450 besorgte Besucher informieren sich in Gütersloh über Afrikanische Schweinepest »Die Seuche wird kommen«

Gütersloh (WB). Nun hat sie auch schon Polen erreicht: Die gefürchtete Afrikanische Schweinepest rollt auf Deutschland zu. Offenbar unaufhaltsam. Sollte sich der gefährliche Killervirus aus Osteuropa auf deutschem Gebiet ausbreiten, könnte es auch den Kreis Gütersloh erwischen.

Von Uwe Caspar
Seuchenträger ausschalten: Als bestes Mittel zur Prävention gilt derzeit die Wildschwein-Jagd.
Seuchenträger ausschalten: Als bestes Mittel zur Prävention gilt derzeit die Wildschwein-Jagd. Foto: dpa

»Diese Pest ist eine tickende Zeitbombe. Deshalb liegen bei vielen jetzt schon die Nerven blank«, sorgt sich Kreislandwirt Heiner Kollmeyer zur Begrüßung bei einem Informationsabend am Dienstag im Kreishaus. Die Resonanz ist riesig und übertrifft die Erwartungen der Initiatoren (Kreis, Kreisjägerschaft, Landwirtschaftlicher Kreisverband und Landwirtschaftskammer) bei weitem: 450 Gäste kommen.

Volles Haus: Der Informationsabend im Kreishaus lockt 450 Interessierte an. Thema: die Afrikanische Schweinepest. Foto: Uwe Caspar

Man sei auf das Schlimmste vorbereitet und wolle im Krisenfall den Schaden so klein wie möglich halten, verkündet Landrat Sven-Georg Adenauer zu Beginn. So hat das Land NRW die Schonzeit für Schwarzwild, von dem die größte Gefahr für eine Einschleppung und Verbreitung des Virus ausgeht, bis Ende März aufgehoben. Es mache keinen Spaß, Tiere zu töten, aber vorbeugende Maßnahmen seien eine Notwendigkeit, betont Kollmeyer.

Schließlich handelt es sich bei der Afrikanischen Schweinepest (ASP) um eine besonders bedrohliche Seuche, weil es für sie im Gegensatz zur klassischen Schweinepest (noch) kein Gegenmittel gibt. »Es ist eine bisher nicht gekannte Herausforderung für uns«, räumt Referent Dr. Arno Piontowski, Repräsentant des NRW-Landwirtschaftsministerium, ein.

In puncto Prävention gibt es zwar keinen Königsweg, »aber viele gute Ansätze«. Die Kreisverwaltung will mit Merkblättern vorsorglich Informationen zur Verfügung stellen und lädt im Februar zu einem »Runden Tisch« ein.

Was Landwirte tun können

Was Landwirte zur Vorbeugung tun können? Der Kreis empfiehlt, die Hygienevorkehrungen beim Gang in den eigenen Stall zu erhöhen und noch öfter die Kleidung zu wechseln. Weil Wildschweine sich gerne im Mais tummeln, sollte dieser nicht zu nah an den Stall und auch mit etwas mehr Abstand zum Wald gepflanzt werden. Außerdem können Jäger frühzeitig über Erntetermine informiert werden. So haben sie vor Ort die Chance, auf Wildschweine anzulegen, die sich nicht mehr im Mais verstecken können.

Trotz aller Bemühungen: Ein düsteres Szenario malt Andreas Leppmann schon jetzt aus. »Die Seuche wird kommen«, prophezeit der Geschäftsführer des Deutschen Jagdverbandes. Die wirtschaftlichen Folgen für Landwirte und Fleischwirtschaft seien dann beträchtlich.  

Flächendeckende Bejagung

Neben flächendeckender Bejagung, insbesondere in Naturschutzgebieten, hält Andreas Leppmann auch eine Früherkennung für sehr wichtig: »Denn je früher ASP festgestellt wird, desto größer ist die Chance, die Seuche in den Griff zu kriegen.«

Für mehr Wildschwein-Abschüsse plädiert ebenso Ralf Reckmeyer, Chef der Kreisjägerschaft. Doch es dürfe es zu keinem »Rundumschlag« kommen, schränkt er ein.

Die informative Veranstaltung beschließt ein Vortrag der Harsewinkeler Jagdhornbläser – mit dem passenden Titel »Sau tot«.

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