In Steinhagen ausgebildet: Jessica Niewöhner gehört zu Landesbesten in einer Männerdomäne Viel Spaß an Technik

Steinhagen (WB). Jessica Niewöhner gehört zu den besten Auszubildenden im Land – und das in einem Beruf, der nach wie vor eine Männerdomäne ist. Die Bielefelderin hat in Steinhagen im Ingenieurbüro für Gebäudetechnik Gebautec Technische Systemplanerin gelernt und mit der Note 1,0 abgeschlossen.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Die Technische Systemplanerin Jessica Niewöhner, inzwischen Studentin, gehört zu den besten Absolventen in NRW. Eine Ehrenurkunde gab es von der IHK.
Die Technische Systemplanerin Jessica Niewöhner, inzwischen Studentin, gehört zu den besten Absolventen in NRW. Eine Ehrenurkunde gab es von der IHK. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Deshalb erhielt sie kürzlich bei der Landesbestenehrung der Industrie- und Handelskammer NRW in Duisburg die Ehrenurkunde. Inzwischen ist die 24-Jährige allerdings nicht mehr in ihrem Beruf tätig – vielmehr studiert sie Wirtschaftsingenieurwesen an der Fachhochschule Bielefeld. Auch dort hat sie weit mehr Kommilitonen als Kommilitoninnen. Sie selbst bezeichnet ihre Berufswahl als »glückliche Fügung«, eigentlich wollte sie ganz etwas anderes werden: Innenarchitektin.

Immer schon gerne kreativ gearbeitet

Immer schon hat sie gerne kreativ gearbeitet. »Ich habe auch 2012 mein Fachabi in Herford im Bereich Gestaltung gemacht. Aber die Berufschancen für Innenarchitekten sind nicht so gut.« Doch in ihrer Abiprüfung stellte sie auch fest: »Ich war auf einmal gut in Mathe.« Und so dachte Jessica Niewöhner in eine ganz neue Richtung und wurde technische Systemplanerin, Fachrichtung Elektrotechnik.

Von der Gebäudebeleuchtung bis zum Blitzschutz

Viele technische Vorgaben sind aus den Bauplänen, aber auch durch bestehende Normen zu beachten, wenn es um die elektrotechnische Ausstattung von Gebäuden geht. Wohnungen, Geschäftshäuser, eine Tierklinik, eine der Steinhagener Schulmensen hat Jessica Niewöhner mitgeplant. Brandmeldeanlagen, Blitzschutz, die Stromverteilung, Beleuchtung, Alarmanlagen – das alles gehört in ihren Bereich. Kreativität im Denken kann dennoch nicht schaden: »Tüftelei ist oftmals dabei, man kann nicht nach einem strikten Schema arbeiten.«

Wohnhaus mit Smart-Home-Technik selbst geplant

Klar, da muss man fit sein in Mathe und Physik. Die Planung läuft zudem am Computer, gerne auch auf zwei Bildschirmen. »Skizzen auf Papier gibt es nur noch in der Vorplanung.« BWL war ebenso wie der große Bereich der Elektrotechnik mit Berechnungen und der Abfrage von Fachwissen Prüfungsthema. »Vor allem aber zählte mein eigenes Projekt«, sagt Jessica Niewöhner. Die Bielefelderin plante ein Wohngebäude mit Smart-Home-Technik. Das heißt: steuerbar über das Tablet. Dabei sei sie sehr unterstützt worden von ihren Chefs. »Ich bin immer gut gefördert worden in der Firma, letztlich auch in meinen Überlegungen zum Studium«, sagt sie.

Denn zur Hälfte ihrer Ausbildung war klar: »Ich mache weiter und studiere. Es wäre schade, wenn ich nicht auf meiner Ausbildung aufbaue.« Den 18-jährigen Abiturienten im Seminar hat sie allemal ihre vertieften Kenntnisse in der Elektrotechnik und ihre Berufserfahrung voraus.

Mit der angeblichen Männerdomäne Technik hat die 24-Jährige nie ein Problem gehabt – 1,0 im Abschluss schaffen auch die wenigsten Männer. Und in einer Zeit des Fachkräftemangels weiß sie ebenfalls, was sie an ihrer Ausbildung hat: »die Sicherheit, jederzeit wieder in den Beruf einsteigen zu können, wenn es mit dem Studium nicht klappt.«

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