Projektleiter aus Düsseldorf besucht Klimaschutzsiedlung »Ein vorbildliches Vorgehen«

Steinhagen (WB). Vor vier Jahren hat er sich die Konzeptidee für die Steinhagener Klimaschutzsiedlung angehört. Am Donnerstag hat sich Andreas Gries, zuständiger Projektleiter der Energieagentur NRW, angesehen, was daraus geworden ist.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold

Und damit ist der Gast aus Düsseldorf sehr zufrieden. Bereits in der Vergangenheit hat er das Steinhagener Konzept an Kommunen weiterempfohlen, die sich für Klimasiedlungen interessierten: »Denn das Vorgehen, wie man die Bürger angesprochen hat, ist hier vorbildlich.«

In der Steinhagener Klimasiedlung sind alle Grundstücke innerhalb von nur zweieinhalb Jahren verkauft worden. Das ist die übliche Zeit für ein herkömmliches Baugebiet: »Das hat mich positiv überrascht. Wegen der hohen Anforderungen, die hier gestellt wurden, hätte ich durchaus mit vier Jahren gerechnet«, sagt Architekt Oliver Erdmann, der mit dem Team der »Bauwerkstadt« die Bauwilligen fachlich begleitet hat.

Das Besondere an der Steinhagener Siedlung, die 2012 als eine der ersten im ländlichen Raum an den Start ging, ist die direkte und individuelle Vermarktung durch die Gemeinde – andernorts sind es meist Bauträger – sowie ein spezielles Bonus-Malus-System für gemeindliche Fördermittel. Denn über den Kaufvertrag haben sich die Baufamilien zu bestimmten energetischen Standards verpflichtet. Bei Nichteinhaltung drohten Strafen, bei Einhaltung gibt es einen Bonus. Die Boni belaufen sich nach Anrechnung von 21 der 33 Häuser auf 50 000 Euro.

Tatsächlich findet am Ende eine Prüfung mit Dokumentation der Messwerte in den fertigen Häusern statt. »So können wir sicher sein, dass qualitativ wertige Häuser erstellt worden sind. Dann kann die Baufamilie sicher sein, dass sie das bekommen hat, was versprochen wurde und sich keine Mängel einstellen«, sagte Klimaschutzmanagerin Gabriele Siepen.

Nicht für jeden sei ein Klimahaus auch das passende, berichtet Oliver Erdmann. 70 Familien hat er beraten, aber nur 40 hätten auch gebaut – offenbar mit dem passenden Bewusstsein: »Es sind wenig Mängel aufgetreten. Nur einer ist gleich zweimal durch die Luftdichtigkeitsmessung gefallen«, so Erdmann. Der Weg gehe in der Zukunft ohnehin in die Richtung Klimahaus: »Diese Familien haben vorgedacht«, so Gries.

Indes ist der Bau eines Passivhauses oder Drei-Liter-Hauses in der Erstellung durchaus teurer: Bauunternehmer Nils Twelmeier spricht von 200 bis 250 Euro pro Quadratmeter. Zwar gibt es neben dem gemeindlichen weitere Förderprogramme: Doch die sind mit einem derartigen bürokratischen Aufwand verbunden, den ein Bauträger kaum bewältigen könne, wenn er die Gelder zu 100 Prozent an den Bauherrn weitergeben muss, kritisierte Twelmeier. Apropos: Zur Geschichte der Steinhagener Klimasiedlung gehört auch die Haushaltssperre des Landes 2014, die drei Steinhagener Familien Fördermittel kostete.

Geschichte und Daten der Siedlung

Die Siedlung ist voll, die letzten drei Häuser sind derzeit im Bau. 33 Häuser sind in der Klimaschutzsiedlung gebaut worden: zwei Mehrfamilienhäuser mit je zehn Wohneinheiten, zwei Mehrgenerationenhäuser, 29 Einfamilienhäuser. Fünf Gebäude haben Passivhausstandard, darunter die Mehrfamilienhäuser. 2011 haben die Grünen eine solche Siedlung beantragt. 2012 waren die ersten Gespräche mit der Energieagentur NRW und die Bewerbung beim Land um den Status »Klimaschutzsiedlung NRW«, wichtig wegen der Förderprogramme. Im Mai 2014 wurde der erste Kaufvertrag geschlossen, im April 2016 der letzte. Im Dezember 2014 war das erste Haus bezugsfertig.

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