeter für Fertigungshallen, Büro- und Sozialräume zur Verfügung. 500 Einheiten wie Lkw-Aufbauten, Anhänger und Sattelauflieger entstehen hier jährlich für Kunden in ganz Deutschland. 30 Mitarbeiter zählt Karosserie- und Fahrzeugbau Stern heute, unter ihnen ein Großteil der Familie: Holger und Frank Stern bilden mit ihrem Vater Jürgen die Geschäftsleitung, Jürgen Sterns Ehefrau Renate, die Töchter Kerstin und Anke kümmern sich um die Buchhaltung, »und mit zehn Enkeln zwischen 2 und 21 Jahren wächst die nächste Generation heran«, sagt Anke Stern augenzwinkernd.

Und wenn Jürgen Stern mal nicht im Betrieb anzutreffen ist, frönt er mit seinen Söhnen der Geflügelzucht, ist im Verein und auf Ausstellungen aktiv.

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