»Keine Alleinstellungsmerkmale« für Steinhagen Der Steinhäger reicht nicht: Ministerium lehnt Tourismus-Tafeln an der A 33 ab

Steinhagen/Borgholzhausen (WB). An der künftigen A33-Trasse darf kein Schild platziert werden, das für Steinhagen und seinen Wacholderschnaps wirbt.

Von Volker Hagemann
So ähnlich wie auf dieser Fotomontage hätte ein Schild an der künftigen A 33 durch Steinhagen aussehen können. Doch der Antrag der Gemeinde wurde abgelehnt – unter anderem wegen der Produktwerbung für den Steinhäger.
So ähnlich wie auf dieser Fotomontage hätte ein Schild an der künftigen A 33 durch Steinhagen aussehen können. Doch der Antrag der Gemeinde wurde abgelehnt – unter anderem wegen der Produktwerbung für den Steinhäger. Foto: dpa/Montage: Patrick Sönel

Auch wenn die Jahrhunderte alte Brennerei-Tradition Steinhagen weit über seine Grenzen hinaus bekannt gemacht hat – als touristischer Hinweis an der A 33 darf der Steinhäger nicht genannt werden. Das hat jetzt das Verkehrsministerium in Düsseldorf entschieden.

Wer aus Richtung Süden über die A 33 Richtung Osnabrück fährt, wird bei Kilometer 50,5 auf die Bielefelder Kunsthalle aufmerksam gemacht; eine braun-weiß beschriftete Tafel weist auf die Sehenswürdigkeit hin. »Dieses Schild hatte uns in der Verwaltung auf die Idee gebracht, an der A 33-Trasse kurz vor Steinhagen ebenfalls auf unsere Besonderheit hinzuweisen: den Steinhäger«, berichtet Bürgermeister Klaus Besser.

In ganz Deutschland weisen diese »touristischen Unterrichtungstafeln« an Autobahnen auf kulturelle Besonderheiten einer Region hin. In Deutschland wurde die erste der Tafeln 1984 an der A 8 nahe der Burg Teck aufgestellt, 1988 kamen sie in die Straßenverkehrsordnung (StVO).

Einst gab es 20 Steinhäger-Brennereien

»Den Antrag an die Bezirksregierung und von dort ans Landesverkehrsministerium haben wir in einem Kreis formuliert, dem unter anderem Erwin Rellmann vom Ordnungs- und Umweltamt und Simon Block vom Amt für Schulen, Jugend, Sport und Kultur angehörten«, erklärt Klaus Besser. Denn seit mehreren hundert Jahren wird in Steinhagen der bekannte Wacholderschnaps gebrannt, einst gab es 20 Steinhäger-Brennereien, die Generationen Arbeit gaben. Einen umfassenden Überblick dazu gibt das Historische Museum, das Gäste von teils weit her in die Gemeinde lockt.

»Und so mussten wir in den Antrag auch Dinge wie Museums-Besucherzahlen und sogar Busparkplätze eintragen«, erinnert sich der Bürgermeister. »Eine Kommission im NRW-Verkehrsministerium entscheidet einmal im Jahr über alle beantragten touristischen Unterrichtungstafeln.«

Ausschilderung von Orten nur bei historischen Ortskernen

Nach mehr als einem Jahr kam jetzt die Antwort der Kommission: Antrag abgelehnt. In der Begründung heißt es, man dürfe nicht an der Autobahn für Steinhäger werben, schließlich sei das Produkt »gewerblich nach wie vor im Umlauf«. Produktwerbung sei gemäß StVO unzulässig, der Steinhäger sei kein touristisches Ziel. Zudem seien die eingeschränkten Öffnungszeiten des Museums nicht ausreichend.

Und: Die Ausschilderung von Orten sei nur in Zusammenhang mit historischen Ortskernen möglich. Voraussetzung dafür sei auch die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft historischer Stadt- und Ortskerne Nordrhein-Westfalen.

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Die ablehnende Antwort ist schade, da wird in NRW offenbar ein sehr strenger Maßstab angelegt.

Steinhagens Bürgermeister Klaus Besser

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»Die ablehnende Antwort ist schade, da wird in NRW offenbar ein sehr strenger Maßstab angelegt«, findet Klaus Besser. Die Gemeinde wolle sich aber zumindest die Option offenlassen, in einigen Jahren einen neuen Antrag zu stellen.

»Die Richtlinien zur touristischen Beschilderung gelten in ganz Deutschland einheitlich«, betont Leonie Molls vom Landesverkehrsministerium in Düsseldorf. »Die Entscheidungen für NRW trifft jedoch ein Beratergremium aus Vertretern des Landesbetriebs Straßenbau, der Bezirksregierungen, der Landschaftsverbände sowie des Tourismus-Dachverbands und den kommunalen Spitzenverbänden«, erklärt sie.

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Die Ravensburg besitzt immerhin einen original erhaltenen Wehrturm aus dem elften Jahrhundert und einen 800 Jahre alten Brunnen!

Borgholzhausens Bürgermeister Dirk Speckmann

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Ebenfalls abgelehnt wurde der Antrag der Stadt Borgholzhausen: »Gemeinsam mit Stadtarchivar Dr. Rolf Westheider, Wolfhart Kansteiner, Geschäftsführer der Stiftung Burg Ravensberg, und weiteren Beteiligten hatten wir geplant, eine Tafel ›Burg Ravensberg – Ravensberger Land‹ an der A 33 aufzustellen«, berichtet Borgholzhausens Bürgermeister Dirk Speckmann.

Auch hier sagte die Kommission nein: Es gebe eine Vielzahl an Burgruinen in NRW, das Ravensberger Land sei kein touristischer Begriff, und weder die Burg noch der Landstrich besäßen ein Alleinstellungsmerkmal, heißt es in der Begründung. Das kann Dirk Speckmann nicht nachvollziehen: »Die Ravensburg besitzt immerhin einen original erhaltenen Wehrturm aus dem elften Jahrhundert und einen 800 Jahre alten Brunnen!«

Ein Kommentar von Volker Hagemann

Wie viele Touristen durch die Schilder angelockt würden, ist schwer messbar. Doch die Brennerei- Tradition ist schon etwas Besonderes. Ein Problem dürfte die angedachte Beschriftung »Steinhäger« sein; vielleicht hätte man lieber so etwas wie »Steinhagen – Jahrhunderte alte Brennerei-Tradition« formulieren sollen.

Immerhin wird an der A 7 das »Fränkische Weinland« beworben, an der A 9 die »Genussregion Oberfranken – Land der Brauereien«, aber eben ohne Produktnamen. Ebenfalls eine bürokratische Schnapsidee ist es, die Tafel zur Ravensburg abzulehnen; im Gegensatz zu vielen anderen Ruinen hat der Turm unter anderem eine komplett erhaltene mittelalterliche Kuppeldecke.

Sowohl der Steinhäger als auch die Burg sind identitätsstiftende Symbole für die Region. Würde sich das auf Tourismus-Tafeln an der Autobahn widerspiegeln, wäre das auch eine kleine Kompensation für all den Ärger, den diese A 33 schon über Jahrzehnte gemacht hat.

Kommentare

Die ostwestfälisch-lippische Politik kann sich eben nicht anpassen und somit wird unsere Region vom Land abgehängt und wie ein Außenseiter behandelt. Unsere Bürger sollten sich daher viel mehr in die Abläufe unserer Kommunalpolitik einmischen damit diese endlich begreift, dass es keinen Sinn macht sich ständig von den Geschmissen im Land abzusondern und meinen dass nur wir immer alles richtig machen. Es liegt also auch in den Händen jedes einzelnen von uns um dieses Dilemma zu beenden.

Los! Zweiter Versuch!

Schade und unverständlich. Gerade der Hinweis auf „Genussregion Oberfranken – Land der Brauereien“ macht deutlich, dass es auch anders geht. Mein Tipp: Konzept überarbeiten, neu beantragen.

Liebe Steinhäger, stellt doch anstelle der Schilder gut sichtbar, aber auf "eurem" Grund,
eine große Kruke auf !

Hat doch schon mal geklappt mit dem Kreisverkehr :-)

3 Kommentare

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