Dauerstreit: 41-Jähriger bezichtigt Kontrahenten, auf ihn gezielt zu haben, und verstrickt sich in Widersprüche Vermeintliche Schüsse sind haltloser Vorwurf

Steinhagen (WB). Hat ein 58-jähriger Steinhagener mit einer Pistole auf seinen 41-jährigen Erzfeind geschossen? So zumindest lautete die Version, die der 41-jährige Steinhagener jetzt dem Haller Amtsgericht auftischte. Letztlich erwies sich der Vorwurf als haltlos.

Von Volker Hagemann
In der Langen Straße begegneten sich die beiden Kontrahenten im Juni 2017 auf Höhe der Einmündung Hanfgarten.
In der Langen Straße begegneten sich die beiden Kontrahenten im Juni 2017 auf Höhe der Einmündung Hanfgarten. Foto: Hagemann

Seit langem liegen die beiden Männer im Clinch. Einer der Gründe für gegenseitige Vorwürfe und Bedrohungen sei einst ein Streit um die Bezahlung bei einem Autogeschäft gewesen. Das gipfelte jetzt in einer Anzeige, die der 41-Jährige im Sommer 2017 erstattet hatte: Demnach soll der 58-Jährige am Abend des 27. Juni mit seinem Mercedes die Lange Straße in Steinhagen in Richtung Quelle befahren haben. Aus dem Auto heraus soll er angeblich mit einer Luftpistole mehrere Schüsse auf den vorausfahrenden Mercedes des 41-Jährigen abgefeuert haben. Der »Bedrohte« erklärte vor Gericht, er habe umgehend die Polizei angerufen und den »Schützen« noch am selben Abend zu Hause aufgesucht. Zudem habe er »Beschädigungen durch Einschüsse hinten links und am Rücklichtglas« gefunden.

Geschossen habe er nicht, beteuert der Bezichtigte

Bei dem 58-Jährigen fand die Polizei eine Pistole und einen Taser als Viehtreiber. Die Pistole besitze er, »um mit Nachbarn ein Zielschießen auf dem Feld zu veranstalten«, den Taser zum Selbstschutz: »Falls ich meinem Kontrahenten begegnen sollte, denn der hat mich schon öfter verprügelt.« Auf der Langen Straße sei man sich in der Tat an jenem Abend begegnet, doch geschossen habe er nicht, so der 58-Jährige.

Bei seiner Vernehmung als Zeuge stellte der 41-Jährige die Begegnung plötzlich anders als zuvor in seiner Anzeige dar: »Der Mann kam mir mit dem Auto entgegen, schoss und traf über dem Radlauf und das Rücklicht. Mein Auto hatte vorher keine Beschädigungen.« Richter Jan Intrup dagegen präsentierte eine Anzeige, in der die Ehefrau des 41-Jährigen schon am 13. Juni exakt solche Beschädigungen am Fahrzeug zu Protokoll gegeben hatte – »die habe ich nach Feierabend entdeckt«, bestätigte sie jetzt und widersprach damit der Version ihres Mannes.

Schaden am Fahrzeug offenbar schon Wochen zuvor entstanden

»Wieso soll das Rücklicht durch einen Schuss beschädigt worden sein, wenn Ihre Frau diesen Schaden schon zwei Wochen vor der vermeintlichen Tat angezeigt hat?«, hakte Intrup nach. Daraufhin verstrickte sich das Paar in Widersprüche.

Katrin Schmitt, Anwältin des 58-Jährigen, und die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sahen die in der Anzeige erhobenen Vorwürfe nicht bestätigt. Der Amtsrichter folgte ihren Anträgen auf Freispruch, seine Waffe muss der falsch Bezichtigte dennoch abgeben. Schmitt monierte die »völlige Skrupellosigkeit, falsch Anzeige zu erstatten und damit Polizei und Gericht zu Lasten der Steuerzahler zu beschäftigen.« Der Anzeigeerstatter muss nun mit einem Verfahren wegen falscher Verdächtigung rechnen.

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